Cor de la Bryère – der legendäre Top-Vererber der Holsteiner Zucht

Der im Jahr 2000 gestorbene Hengst Cor de la Bryère war einer der bedeutendsten Top-Vererber in der Warmblutzucht und gilt bis heute als Jahrhunderthengst von einmaliger Zuchtqualität. 1968 geboren und gezüchtet von Madame Essayess und Yvre de Polaiss, beeinflusste der schon zu Lebzeiten legendäre Selle Français wie kein anderer Deckhengst die Holsteiner Zucht. Seit er 1971 von dem Züchter Alwin Schockemöhle aus Frankreich nach Deutschland geholt und an den Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes e.V. ausgeliehen wurde, deckte der dunkelbraune Ausnahmehengst derart viele Stuten, dass sein Blut heute in über 70 Prozent aller Holsteiner-Pedigrees fließt. Noch heute beträgt sein Zuchtwert bei Springpferden 120 Punkte bei einer Zucht-Sicherheit von 98 Prozent. Am 27. April 2000 musste Cor de la Bryère mit 32 Jahren wegen einer akuten Herzerkrankung eingeschläfert werden.

Eckdaten zu Cor de la Bryère im Überblick

Geboren 1968
Gestorben 2000
Rasse Selle Français
Farbe Dunkelbraun
Verband Hannoveraner Verband e.V.
Stockmaß 168 Zentimeter
Züchter Madame Essayess, Yvre de Polaiss
Besitzer Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes e.V./Alwin Schockemöhle, Xavier Ribard
Decktaxe
Zuchtwert 120 Punkte
Zuchtsicherheit 98 Prozent
Zulassungen Holsteiner Verband

Leben und Erfolge

Cor de la Bryère wurde am 23. April 1968 in Frankreich geboren, trug den Spitznamen Corde und überzeugte mit einer hervorragenden Abstammung. Seine Mutter war keine geringere als Quenotte B, Tochter von Lurioso, die auf den erfolgreichen Vollblüter Furioso zurückging. Väterlicherseits war der Hengst ein Nachkomme von Rantzau, der in Frankreich bereits eine Vielzahl an guten Springpferden hervorgebracht hatte. Er stammte, ebenso wie Furioso, von Dark Ronald ab, dem Stempelhengst der deutschen Vollblutzucht im 20. Jahrhundert. Trotz dieses erlesenen Stammbaums sah die französische Zuchtkommission vor, Cor de la Bryère zu kastrieren – der Grund, warum ihn sein Besitzer Xavier Ribard zum Verkauf anbot.

Zu Beginn der 1970er Jahre hatte sich im Holsteiner Verband herumgesprochen, dass sich bereits die Oldenburger Zucht durch französisches Blut hervorragend entwickelte. Hier wurden die Furioso-Söhne Futuro und Furioso xx eingesetzt und brachten vielversprechende Nachkommen hervor. Fortan sollte auch die Holsteiner Zucht von französischem Blut profitieren, zumal der Oldenburger Züchter Alwin Schockemöhle das Angebot machte, den von ihm angepachteten Furioso xx-Sohn Urioso an den Verband weiter zu verpachten. Dieser wurde 1971 in Frankreich durch einen deutschen Ausschuss begutachtet, der bei diesem Anlass den damals zweieinhalbjährigen Cor de la Bryère entdeckte. Der junge Hengst überzeugte auf Anhieb mit seinem äußerst elastischen Auftreten, wurde daher für 20.000 DM gekauft und nach Holstein exportiert, wo er direkt den 100-Tage-Test gewann. Ebenso ging er im Sattel von Herbert Blöcker siegreich aus der Hengstleistungsprüfung hervor. Dies war der Ausgangspunkt für eine einzigartige Zuchtkarriere, die bereits in der ersten Saison mit 70 Deckeinsätzen begann. Züchter, die zunächst skeptisch waren, begeisterte Cor de la Bryère schnell mit seiner Eleganz, dem korrekten Fundament, der sehr guten Bemuskelung und dem hervorragenden Sprung.

Vier der Nachkommen aus diesem Jahrgang wurden erfolgreich gekört, wobei sich schnell herausstellte, dass Cor de la Bryère vor allem exzellente Springveranlagungen vererbte. Neben der hervorragenden Springtechnik gab er auch seine enorme Lernfähigkeit und seine große Leistungsbereitschaft weiter – ideale Voraussetzungen, um mit ihm erfolgversprechende Springpferde zu züchten. Während Urioso, der ursprünglich favorisierte Hengst, nur zwei Jahre lang eingesetzt wurde und danach an Bedeutung als Beschäler verlor, feierte Cor de la Bryère einen noch nie da gewesenen Triumphzug als Jahrhundertvererber. Stationiert war der Hengst bis 1984 in Siethwende im Kreis Steinburg, bevor er 1985 vorübergehend im belgischen Gestüt Zangersheide und ab 1986 bis 1988 in Elmshorn stand. Von 1989 bis zu seinem Tod war eine Hengststation in Sollwittfeld seine Heimat.

Cor de la Bryère und seine Nachkommen

Cor de la Bryère war nicht nur in Holstein, sondern in ganz Europa einer der bedeutendsten Linienbegründer. Sowohl in puncto Rittigkeit und Springtechnik als auch Leichtfüßigkeit und Manier war seine Vererbung durchschlagend, sodass seine Nachkommen nicht nur im Springsport, sondern in allen Disziplinen des Reitens internationale Erfolge einheimsen konnten. Zugleich erlangten seine Söhne auch in der Sportpferdezucht weltweit einen enormen Einfluss, wie beispielsweise der Holsteiner Caletto I, der sich zu einem bedeutenden Zuchthengst und erfolgreichen Springpferd entwickelte. Mehrere Erfolge bei internationalen Prüfungen, darunter die Mannschafts-Bronzemedaille bei den Europameisterschaften 1983, sprachen im Sport für sich. Noch bedeutender war Caletto I aber als Deckhengst. So brachte er 19 gekörte Söhne und 103 eingetragene Zuchtstuten hervor, von denen vier die Staatsprämie erhielten. Ein ebenso erfolgreicher Nachkomme von Cor de la Bryère war Caletto II, der als bedeutendster Sohn des Top-Vererbers angesehen wird und selbst namhafte Söhne und Töchter hervorbrachte. Hierzu gehörten unter anderem der 1984 geborene Elitehengst Cadillac, sein bedeutendster Sohn Caretino, der von Ludger Beerbaum geritten wurde, und die Tochter Classic Touch, die 1992 bei Olympia die Goldmedaille gewann. Durch seine Söhne Caletto I und Caletto II, aber auch durch Caletto III sowie die Söhne Calypso I bis V schuf Cor de la Bryère einflussreiche Bruderdynastien, die sich ebenso sportlich wie in der Zucht exzellent bewährten. Besonders erfolgreich waren die Paarungen mit der Stute Tabelle, aus denen fünf gekörte Söhne wie Calypso I und II hervorgingen. Die Zuchtstute Furgund wurde 18 Mal von Cor de la Bryère gedeckt und bekam sechs gekörte Söhne. Nicht zuletzt war die Verbindung mit Deka sehr erfolgreich, aus der die drei Caletto-Brüder entstammten, die wiederum ganze Hengstdynastien begründeten. Aber auch die Töchter sind nicht zu vergessen, darunter die erstklassige Stute Costa 5 im Sattel von Dr. Michael Rüping und Cordeka. Die Vollschwester von Caletto I bis III sorgte mit Herbert Blöcker in der Vielseitigkeit für sportliche Furore.

Insgesamt brachte Cor de la Bryère 569 eingetragene Zuchtstuten, davon 84 mit Staatsprämie, sowie 85 gekörte Söhne hervor. Bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sind 989 Turnierpferde registriert, die auf den Ausnahmehengst zurückgehen. Davon sind 188 erfolgreiche Springpferde und 12 Dressurpferde.

Stammbaum von Cor de la Bryère

Cor de la Bryère ♂ Rantzau xx 
Englisches Vollblut
Fuchs, 1946
Foxlight xx ♂
Englisches Vollblut
Fuchs, 1935
Foxhunter xx 
Englisches Vollblut
Fuchs, 1929
Chouia xx 
Englisches Vollblut
Fuchs, 1925
Rancune xx 
Englisches Vollblut
Braun, 1940
Cavaliere d’Arpino xx 
Englisches Vollblut
Braun, 1926
Rockella xx ♀
Englisches Vollblut
Braun, 1926
Quenotte B ♀
Stelle Francais
Dunkelbraun, 1960
Lurioso 
Anglo-Normane
Braun, 1955
Furioso xx ♂
Englisches Vollblut
Braun, 1939
Riquette AN ♀
Anglo-Normane
Braun, 1939
Vestale du Bois Margot ♀
Stelle Francais
Fuchs, 1942
Landau ♂
Stelle Francais
Fuchs, 1933
Kristine Du Bois Margot ♀
Anglo-Normane
1932

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