Pferde einreiten – Die essentiellen Grundsätze!

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Schimmel Pferd einreiten
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Die Ausbildung eines jungen Pferdes beginnt nicht erst mit dem Tag, an dem sich der Reiter das erste Mal auf das Pferd setzt, sondern bereits einige Zeit vorher, im Fohlenalter. Welche Grundlagen sollten bereits im Fohlenalter gelegt werden? Wann ist der beste Zeitpunkt, ein junges Pferd einzureiten und welche Dinge müssen hierbei besonders berücksichtigt werden? Bildet sich eine positive Mensch – Tier Beziehung bereits im Fohlenalter aus, so wird dies eine gute Grundlage für die weitere Ausbildung des jungen Pferdes bieten. 

Grundlagen bereits im Fohlenalter legen

Die Grundlagen für eine gelungene Ausbildung des Pferdes werden bereits im Fohlenalter geebnet. Hierbei spielt die Gewöhnung an den Menschen die wichtigste Rolle. Die Furcht- und Stressreaktionen des Tieres werden reduziert und das Fohlen wird für den Menschen umgänglicher. 

Zudem sollte das Fohlen in dieser Zeit auch bereits an ein Halfter gewöhnt werden. Optimal wäre es, das Fohlen auch an das Führen mit einem Strick zu gewöhnen und ihm die Angst vor unbekannten Dingen zu nehmen. Wenn sich bereits im Fohlenalter eine positive Mensch-Tier Beziehungen entwickeln konnte, wird das junge Pferd schneller Vertrauen in den Reiter fassen und ihn akzeptieren.

Wann ist der optimale Zeitpunkt, um ein Pferd einzureiten? 

Hierzu gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Entscheidend ist jedoch, wie der grundsätzliche Entwicklungszustand des Pferdes in Bezug auf seine Anatomie ist. Eventuelle Besonderheiten des Pferdes und seines Bewegungsapparates sollten hierbei Berücksichtigung finden. 

Auch der Charakter des Pferdes ist von entscheidender Wichtigkeit. Lernt ein Pferd schneller oder langsamer, wird auch durch seinen Charakter bedingt. Zudem nimmt die Abstammung bzw. die Rasse des Pferdes Einfluss auf den Zeitpunkt der Ausbildung. Islandpferde werden beispielsweise erst im Alter von 5 Jahren eingeritten, wohingegen Quarter Horses meist schon mit 1,5 bis 2 Jahren einen Reiter auf ihrem Rücken tragen. 

Hat man sich dazu entschieden, das Pferd einzureiten, sollte vorab mit der Bodenarbeit begonnen werden. So erhält das Pferd die Möglichkeit, Vertrauen in den Bereiter aufzubauen. Sie stellt eine erste Form der Gymnastizierung dar und ermöglicht dem Pferd erste Grundübungen wie das Rückwärtsrichten oder das Überkreuzen der Hinterhand kennenzulernen. 

Auch die Arbeit an der Longe darf nicht unterschätzt werden. Das Longieren trägt dazu bei, die Muskulatur des Pferdes zu stärken. Ein durchhängender Rücken kann auf eine zu geringe Muskulatur hindeuten. Die Muskulatur kann über das Longieren gezielt gestärkt werden. Zudem wird über die Bodenarbeit geprüft, ob das Pferd ausbalanciert ist, oder ob es öfter in den Kreuzgalopp fällt. Das Longieren des Pferdes stellt somit eine wesentliche Vorbereitung für das erstmalige Aufsitzen des Reiters dar, da hier das Pferd bereits an einen Longiergurt gewöhnt wird. Nicht nur Exterieur, sondern auch Interieur des Pferdes werden maßgeblich über die Bodenarbeit beeinflusst. 

Um eine qualitative Mensch-Tier Beziehung zu festigen, können auch simple Tätigkeiten wie Putzen oder Spazierengehen dabei helfen, dem Pferd die Angst vor der Arbeit mit dem Menschen zu nehmen und seine Neugier zu erwecken. 

Die Gewöhnung an das Zaumzeug

Auch die vorherige Gewöhnung an Trense und Sattel sind für ein entspanntes und behutsames Einreiten essentiell.

Hierbei spielt der Charakter des Pferdes eine entscheidende Rolle. Manche Pferde lassen sich das Zaumzeug schneller anlegen, andere wiederum benötigen mehr Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Außerdem sollte vorab die Ausrüstung auf das Pferd angepasst werden. Scharfe Gebisse und eng sitzende Trensen sowie Sättel provozieren Druckschmerzen und bleiben bei dem jungen Pferd als negative Erfahrung im Gedächtnis. 

Beim Anlegen der Trense sollte das Pferd zuerst daran schnuppern dürfen, dann sollte das Gebiss langsam in das Maul hinein geschoben werden. 

Beim ersten Auflegen des Sattels ist es wichtig, sehr behutsam vorzugehen. Auch hier darf das Pferd ausgiebig am Sattel schnuppern. Wenn es beim Auflegen der Schabracke und des Sattels, sowie beim Anlegen des Sattelgurtes den Kopf leicht fallen lässt, ist dies ein Zeichen der Akzeptanz des Sattels. 

Das erste Aufsitzen 

Hier sollte ein Partner zu Hilfe genommen werden, damit die bisherige Vertrauensperson am Boden bleiben kann und so dem Pferd Sicherheit bietet. Die andere Person sollte sich zuerst mit dem Oberkörper über den Sattel legen. Akzeptiert das Pferd dies, kann sich die Person langsam aufrichten. Bleibt das Pferd entspannt, kann damit begonnen werden, das Pferd einige Runden am Schritt zu führen. Fühlt sich der Reiter sicher, kann zum Longieren übergegangen werden. Hierbei ist wichtig, dass der Reiter zunächst passiv bleibt und erst Stück für Stück beginnt, auf das Pferd behutsam einzuwirken. 

Reiten ohne Longe

Hier kommt es auf das Gefühl des Reiters an – fühlt er sich sicher auf seinem jungen Pferd? Wenn ja, kann mit dem Reiten ohne Longe begonnen werden. Hier sollte man sich intensiv mit der Skala der Ausbildung auseinandergesetzt haben. Takt und Losgelassenheit sind die beiden Punkte, auf die der Bereiter vorerst sein Augenmerk legen muss. Im Folgenden wird eine Anlehnung zum Pferd aufgebaut. Schwung, Geraderichten und Versammlung folgen im späteren Verlauf der Ausbildung des jungen Pferdes. 

Meinungen zur Vorgehensweise beim Anreiten junger Pferde gibt es viele und es kann nicht unbedingt gesagt werden, dass eine Vorgehensweise schlechter als eine andere ist. Wichtig ist immer, das Pferd im Blick zu haben und auf sein Verhalten und Signale, die es sendet, zu reagieren.