5 Arten von Springpferden

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Das Schlitzohr

Dieses Pferd ist meist eigentlich ein Pony und hat es faustdick hinter den Ohren. Nach Jahren voller Reitanfängern und verzweifelten Reitlehrern hat er die perfekte Technik entwickelt um seinen Reiter möglichst schnell abzuwerfen. Im Gegensatz zu anderen Pferden springt es nicht immer oder kündigt seine Verweigerung schon vorher an, sondern entscheidet erst mit allen vier Bein in der Luft, dass er doch nicht springen will. Um die ganz hartnäckigen Reiter loszuwerden, dreht er sich am liebsten nochmal um 180° und galoppiert bockend in die andere Richtung los. Bleibt der Reiter wider seiner Erwartung sitzen oder wagt es nochmal aufzusteigen, ist er die ersten 3 Sprünge wieder brav um den Reiter in Sicherheit zu wiegen, um dann, trotz perfekter Distanz, im letzten Moment erneut die Notbremse zu ziehen. Man versucht alles um diesem Pferd das Springen, oder wenigstens das Reiten überhaupt, schmackhaft zu machen. Meist hat man aber keine Chance. Hat man sich endlich mit diesem Pferd angefreundet und schafft es irgendwie im Sattel zu bleiben, entwickelt das Schlitzohr einen 6. Sinn für wichtige Momente. So legt er nur noch die Notbremse ein wenn es auf Turnier geht, die Reitabzeichenprüfung ansteht, für den Springlehrgang schon 200€ überwiesen worden sind oder der neue Freund das erste Mal zuguckt. Dieses Pony ist ja nicht blöd, sondern nur ein kleines Schlitzohr. Aber trotzdem lieben wir ihn.

Das Rennpferd

Dieses Pferd hat meistens einen hohen Vollblutanteil und verwechselt den Parcours scheinbar mit der Rennbahn. Sobald es einen Sprung sieht, schaltet es den Turbo ein und lässt sich auch so leicht nicht mehr bändigen. Für ein Zeitspringen also perfekt? Falsch gedacht. Sieht man ihm auf einem Turnier (was auf das sowieso schon hyperaktive Pferd ungefähr wirkt wie 3 Liter Redbull), wirkt der Ritt meist eher wie ein Selbstmordversuch. Während das Pferd scheinbar versucht den Bahnrekord zu brechen, sitzen zwei von drei Reitern hilflos oben drauf und versuchen panisch ihr Pferd irgendwie wieder unter Kontrolle zu bekommen. Das durch die hohe Geschwindigkeit meist die Hälfte der Distanzen nicht passt und eine Kombination mit 3 Galoppsprüngen mit nur 1 Galoppsprung geritten nur in die Hose gehen kann, ist glaube ich jedem klar. So hat das Rennpferd zwar die schnellste Zeit, aber auch die meisten Fehler. In seltenen Fällen findet das Rennpferd einen Reiter, der es schafft ihn auch ohne scharfes Gebiss, einigermaßen unter Kontrolle zubringen. Dann ist dieses Team in Zeitspringen unschlagbar. In Stilspringen brauchen sie aber trotzdem meist nicht antreten.

Die Kuh

Mit der Kuh ist nicht wie bestimmt einige böse Zungen vermuten ein Schecke gemeint, sondern vielmehr ein Pferd dessen Springstil sagen wir mal “Fragwürdig” ist. Diese Pferde springen zwar gerne, scheinen aber noch nicht so richtig herausbekommen zu haben, wie das mit dem Springen eigentlich funktioniert. Insgesamt sieht es meist aus, als hätte das Pferd noch nicht bemerkt, dass es vier Beine hat und das es diese auch unabhängig von einander bewegen werden können. Daher springen sie meistens wie Kühe: Alle Viere gehen gleichzeitig in die Luft und der Rücken wird so rund wie möglich gemacht. Reiter solcher Pferde werden oft für ihre scheinbar unglaubliche Sattelfestigkeit bewundert. Aber auch andere seltsame Springstile sind ab und zu (wenn auch nicht so häufig wie der “reine Kuh-Stil”) zu sehen. Pferde die über dem Sprung scheinbar ein Bein vergessen (“Huch ich hab vorne zwei Beine”?) oder die über dem Sprung so langsam werden, dass man Angst hat das sie mitten in der Luft stehen bleiben und einfach auf dem Sprung plumpsen. Während ein Großteil der Kühe irgendwann doch noch die Kontrolle über ihren Körper bekommen und Springpferde werden, ist bei anderen Springkühen dagegen Hopfen und Malz verloren.

Der Glotzer

Der Glotzer ist eigentlich ein liebes Springpferd. Aber wehe das Hindernis hat aufällige Ständer. Oder Planken. Oder bunte Stangen. Während er beim heimischen Training über holzfarbene Cavallettis ein absoluter Schatz ist, überfordert ihn der bloße Anblick eines bunten Sprung mit Büschen an der Seite. Am liebsten würde er auf 10 km nicht in die Nähe eines solchen Monsters kommen. Und drüber springen kommt ihm auch nicht in die Tüte. Hat er den Sprung dann dreimal gesprungen, ist es wieder okay. Aber wehe ist kommt eine andersfarbige Stange obendrauf. Dann ist das wieder ein ganz anderer Sprung und muss erstmal mit Schnauben und am besten von gaaaaanz weit weg beobachtetet werden. Auf Turnier schlängeln sich diese Pferde meist elegant um die Sprünge oder kommen gar nicht erst in den Parcours, weil das böse Zelt des Parcoursdienst in der Nähe des Eingangs steht. Hat der Glotzer einen durchsetzungsstarken Reiter, springt es vielleicht den Parcours durch, aber nicht ohne vor jedem Sprung energisch überredet zu werden zu müssen und jedes kleine unbekannte Ding mit Schnauben und energischen Glotzen zu kommentieren. Spätestens jedoch am Joker mit Bällen oder den schrecklichen blauen Mülltonnen drunter, bekommt der Glotzer einen Nervenzusammenbruch und beendet den Parcour vor dem letzten Sprung.

Der Profi

Dieses Pferd liebt es zu springen. Egal wie man es vor dem Sprung setzt, es springt immer. Auch nimmt er Dir nichts übel, selbst wenn du ihm zum 30 mal zu groß in die Kombination setzt , macht er brav seinen Job. Dabei hat er oft so ein Vermögen, dass er dich trotz eines miserablen Rittes nach vorne bringt. Er hat schon alles gesehen und macht auch fast alles mit. Kostümspringen, Jump and blablabla oder den schrecklichen Joker im Jokerspringen. Das einzige was er nicht mitmacht: E-Springen oder noch schlimmer: Einen Springreiter! Hier fühlt sich der Profi persönlich beleidigt. Schließlich ist er für höheres (Springen) bestimmt. Also lässt er die Beine hängen oder springt einfach gar nicht ab. Ganz nach dem Motto “Huch, war da was?”. Während er mit der kleinen Schwester im E-Springen nicht unter 16 Fehlerpunkten bleibt, gewinnt er mit der großen Schwester ein M-Springen nach dem anderen. Der Profi bleibt selbst den unmöglichsten Situationen tiefen entspannt. Geht in der Siegerehrung das Rennpferd durch, während sich der Glotzer über seine Schleife aufregt und das Schlitzohrpony erneut versucht seinen Reiter runter zu bocken, absolviert der Profi professionell die zwei Runden Galopp, schaut dabei noch modelmäßig in die Kamera des Turnierfotografen und lässt sich danach ohne mit der Wimper zu zucken auf dem Anhängerparkplatz verladen, obwohl das mittlerweile reiterlose Schlitzohrpony den kompletten Turnierplatz aufmischt.

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