Die Hobbys Hund und Pferd zu kombinieren, ist eine wunderbare Möglichkeit alle drei Individuen körperlich und geistig auszulasten. Am besten kann ich persönlich das beim Ausreiten. Aber um im Gelände zu Dritt verkehrssicher auftreten zu können, muss man vorher viel üben. Hier findet ihr eine Step by Step Anleitung.

Ich muss euch sagen, ich liebe es mit meiner Hündin Kuni (Patterjack) und meinem Wallach Le Beau (Holsteiner) gemeinsam auszureiten, aber das war auch eine menge Vorarbeit.

Ausreiten mit Hund

Hier bei uns in Schleswig-Holstein darf man noch mit dem Pferd und (dem unangeleinten) Hund auf den Reitwegen ausreiten. Doch in einigen Bundesländern ist das schon verboten. Damit dieses Verbot nicht auch bei uns umgesetzt wird und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer gewährleistet ist, versuche ich mich immer an alle Verkehrsregeln zu halten. Dies beinhaltet für mich unter anderem:

  • solide Grundausbildung von Hund, Pferd und Reiter
  • immer im Kopf behalten: Hunde sind Jäger – Pferde sind Fluchttiere. Sie reagieren also auf eine Situation oftmals komplett unterschiedlich
  • nur auf Reitwegen reiten, Straßenverkehr so gut es geht zu vermeiden
  • wenn man am Straßenverkehr teilnehmen muss, sollte man absteigen und Pferd und Hund an die Leine nehmen
  • in der Erntezeit auf das Ausreiten verzichten, da die Landwirte oftmals hektisch herum fahren und der Reiter nicht garantieren kann, dass sein Pferd nicht vor dem Trecker scheut oder der Hund davor läuft. Tiere bleiben immer unberechenbar!
  • der Hund ist IMMER abrufbar, auch in der Setzzeit
  • der Hund befolgt auch vom Pferd aus die Kommandos „Fuß, Sitz, Bleib, Voraus und Seite wechseln“
  • das Pferd kann ruhig stehen bleiben, wenn der Reiter eine Situation im „Halt“ regeln muss.
  • der Reiter führt immer eine Hundeleine, Kotbeutel und ggf. eine Hundepfeife mit
  • das Pferd kann immer anhalten, los laufen, Richtung wechseln oder über Hindernisse springen, ohne das es kopflos wird
  • kann der Reiter wirklich die Situation und das eintreffende Verhalten seiner Tiere einschätzen?
  • besondere Ausbildung gilt den Jagd- und Hütehunden, da sie durch ihren Instinkt zu ungewollten Übersprungshandlungen neigen
  • der Hund sollte mindestens 1 Jahr alt sein, sonst werden durch die weiten Strecken und ggf. durch die Geschwindigkeit die Gelenke zu sehr strapaziert
  • der Reiter kann im Gelände absitzen und auch wieder aufsteigen können 😛

Hund sitzt auf Pferd

Reitbegleithund – Eingewöhnung und Voraussetzung

Step 1:

  • Alle drei Teilnehmer des Ausritts kennen sich gut und respektieren und vertrauen einander.
  • Zusammen spazieren gehen und Grundkommandos für Hund und Pferd sind getestet worden.
  • Desweiteren mache ich Abenteuerspaziergänge, die zusammen bewältigt werden: über Pfützen springen, Hügel & kleine Flüsse überqueren, Waldengen zusammen durchqueren, Stoppelfelder begehen, Matschgruben durchlaufen.
  • Ängstliche Hunde werden abgeleint mit genommen, damit er nicht das Gefühl hat, vom Pferd eingeengt zu werden. Mit Leine kommen auch viele gefährliche Situationen zustande.
  • Der Hund bewahrt immer einen respektvollen Abstand zum Pferd und beißt NIE in die Hanken oder in den Schweif.

Step 2:

  • Hund mit in den Round Pen nehmen, neben dem Menschen sitzen lassen und die Bewegung des Pferdes auf den Hund wirken lassen. Wenn ich noch nicht weiß, ob der Hund los läuft, um zu jagen, leine ich den Hund an und stelle mich auf seine Leine. Wenn sich die beiden in der Bewegung ignorieren, umso besser!
  • Mit Hund und Pferd joggen gehen. Beide akzeptieren die Bewegung des anderen.
  • Auf dem Reitplatz aufsitzen und nebeneinander laufen lassen. In der Halle könnten sich beide Individuen eingeengt fühlen. Bei einem Angriff vom Pferd kann der Hund nicht ausweichen.
  • Hund grundsätzlich auf die rechte Seite nehmen (die Straßenverkehr- abgewandte Seite).
  • Auf großer Koppel oder Springplatz (mit viel Ausweichmöglichkeiten für Hund und Pferd) alle Gangarten, Wendungen und auch das Anhalten üben. Der Hund sollte sich wie beim Agility an dem Führer ausrichten, hier sind es die Bewegungen vom Pferd.
  • Hund absetzen, mit Pferd ein Stück weg reiten und Hund aus jeder Position und Situation abrufen.
  • Pferd sollte mit einer Hand reitbar sein.
  • Schleppleine mitnehmen, damit der Hund auch ein paar Meter vor oder hinter dem Pferd laufen kann.
  • Pferd akzeptiert Leinen an seinem Körper und darf keine Angst davor haben
  • NIEMALS die Hundeleine an Sattel, Bauch oder dem Handgelenk befestigen: Unfallgefahr!!!

Step 3:

  • Los geht’s! Der erste Ausritte NUR im Schritt, damit sich alle dran gewöhnen können und nicht durch schnelle Bewegungen überfordert sind.
  • Die Kondition des Hundes – ggf. auch des Pferdes – muss langsam aufgebaut werden.

Ausreiten mit Hund – SNUUT-Tipp

Wenn ihr einen großen Hund habt, kann man ihm beibringen an dem Sattelblatt mit den Vorderläufen hochzusteigen, um ihn vom Pferd aus anzuleinen. Das muss natürlich dem Hund erst an einer Wand und auch dem Pferd langsam beigebracht werden. Wenn beide die Einzelübungen akzeptiert haben, kann man die Tiere zusammen bringen.

Manche Hunde- oder Reitvereine bieten Seminare zum Reitbegleithund an. Auch für Nicht-Reiter und Hundehalter auf dem Land mit viel Pferdekontakt ist das eine tolle Sache!

Freizeit gemeinsam zu verbringen, ist die schönste Sache der Welt. So sind Ausritte mit Hund und Pferd für mich das Beste um den stressigen Alltag zu vergessen.

Wie habt ihr die Ausritte mit Hund und Pferd geübt? Verlief alles so reibungslos, wie bei uns oder hattet ihr Probleme? Und wenn ja, welche waren es und wie habt ihr sie bewältigt?

Ich freue mich auf eure Erfahrungen!

HERZliche Grüße,

Sina

Sina Herz

Sina Herz

Bloggerin bei SNUUT
Hallo liebe SNUUTs,
ich bin Sina, 27 Jahre alt und betreibe seit 2014 den Pferde- und Hundeblog www.snuut.de. Seit meinem 5. Lebensjahr reite ich. Angefangen mit einem Shetty und Voltigieren bis zum Landesmeister - nun mit Le Beau zu höheren Dressurlektionen. Ich freu mich über viele Leser und noch mehr über eure Geschichten. Kommt mit in meine Pferdewelt!

HERZliche Grüße,
Sina
Sina Herz

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3 KOMMENTARE

  1. Hallo liebe Sina,
    Danke für Deine vielen Tipps. Bisher hatte ich nie Probleme, meine bisherigen Hunde (Jack Russel) bei Ausritten mit zu nehmen. Nun habe ich einen sehr sensiblen Jack Russel/Yorki Mix, der super gehorcht, wenn ich mit dem Pferd und ihm spazieren gehe. Sobald ich aufsteige, bekommt er nach ein paar Metern Panik, hört gar nicht mehr u. rennt mit eingekniffenem Schwanz nach Hause. Nur mit großer Mühe kann ich ihn dann zurück rufen, auch erst wenn ich absteige. Er hat keine schlechten Erfahrungen gemacht Wenn ich mit Fleischwurst auf der Gerte locke, geht das erst eine Weile gut. Mit Leine u. Pferd will er nur nach vorne fllüchten und hat Angst. Finde ich bei einem so kleinem Hund auch gefährlich mit Leine. Hast Du einen Tipp für mich? Danke im voraus, LG Anja

    • Hallo liebe Anja,
      schön, dass dir der Artikel gefällt und das du bisher keine Probleme mit deinen vorherigen Hunden hattest. Nun zu deinem Anliegen: Es ist schonmal sehr gut, dass du das Problem kreativ (Leberwurst an der Gerte) lösen willst. Da du beschrieben hast, dass gemeinsames Spazierengehen kein Problem ist, würde ich mir an deiner Stelle einen zuverlässigen Partner suchen, der dir bei dem Problem hilft. Du könntest einen Freund oder eine Freundin bitten, dich ein paar Mal auf einem (Aus-) Ritt zu begleitet. Wichtig wäre es, dass dein Hund dieser Person auch vertraut. Du solltest, wie gewohnt Aufsitzen und die Person zwischen deinem Pferd und deinem Hund laufen lassen, sodass dein Hund das Gefühl hat von der Person abgeschirmt zu werden. Bei diesem Teil der Problemlösung sollte dein Hund erst einmal von der Person an der Leine geführt werden, damit er sich dieser Übung nicht entzieht, wie er es bisher tut. Sobald der Hund eine Winzigkeit gut gemacht hat, wie „entspannt neben euch läuft, das Pferd mit dir als Reiter ignoriert, seine Körperspannung entweicht, sich nicht gegen die Leine schmeißt“ musst nur DU auf dem Pferd eine richtige „Party feiern“ -> die Lieblings- Leckerlies fliegen von oben, du machst quietschende Laute (ohne dass das Pferd erschrickt) und zeigst deinem Hund mit deiner Körpersprache, dass er alles richtig macht und keine Gefahr von dem Pferd ausgeht, denn du hast alles im Griff und bist Rudelführer. Wenn ihr das ein paar Male geübt habt und der Hund keine Stressanzeichen mehr zeigt, würde ich ein Level höher gehen und ihn abgeleint nebenher laufen lassen (oder wenn ihr noch einen kleinen Zwischenschritt braucht, mit Schleppleine nebenher laufen lassen). Zuletzt würde ich ausprobieren, ob sich die Person in Bewegung frei um das Pferd positionieren kann, ohne das der Hund das Gefühl hat, alleine mit dieser Situation zu sein. Also Step by Step, ohne Stress mit ganz viel Motivation, Spaß und Kreativität.

      Falls dein Hund in Stresssituationen nicht auf Leckerlies reagiert, würde ich ihn am Morgen hungern lassen, sodass er sich sein Futter erarbeiten muss.

      So würde ich die Sache angehen, das heißt aber nicht, das es funktioniert. Da ich mit deinem Text nur eine Fernprognose stellen kann und in der Situation eure Körpersprachen nicht kenne. Ich wünsche euch ganz ganz viel Erfolg und berichte gerne, ob es geklappt hat.

      Falls du noch weitere Fragen hast oder mir das Problem im Detail aufzeigen möchtest, kannst du gern über http://www.snuut.de Kontakt zu mir aufnehmen 🙂

      Alles Liebe euch!
      Sina von SNUUT

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