Fohlen

Der Traum vieler Stutenbesitzer: Ein Fohlen aus der eigenen Stute! Doch kann ich einfach mit jeder Stute züchten? Wie finde ich den passenden Hengst? Und wie wichtig sind Fohlenschauen? Christoph Hinkel, Deckstellenleiter der Deckstation Paul Schockemöhle, gibt Antworten auf grundlegende Fragen.

Christoph Hinkel, gelernter Pferdewirtschaftsmeister ist der Deckstellenleiter der Deckstation Paul Schockemöhle. Als Fachmann in den Bereichen Nachzuchtbewertung und Hengstmanagement, steht er der Deckstation bereits seit vielen Jahren zur Seite. Er managt nicht nur die Leitung der Deckstation, sondern ist auch noch aktiv an der Hengstvorbereitung und -präsentation der Köraspiranten beteiligt.

Kann ich mit jeder Stute züchten?

„Nein, ganz und gar nicht. Vor allem Stuten, die aufgrund ihrer Unrittigkeit, etc. aus dem Sport genommen werden und dann in der Zucht eingesetzt werden, eignen sich eigentlich eher weniger für die Zucht. Auch bei Stuten mit starken Mängel z.B. im Gebäude, Fundament, der Größe oder den GGA, sollten eher nicht in der Zucht eingesetzt werden.“

Wie finde ich den passenden Hengst für meine Stute?

„Das lässt sich nicht so einfach sagen! Wichtig ist, dass man versucht, seine Stute möglichst objektiv einzuschätzen. Dies kann einem wirklich schwerfallen. Denn gerade Schwächen auszumachen, ohne dabei auf Fehlersuche zu gehen, ist nicht so leicht. Es hilft, wenn man sich zu Anfang die Fragen stellt „Was gefällt mir an meiner Stute? Und was fehlt mir bei ihr?“ Ist meine Stute also z.B. sehr temperamentvoll oder hat sie einen kurzen Rücken? Oder sie ist nicht rittig? Dann muss ich z.B. nach einem Hengst Ausschau halten, der Rittigkeit vererbt. So versucht man die Schwächen der Stute mit den Stärken der Hengste auszugleichen – und genauso andersherum. Dabei hilft es, erfahrene Hengste einzusetzen. Oder für Stuten mit Nachkommen eben Junghengste. Ungünstig ist die Anpaarung junger Hengste/junge Stute, hier ist der „Überraschungseffekt“ einfach zu groß.

Die Auswahl des Zuchtverbandes ist mittlerweile zweitrangig geworden. Rein logistisch gesehen, macht es Sinn, den Zuchtverband zu wählen, der „vor der Haustür liegt“. So muss man für Fohlenschauen, Registrierungen und eventuelle Auktionen nicht durch halb Deutschland fahren.“

Junghengst oder alt bewährter Hengst? Welcher ist der richtige für meine Stute?

„Wie bereits gesagt, ist das nicht so einfach. Aber einen groben Anhaltspunkt kann man hier geben:
Junghengst + zuchterprobte Stute
Bewährter Hengst + junge Stute“

Was zeichnet ein gutes Fohlen aus?

„Das kann man nicht pauschal sagen. Wichtig sind natürlich immer drei gute Grundgangarten. Ich persönlich präferiere Fohlen mit moderne Aufmachung: Langbeinig, mit korrektem Typ und Fundament.“

Warum sollte ich mit meiner Stute und meinem Fohlen zur Stuten- und Fohlenschau?

„Eine Fohlenschau ist grundsätzlich gut, um dem Fohlen den ersten Gehorsam beizubringen. Also die ganz grundlegenden Dinge, wie Halfterführung oder Transportieren. Dann ist die Fohlenschau natürlich dazu da, um mein Fohlen zu vermarkten – hier werden auch Videos für die Vermarktung erstellt. Ich bekomme hier vor allem die Möglichkeit, mein Fohlen objektiv bewerten zu lassen und mich mit anderen Züchtern zu vergleichen. So kann ich sehen, wie ich mit meinem Zuchtprodukt darstehe.“

HLP? Was ist das und was sagt das aus?

„Die Hengstleistungsprüfung sollte für Züchter eine aussagekräftige Antwort auf die Grundgangarten, die Rittigkeit, Springanlage und -vermögen, etc. ihrer Hengste geben. Allerdings ändern sich die Regularien seit Jahren. Dies beweist, wie schwierig solch eine zuverlässige Aussage ist. 2016 wurde die HLP erneut reformiert – nun muss man erst einmal abwarten und schauen, wie sich diese entwickelt.

Unabhängig davon sollte ich mir als Züchter meinen jeweiligen Hengst individuell anschauen, ob er für meine Stute passen könnte.“

Kontakt
Christoph Hinkel

Pferdewirtschaftsmeister

Tel.:+49 5492 960135
Mobil: +49 171 7249870

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