Der Aalstrich wird auch als Aalstreif oder Rückgratstrich bezeichnet und ist ein schmaler, dunkler Streifen, der von der Fellfärbung abweicht und vom Widerrist bis zum Schweif entlang des Rückgrats von Pferden und anderen Tieren verläuft.

Wortherkunft und der Aalstrich in der Natur

Der vom Mähnenkamm bis zum Schweifansatz verlaufende Streifen wird als Aalstrich bezeichnet, da er mit seiner länglichen Form Ähnlichkeit zum Aussehen eines Aals aufweist. Der Aalstrich kommt nicht nur beim Pferd, sondern auch bei anderen Wirbeltieren, darunter mehreren Nutz- und Heimtierrassen vor, darunter bei Rindern, Eseln, Ziegen oder auch Hunden und Gänsen. In der Natur dient er dazu, dass die Konturen von hellhäutigen Rassen und Tierarten besser erkannt werden können. Damit hat er auch eine Funktion mit Blick auf das Sozialverhalten.

Kreuzstrich und Grotzen

In Zusammenhang mit dem Aalstrich treten häufig die Begriffe Kreuzstrich und Grotzen auf. Mit dem Kreuzstrich ist die Kreuzung zweier Striche gemeint, wenn sich der Aalstrich auf dem Rücken mit einem Schulterstrich kreuzt. Dies erinnert optisch an ein Kreuz, wodurch die Bezeichnung Kreuzstrich entstanden ist. Bei den Nutz- und Heimtierrassen kommt dieser Strich bei einigen Eselrassen vor, darunter dem Provenzalischen Esel. Zugleich hat der Kreuzstrich im christlichen Kulturkreis auch eine symbolträchtige Bedeutung. So sollen die Esel beim Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag einen solchen gekreuzten Strich erhalten haben.

Bei dem Begriff Grotzen handelt es sich um eine andere Bezeichnung für den Aalstrich, die allerdings nur bei Fellen angewendet wird. Weist also ein Fell, zum Beispiel ein Fuchsfell, einen Aalstrich auf, so wird dieser Grotzen genannt.

Der Aalstrich beim Pferd

Der Aalstrich kommt lediglich bei einigen Pferderassen vor, die bis heute die primitiven Abzeichen der ursprünglichen Wildpferde aufweisen. Er ist einer von mehreren möglichen Wildzeichnungen, die von den Urahnen des Pferdes nach wie vor erhalten geblieben sind. Hinsichtlich der Fellfarbe sind dies meist Falben, seltener aber auch Dunkelfüchse und Braune. Was an den Beinen durch die sogenannten Zebrastreifen sichtbar wird, spiegelt sich entlang des Rückgrats durch den dunklen Streifen des Aalstrichs wider. Dieser wird bei Pferden auch als Dorsalstrich bezeichnet und geht vom Deckhaar sogar meist in Mähne und Schweif über, die dadurch zweifarbig erscheinen.

Je nach der Farbintensität des dunklen Strichs fällt dies optisch mehr oder weniger ins Gewicht. Typisch ist der Aalstrich bei einer Fellfarbe, nämlich beim Falben, der immer einen dunklen Strich auf dem Rücken hat. Daher ist der Falbe auch die Fellfarbe der Wildpferde, wie etwa beim Przewalski-Pferd, das ausschließlich als Falbe mit Aalstrich vorkommt. Als weiteres Beispiel sei die in Deutschland vorkommende, halbwild lebende Pferderasse der Dülmener genannt. Darüber hinaus kommt der Aalstrich aber auch bei Hauspferderassen vor, darunter zum Teil sogar bei Pferden, die eigentlich keine Falben sind. Diese tragen einen meist weniger intensiven Strich auf dem Rücken, der zur begrifflichen Trennung oftmals auch als Pseudo-Aalstrich bezeichnet wird.

Neben den Pferden und seltener auch Ponys gibt es zahlreiche weitere Säugetiere, die den dunklen Streifen auf dem Rücken als Erbe ihrer ursprünglichen Vorfahren tragen, sowohl Weibchen als auch Männchen. Ein Aalstrich beim Zebra wird sicherlich niemanden verwundern, vielmehr vielleicht, dass sogar Kaninchen, Mäuse und Hamster ein solches Abzeichen aufweisen können.