Im Herbst und Winter, wenn das Wetter schlechter und das Tageslicht kürzer wird, fahren viele Reiter zum Training in nah gelegene Reithallen oder zum Stall des Reitlehrers. Gerade bei Dunkelheit und Schlechtwetter ist besonders Vorsicht zu nehmen. Im Beitrag werden daher noch einmal grundlegende Fragen zum Thema Pferdeanhänger Fahren beantwortet.

Was gilt es eigentlich zu beachten, wenn man mit seinem Pferd auf Reisen gehen möchte?

Ist ein Anhängerführerschein nötig?

Seit 1999 ist ein Zusatzführerschein erforderlich, um einen Pferdeanhänger zu ziehen. Der Anhängerführerschein muss also in der Fahrschule gemacht werden.

Voraussetzung ist:

  • Führerschein Klasse B, der dazu berechtigt, einen PKW zu fahren und ein
  • Mindestalter von 18 Jahren bzw. 17 Jahren bei begleitendem Fahren.

Führerschein BE oder B96

Den Führerschein Klasse B mit der Schlüsselkennzahl 96 gibt es seit Januar 2013.

Vorteil hier: für die Eintragung der Schlüsselzahl muss keine Prüfung abgelegt werden. Eine eintägige Fahrerschulung in einer dafür zugelassenen Fahrschule ist ausreichend.  Zu beachten ist, dass die zulässige Gesamtmasse der Fahrzeugkombination 4.250 kg nicht überschreiten darf.

Für den Führerschein der Klasse BE ist es erforderlich, eine praktische Prüfung abzulegen: mindestens drei Stunden Überlandfahrten, eine Nacht- und eine Autobahnfahrt. Die Anzahl der tatsächlichen Übungsstunden bestimmt der Fahrlehrer.

Der Führerschein BE erlaubt das Ziehen von Anhängern mit einer zulässigen Gesamtmasse bis zu 3.500 kg.

Wie hoch sind die Kosten für den Anhängerführerschein?

Die Kosten für einen Anhängerführerschein – egal ob BE oder B96 – liegen je nach Region bei ca. 350 EUR bis 600 EUR.

Pferdeanhänger

Wie schwer ist ein Hänger?

Ein Pferdeanhänger für 1,5 Pferde (z. B. Stute mit Fohlen) wiegt ca. 470 kg bis 670 kg. Der 2-Pferdeanhänger ist mit 650 kg bis 1.200 kg Leergewicht erheblich schwerer. Bei der Auswahl des Führerscheins müssen sowohl das Leergewicht des Hängers als auch die Zahl der zu transportierenden Pferde berücksichtigt werden.

Muss ein Pferdeanhänger versichert sein?

Der Pferdeanhänger ist über das ziehende Fahrzeug versichert, wenn der Anhänger mit dem Fahrzeug verbunden ist oder sich von dem ziehenden Fahrzeug löst und noch in Bewegung befindet.

Beispiele:

  • beim Einparken des Anhängers wird ein anderes Fahrzeug beschädigt
  • während der Fahrt löst sich die Kupplung und der Anhänger rollt auf ein geparktes Fahrzeug

Im Falle eines Schadens kann sich der Geschädigte nach § 7 Straßenverkehrsgesetz aber an den Halter des ziehenden Fahrzeugs oder an den Halter des Pferdeanhängers wenden und dort seine Ansprüche auf Entschädigung anmelden. Der Abschluss einer eigenen Kfz-Haftpflichtversicherung für den Pferdeanhänger ist daher empfehlenswert, zumal der Versicherungsbeitrag recht günstig ist. Weitere Informationen dazu gibt es im R+V-Ratgeber auf unserer Webseite.

Tipps aus eigener Erfahrung

Das ziehen eines Hängers ist reine Übungssache. Je öfter man fährt, desto sicherer wird man. Das gilt vor allem für das Rückwärtsfahren. Die Schwierigkeit hierbei ist vor allem das Umdenken, denn man muss immer entgegengesetzt der Fahrtrichtung lenken. Nach einiger Übung ist aber auch das gut machbar.

 

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Ulrike Seim von R+V

Ulrike Seim von R+V

Dipl. Ing. agr. Ulrike Seim und für das Pferdemanagement bei der Direktion Wiesbaden für die R+V Versicherung zuständig.
Ulrike Seim von R+V

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4 KOMMENTARE

  1. Wenn das zulässige Gesamtgewicht von Zugfahrzeug und Anhänger ZUSAMMEN 3,5t nicht überschreiten reicht Klasse B.
    Das wäre bei einem normalen Kombi mit 1, 5er Hänger i.d.R. gegeben. Zur Sicherheit bitte immer selbst nachrechnen!

  2. Es wurde vergessen zu erwähnen, dass auch mit der Führerscheinlasse B ein Anhänger gezogen werden darf! Es ist erlaubt Gespanne bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5t zu ziehen. Dazu muss das zul. Gesamtgewicht des Autos und des Anhängers addiert werden. Achtung nicht das tatsächliche oder Leergewicht! Beispiel ein 1,5er Pferdeanhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 1,2t ließe sich von einem Auto mit zul. Gesamtgewicht von 2,3t auch mit dem Führerschein der Klasse B fahren. Wer also nur ein Pferd fahren möchte in einem 1er oder 1,5er Pferdeanhänger und das mit einem normalen Auto, dem sei ein Blick in die Papiere zu raten! Bevor man viel Geld für einen Führerschein ausgibt!
    Den B96 halte ich persönlich für unsinnig, da er fast so teuer ist wie der BE und man bei einem Doppelanhänger (häufig zul. Gesamtgewicht 2,2-2,5t) plus Auto (Beispiel VW Tiguan 2,3t) bei mindestens 4,5t ist und der B96 nur für Gespanne bis 4,25t ist!
    Mit dem Führerschein der Klasse BE darf man Gespanne bis 7,5t fahren, keine Begrenzung des Anhängers ansich! Klar, muss das Auto den Anhänger auch ziehen dürfen. Also immer in die Papiere von Anhänger und Auto schauen!
    Der Part mit der Versicherung ist auch nicht ganz richtig! Ein Anhänger mit grünem Kennzeichen ist steuerbefreit und braucht keine eigene Versicherung. Dann darf damit aber auch NUR ein Pferd transportiert werden und kein Umzug etc.
    Ein Anhänger mit schwarzem Kennzeichen darf dann alles transportieren und ist dann auch steuerpflichtig und muss auch eine eigene Haftpflichtversicherung nachweisen!

  3. Wer den alten Führerschein der Klasse 3 besitzt, benötigt keinen Anhängerführerschein, er kann weiterhin wie vor 1999 mit Anhänger fahren. Das ist eine wichtige Information, die in einem Beitrag zum Fahren mit Pferdeanhänger nicht fehlen darf.

  4. Wenn das zulässige Gesamtgewicht von 3500 kg beim Gespann (zul. Gesamtgewicht Auto + zul. Gesamtgewicht Anhänger) nicht überschritten wird, dann benötigt man weder B96 noch BE.

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