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Ein Brandzeichen beim Pferd ist eine Kennzeichnung, die durch ein erhitztes Brandeisen in die Haut eingebrannt wird. Alternativ kann ein Kaltbrand mithilfe eines auf minus 80 Grad Celsius temperierten Stempels erfolgen.

Warum werden Pferde mit einem Brandzeichen gekennzeichnet?

Ein Brandzeichen dient insbesondere bei Pferden, aber auch bei Rindern dazu, die Zugehörigkeit zu einer Rasse zu kennzeichnen. Es handelt sich also um eine Markierung, die für jeden Betrachter direkt erkennbar macht, um welche Pferderasse es sich handelt und zu welchem Zuchtgebiet das Pferd gehört. Die Pferdezuchtverbände haben daher zur Unterscheidung jeweils ein eigenes Brandzeichen, das oftmals wappenähnlich aussieht und im Zuchtprorgramm festgeschrieben ist. Wer also ein Pferd kaufen möchte, sich für eine Reitbeteiligung interessiert oder Pferde beispielsweise bei einer Stutenleistungsprüfung beobachtet, kann direkt erkennen, um welche Rasse es sich handelt.

Wie wird das Brandzeichen beim Pferd eingebrannt?

Zum Einbrennen des Brandzeichens wird ein Brandeisen verwendet, das derart hoch erhitzt wird, dass es die Haut bei Berührung verbrennt. An dieser Stelle bildet sich ein Narbengewebe aus, sodass kein Fell mehr wächst und die Kennzeichnung dauerhaft bestehen bleibt. Als Alternative zu diesem Heißbrand kann auch ein Kaltbrand infrage kommen. In diesem Fall wird das Eisen mithilfe von flüssigem Stickstoff auf eine Minustemperatur von 80 Grad heruntergekühlt. Bei Berührung mit der Haut werden die Pigment bildenden Zellen der oberen Hautschicht zerstört. Dadurch kann an dieser Stelle nur noch ungefärbtes, also weißes Fell nachwachsen, das als Brandzeichen erhalten bleibt. Am häufigsten wird aber nach wie vor der Heißbrand angewendet.

Welche Arten von Brandzeichen gibt es?

Der Rassebrand der verschiedenen Pferdezuchtverbände wird meist durch einen Nummernbrand ergänzt, um die Identifikation des Pferdes noch einfacher zu machen. Darüber hinaus sind Eintragungsbrände üblich, die beispielsweise bei der Stutenleistungsprüfung oder bei der Eintragung in das Zuchtregister durchgeführt werden und im Zuchtprorgramm vorgeschrieben sind. Ebenso möglich sind Gestütsbrandzeichen, die auf die Gestütsherkunft des Pferdes hinweisen, oder Züchterbrandzeichen, bei denen alle Pferde eines Züchters mit demselben Zeichen markiert werden. Beim Rassebrand wird das Brandzeichen in der Regel auf der linken Hinterhand des Pferdes eingebrannt. Beim Gestütsbrand ist hingegen die rechte Hinterhand üblich, beim Eintragungsbrand die Seite des Halses sowie bei Nummernbänden die Sattellage.

Das Brandzeichen beim Pferd – lange Tradition und Kontroverse zugleich

Das Brandzeichen beim Pferd hat als Kennzeichnungsmethode eine lange Tradition und wird von allen Zuchtverbänden eingesetzt, um das Zuchtgebiet des Pferdes zu markieren. Unabhängig davon, ob das Pferd im Pferdesport oder nur für die Zucht verwendet wird, erhält es als Fohlen ein solches Zeichen. Schon lange bevor es überhaupt Stutbücher oder Zuchtregister als amtliche Dokumente gab, war es üblich, die Rassezugehörigkeit oder den Eigentümer eines Pferdes auf diese Weise zu verdeutlichen. So war die Brandmethode schon bei den Sumerern eine bewährte Technik, um die Identifizierung von gestohlenen Pferden zu ermöglichen. Auch im Mittelalter war das Brandzeichen gang und gäbe; bei Fälschungen wurde sogar die Todesstrafe verhängt. Als hilfreich erwies sich diese Methode sehr oft, denn nicht immer war es aufgrund des individuellen Aussehens des Pferdes möglich, es eindeutig zu identifizieren. Hinzu kam der Umstand, dass viele Pferdebesitzer nicht schreiben oder lesen konnten und schon deshalb ein eindeutiges Erkennungsmerkmal benötigten.

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Heute werden seit einigen Jahren auch Mikrochips zur Kennzeichnung verwendet, wodurch sich eine zunehmende Kontroverse in puncto Tierschutz entwickelt hat. Hinzu kamen als Auslöser der Diskussion Fragen der Tierseuchenbekämpfung im Zusammenhang mit der Viehverkehrsordnung. Einige Veterinärmediziner und Tierschützer plädieren für die Abschaffung des Brandzeichens, da es starke Verbrennungen beim Fohlen verursachen würde. Dies würde zu Schmerzsymptomen, Verstörtheit und einem beeinträchtigten Saug- und Spielverhalten bei den jungen Pferden führen. Das Brennen sei schmerzhafter als die Implantation eines Transponder-Chips und könnte fehlerbehaftet sein, wodurch das Brandzeichen auf Dauer schlecht lesbar wäre. Befürworter des Brandzeichens argumentieren hingegen damit, dass die Haut von Säugetieren von Natur aus auf Verletzungen vorbereitet sei und die Auswirkungen des Chippens langfristig noch nicht abzusehen seien. Das Brandzeichen würde im Gegensatz zum Chip keine Entzündungen hervorrufen, der als Fremdkörper ein Leben lang im Pferd verbleibt und eventuell zu wandern beginnt. Die Gefahr von Komplikationen sei beim Mikrochip deutlich höher als bei den bewährten Kennzeichnungsmethoden. Darüber hinaus erhole sich das Fohlen beim Brand nach einem kurzen Schreck sehr schnell.

In Deutschland haben sich die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), die Pferdezuchtverbände und Entscheidungsträger im Pferdesport über mehrere Jahre hinweg für den Erhalt des Schenkelbrandes als Kennzeichnungsmethode eingesetzt. Dieser löste zeitweise eine starke Debatte aus und sollte abgeschafft werden. Maßgeblich für den Erhalt war auch ein von der FN vorgelegtes Gutachten, in dem für das Brandzeichen plädiert wurde. Der Vergleich beider Kennzeichnungsmethoden ergab, dass sich das Feingewebe der Haut bei einem Transponder mehr verändert als bei einem Heißbrand. Die Gesetzgebung kam daher zum Schluss, dass der Schenkelbrand bis Ende 2018 zugelassen ist. Danach soll die Durchführung des Brandzeichens weiter erfolgen, allerdings unter Anwendung einer lokalen Betäubung, um den Schmerz auszuschalten. Wer ein Pferd oder eine Reitbeteiligung sucht, kann die Rasse also nach wie vor am Brandzeichen erkennen.

Argumente gegen das Brandzeichen:

  • Verursachung von starken Verbrennungen, nicht mit Tierschutz vereinbar
  • schmerzhafter als Implantation eines Chips
  • Schmerzsymptome
  • Verstörtheit und beeinträchtigtes Saug- und Spielverhalten
  • Brand ist fehlerbehaftet; Zeichen eventuell nicht gut lesbar

Argumente für das Brandzeichen:

  • Fohlen erholt sich nach kurzem Schreck direkt
  • Haut evolutionsbedingt auf Verletzungen vorbereitet
  • Auswirkungen des Chips auf Gesundheit und Psyche des Pferdes unbekannt
  • Implantation kann zu Komplikationen, Entzündungen etc. führen (auch durch ein Wandern)
  • Schenkelbrand ist sicher und unverwechselbar, für jeden direkt erkennbar mit bloßem Auge
  • Brandzeichen dient auch als Markenzeichen für Pferde aus Deutschland
  • Transponder hat Ausfallraten
  • Schenkelbrand verursacht keine anhaltenden Schmerzen
  • Bundesrat hat im Zuge der Viehverkehrsordnung bereits beschlossen, sich gegen die Transponder-Kennzeichnung von Ziegen und Schafen einzusetzen

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