Hengst

Christoph F. Rowold, Tierarzt und Deckstellenleiter der Hengststation Böckmann, gibt Antworten auf grundlegende Fragen zur Wahl des richtigen Hengstes.

Christoph F. Rowold ist seit diesem Jahr Leiter der Hengststation Böckmann. Bereits zuvor beschäftigte er sich intensiv mit dem TG-Samenimport und -vertrieb. Seine Fachkenntnisse ergänzt er auch im medizinischen Bereich als Tierarzt.

Wie finde ich den passenden Hengst für meine Stute?

“Bei der Anpaarungsentscheidung sollte berücksichtigt werden, ob man das zu erwartende Pferd als Fohlen oder als Reitpferd vermarkten möchte, oder ob man für den Eigenbedarf züchtet. Beim Züchten für den Fohlenmarkt sollten wir allen Hypes und Trends zum Trotz aber nicht das Ziel aus den Augen verlieren: Ein gesundes, leistungsbereites und leistungsfähiges Reitpferd.”

Junghengst oder alt bewährter Hengst?

“Das muss grundsätzlich jeder Züchter für sich entscheiden. Wichtig ist, dass das Verhältnis zwischen Jung- und Althengsten in der Gesamtpopulation ausgewogen bleibt. Einerseits müssen wir mit bewährten Vererbern, von denen wir wissen, wie sie sich vererben, weiter unsere Zucht verbessern, andererseits müssen auch Junghengste im Sinne eines Zuchtfortschritts eine hinreichend große Chance bekommen.

Besonders kritisch sehe ich den Umstand, dass in Deutschland einige wenige Junghengste sehr viele Stuten bekommen, während viele andere, die kritische Masse, der es bedarf, um sich züchterisch beweisen zu können, gar nicht erst erreichen. Die Zuchtkarriere des Vieldeckers wird so zur „self-fulfilling prophecy“, während uns der ein oder andere Spitzenvererber zu spät oder auch gar nicht auffällt, weil er schlichtweg kaum gedeckt hat. Das ist nicht im Sinne einer züchterischen Entwicklung. Ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung wäre eine Veröffentlichung gesammelter bundesweiter Stutenzahlen, wie es in Frankreich gang und gäbe ist.”

Warum zur Hengstleistungsprüfung?

“Die Hengstleistungsprüfung ist ein wichtiges Selektionskriterium in einer Beschälerlaufbahn, das in den vergangenen Jahren viele Reformen der Prüfungsform und Prüfungsdauer durchlebt hat. Besonders begrüßenswert finde ich die seit 2016 durchgeführten dreitägigen Sporttests für vier- und fünfjährige Hengste, die sehr nah am Zuchtziel Turniersport orientiert, altersentsprechend im Schwierigkeitsgrad und durch die Live-Übertragung zudem transparent sind. Durch die fachkundigen Kommentare und Begründungen des Richterurteils kann auch der wissbegierige Züchter hier viel lernen und mitnehmen.

Zwei Dinge liegen mir in diesem Zusammenhang aber ganz besonders am Herzen: Erstens müssen wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass Hengste unfehlbar sein müssen. Ein Junghengst hat zu Beginn seiner Laufbahn ein sehr großes Pensum zu leisten, wenn dann einmal etwas schief geht, ist das mehr als zu verzeihen. Zweitens finde ich es immer wieder erstaunlich, dass die Körungen im Herbst sehr gut besucht werden, wohingegen sich kaum ein Züchter zu den Hengstleistungsprüfungen und Sporttests verirrt, die sicherlich deutlich erkenntnisreicher sind.”

Und was zeichnet schließlich ein gutes Fohlen aus?

“Das oberste Gebot ist sicherlich ein korrektes Fundament, sowie ein funktionales Gebäude.  Das Dressurfohlen sollte sich in allen drei Grundgangarten ansprechend bewegen, wohingegen beim Springfohlen natürlich der Galopp von vorrangiger Bedeutung ist. Im Fohlenalter die Springveranlagung anhand optisch gewonnener Eindrücke abzuschätzen, halte ich allerdings für sehr fragwürdig.”

Warum sollte ich zur Fohlenschau?

“Fohlenschauen sind nach wie vor eine nicht zu unterschätzende Vermarktungsplattform. Der Vergleich mit den Fohlen anderer Züchter hilft insbesondere noch nicht so erfahrenen Züchtern, ihren Nachwuchs objektiv beurteilen zu können.”

Kontakt
Christoph F. Rowold

Tierarzt, Leiter der Hengststation Böckmann

Tel.: +49 447268856-0
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E-Mail: zucht@boeckmann-pferde.com