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Eigentlich wollte ich nur ein Jahr ins Ausland gehen, um ein andere Sprache zu lernen und mein Reiten zu verbessern. Das ist jetzt ungefähr 20 Jahre her.

Ich komme aus Dänemark und bei uns wird jedem von klein auf erzählt, wie wichtig Sprachen und das Kennenlernen von anderen Kulturen sind. Für mich waren vor allem die Pferde wichtig. Vor zwanzig Jahren waren Pferde und Reiten gleichbedeutend mit Deutschland. Also wollte ich ein Jahr nach Deutschland (um die Sprache zu verbessern, versteht sich …). Seit zwanzig Jahren lebe ich, mit kleinen Abstechern, mit und von den Pferden.

Die Anfänge

Es fing in einen internationalen Top-Stall an, danach machte ich eine Pferdewirt-Lehre und hatte gleichzeitig einen eigenen Sponsor. Ich bin auf mehreren Kontinenten der Welt mit den Pferden gewesen, ich habe durch die Pferde mein Studium finanziert und ich durfte, wenn auch nicht als Teilnehmer, aktiv an den Olympischen Spielen in Hong Kong teilnehmen. Da bin ich dann auch knapp vier Jahre „hängengeblieben“ und habe für den größten Rennverein der Welt, den Hong Kong Jockey Club (über 13 Milliarden Umsatz), gearbeitet.

Hier also meine fünf Gründe, wieso ich den besten Lebensweg der Welt gewählt habe. Sollte dein Umfeld dir erzählen, dass Pferde oder Reiten als Beruf „unseriös“ ist – bitte, hiermit kannst du sie eines Besseren belehren!

1. Es gibt keine Grenzen

Man bekommt immer und überall auf der Welt einen Job, wenn man Erfahrung mit Pferden hat. Ob man reiten kann, Unterricht erteilen möchte, ein Stall managen kann oder Erfahrung mit der Pferdezucht hat, Pferdeleute werden überall auf der Welt gesucht. Es vergeht kein Tag, an dem wir beim HCCG nicht mindestens eine Anfrage nach Personal aus dem Ausland haben. Vor allem nach deutschen Pferdeleuten, deren Ruf nach wie vor exzellent ist.

2. Abenteuer erleben

Womit sonst hätte ich so viele Abenteuer erlebt? Mal in Rio de Janeiro feststecken (Die Fluggesellschaft hatte den Container in Frankfurt vergessen), Mal mit Chinesen einen Ausritt machen (Chaos vorprogrammiert), Mal bei der Geburt eines Fohlens dabei sein (unfassbar schön) …

Es ist kein Leben für „zart besaitete“. Aber es ist auch nicht durch einen Job in einer Bank zu ersetzen. Schön, wenn man sagen kann, ich bereue nichts.

3. Freunde fürs Leben finden (ja, ist wichtig!)

Wenn ich in Kanada bin, weiß ich wo ich schlafen kann. Dort wohnt meine Freundin. In den USA auch. Und in China. Und in Südafrika. Und in Norwegen. Und, und, und. Netzwerken ist Gold wert. Facebook ist ja gut und schön. Aber Face-to-Face jemanden kennenzulernen, mit demjenigen zu arbeiten und zu leben, das sind Beziehungen die ein Leben lang anhalten. So lernt man Neues, so bekommt man Freunde, so baut man seine Zukunft auf. Wenn du von und mit Pferden leben willst, gibt es nichts Wichtigeres. Egal was du später machen wirst.

4. Sprachen und Kulturen kennenlernen

So, jetzt mal zum Thema Persönlichkeitsentwicklung. Jemand Kluges hat mal gesagt, man muss erst jemand werden, bevor man etwas werden kann. Im Pferdestall ist es meist immer kunterbunt. Es kann der (nicht sehr gründliche) Käskop‘ aus Holland sein, die (immer unpünktliche) Spanierin oder (der immer und egal was gerade passiert, den Regeln folgende) Chinese sein. Man lernt mit Menschen umzugehen. Man lernt zuhören. Man lernt, verschiedene Stärken und Schwächen (einzu-)schätzen! Wie viele Management-Kurse müsste dein Chef besuchen, damit das mal klappt?! Ganz nebenbei, das lernen wir ja auch schon von den Pferden.

5. Geld verdienen

Überraschung! Ja, man kann mit Pferdewissen Geld verdienen. Und nicht nur als Top-Reiter und Ausbilder für Pferde. Sondern im Vertrieb. In der Forschung. Im Einkauf. In der Zucht. Im Marketing. Mit Reitunterricht. Im Bereich Gesundheit. Mit Stall Management. You name it! Meine Freundin in Hong Kong leitet zwei Reitschulen und bildet neben den Reitschülern auch die Pfleger aus. Sie verdient mehr als mein Chef hier in Deutschland. Und bezahlt nebenbei nur 16% Steuern.

Jetzt nenne mir einen Grund, nicht mit Pferden zu arbeiten!

Klar – man muss sich auf das Abenteuer gut vorbereiten – Ausbildung, Studium, Weiterbildung – da kommt man nicht drum herum. Wer sich aber Mühe gibt, kann gut davon leben und hat den schönsten Beruf der Welt. Mittlerweile habe ich zwei Kinder und arbeite für ein Unternehmen, das sich Horse Competence Center Germany nennt (HCCG kurz).

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, junge Leute oder Quereinsteiger zu helfen im Pferdebereich Fuß zu fassen. Unter anderem habe ich gemeinsam mit der Hochschule Osnabrück, dem HCCG und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. einen englischsprachigen Vorbereitungslehrgang für das Arbeiten mit Pferden im Ausland entwickelt.

Tassa Marie Stigmo

Tassa Marie Stigmo

Leiterin vom Equine Management Certificate bei Horse Competence Center Germany
Arbeitet beim Horse Competence Center Germany (HCCG), selbst Pferdewirtin Schwerpunkt Reiten und Diplom-Kauffrau, weiter hat sie das Goldene Reitabzeichen im Springen.
Tassa Marie Stigmo

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