Bewegungsablauf

Bewegungsablauf bewerten

Zur Beurteilung des Bewegungsablaufs an der Hand lässt man das Pferd zunächst am durchhängenden Zügel auf hartem, ebenem Boden im Schritt in gerader Linie auf sich zu und von sich weg führen. Danach auf derselben Linie im Trab. Das Pferd soll dabei unbedingt locker, gleichmäßig und ruhig traben. Durch entsprechende Peitschenführung provozierte Spannungen erschweren die Beurteilung und können Gangunregelmäßigkeiten überdecken.

Beobachten Sie die Gliedmaßenführung. Und achten Sie darauf, wie sich eventuelle Gliedmaßenverstellungen in der Bewegung auswirken. Z.B. ob von vorne Bügeln, Streichen oder Kreuzen erkennbar sind. Oder ob die Fußung besonders eng oder weit ist. Diese kann mit Gleichgewichtsproblemen verbunden sein.

Hinter dem Pferd stehend beobachtet man, ob in der Bewegung die Hinterbeine drehen, die Sprunggelenke instabil sind. Oder ob die Hinterbeine in Richtung auf die Vorderbeine fußen, enger oder breiter werden. Pferde, die im Trab hinten übermäßig breit werden, haben Schwierigkeiten mit der Lastaufnahme durch die Hinterhand, ganz abgesehen davon, dass dieser Anblick unschön ist. Letzteres gilt auch für einen schief, steif oder schlecht getragenen Schweif, den man dabei nicht übersehen wird.

Den Bewegungsablauf bei jungen Pferden beurteilen

Junge, noch ungerittene Pferde beurteilt man nicht nur an der Hand von allen Seiten. Sondern unbedingt auch frei laufend in allen drei Grundgangarten. Man erhält dabei wertvolle Informationen über die Bewegungseigenschaften und das Gleichgewicht des Pferdes. Sehr zu schätzen ist bei allen Reit- und auch Fahrpferden ein gleichmäßiger, gelassener, raumgreifender Schritt in klarem, fleißigem und sicherem Viertakt mit deutlicher Abfußung. Das bedeutet, nicht schleppend, nicht schlurfend, nicht eilend. Ob man Wert auf den ganz großen Raumgriff im Trab legt, hängt natürlich von der beabsichtigten Nutzungsart ab. Aber Takt, energisches Abfußen, Schwung und Elastizität in dieser Gangart werden jedem Reiter ein angenehmes und sicheres Gefühl geben. Lassen Sie sich bei einem frei laufenden Pferd nicht durch verspannte, hohe Aktionen der Vorhand täuschen. Sondern beobachten Sie das Abfußen, die Schubkraft und besonders die Elastizität der möglichst weit vorschwingenden Hinterhand. Kann die Hinterhandmotorik ihren Schub über einen losgelassen schwingenden Rücken nach vorne übertragen? Oder strampelt das Pferd und kommt bei schleppendem oder steif schiebendem Hinterbein nur ungenügend vorwärts?

Auch der Galopp sollte bei einem jungen Pferd im Freilaufen genau beobachtet werden. Man kann an dieser Gangart als Reiter nur wenig verbessern. Die Anforderungen sind je nach Nutzungszweck etwas verschieden. Grundsätzlich vorteilhaft ist jedoch ein gut durchgesprungener, geschmeidiger Bergauf-Galopp. Ein harmonisches, ausbalanciertes Pferd wird im Freilaufen leichtfüßig den Galopp wechseln und nicht ständig im Kreuzgalopp ‘daher stolpern’.

Den Bewegungsablauf bei gerittenen Pferden beurteilen

Die Betrachtung eines frei laufenden Pferdes, das sich in jeder Phase im Gleichgewicht, elastisch und taktsicher mit aktivem Hinterbein bewegt, wird immer eine besondere Freude sein. Auch wenn es sich um ein gerade erst angerittenes Pferd handeln sollte, lässt man es sich vorreiten. Unsere ungeteilte Aufmerksamkeit gilt dabei von Anfang an dem Reiter-Pferd Paar. Wir beobachten, ob das Pferd gelernt hat, beim Aufsitzen ruhig und gelassen zu stehen, wie es sich im Schritt unter dem Reiter bewegt, ob es sich vertrauensvoll abstreckt, sich vorwärts-abwärts dehnt, wie es gelöst und wie es in den einzelnen Gangarten, gegebenenfalls auch über und zwischen den Hindernissen gearbeitet wird. Man erhält dadurch nicht nur weitere Informationen über das Interieur, die Bewegungsqualität, Geschmeidigkeit und Rittigkeit des Pferdes. Sondern auch darüber, wie mit dem Pferd bisher umgegangen wurde und wie es ausgebildet worden ist.

Das für die Qualität eines Pferdes so ausschlaggebende Zusammenspiel der Kräfte, Gehlust, Nerv, Leistungsbereitschaft und Rittigkeit prüft man schließlich selbst bzw. lässt es durch denjenigen prüfen, der das Pferd zukünftig reiten soll. Nach Möglichkeit beschränkt man sich dabei nicht auf die Reithalle, sondern prüft das Pferd auch auf dem Außenplatz und im Gelände. Manche Pferde überraschen ihren Reiter draußen oder im Gelände mit ungeahnter Schreckhaftigkeit oder gar mit Widersetzlichkeiten, die man ihnen in der Halle nicht zugetraut hätte. Was man erwartet, muss bei diesem Probereiten zumindest in Ansätzen spürbar sein. Das Wichtigste ist hierbei das Gefühl. Und das kann man schlecht in Worten, Zeichnungen oder Fotos vermitteln.

Texte mit freundlicher Genehmigung entnommen aus: ‘Pferdekauf heute. Kauf und Verkauf – Beurteilung – Gesundheit – Recht’ von Sascha Brückner und Antje Rahn, FNverlag, Warendorf, 2010