Pferdeosteopathie

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Pferdeosteopathie
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Was ist Pferdeosteopathie überhaupt?

Pferdeosteopathie ist eine mit den Händen ausgeführte, mechanische Bewegungstherapie. Der Begriff setzt sich zusammen aus Os (griech. Knochen) und pathie (von Pathos, griech. Leiden). Er wurde von dem Begründer der Osteopathie, dem Arzt Dr. Andrew Taylor Still geprägt, der von 1828 bis 1917 in Nordamerika lebte, behandelte und lehrte.

Dr. Still befasste sich intensiv mit der Anatomie (Lehre vom Bau des Körpers) und ihren Funktionen. Zur Erklärung der Osteopathie benutzte er häufig das Beispiel vom mechanischen Uhrwerk: Wenn nur ein Zahnrädchen klemmt, ist die Funktion des gesamten Uhrwerks eingeschränkt. Dr. Still sah den Körper und all seine Teile als funktionelle Einheit, die durch das Stattfinden von Bewegung ständig durchblutet und damit ernährt wird.

Die vier osteopathischen Regeln

Aus dieser Sicht entwickelte er die sogenannten vier osteopathischen Regeln. Zu ihnen zählt die arterielle Regel, die besagt, dass alle Körpergewebe ständig durchblutet sein müssen, um einwandfrei funktionieren zu können. Vor dem Hintergrund, dass sich die großen Blutgefäße in immer kleinere aufteilen, bis schließlich nur noch ein winziges rotes Blutkörperchen hindurchrutschen kann, das dann auch bis in die entlegensten Muskel-, Knochen- und Organbereiche gelangt. So wird deutlich, wie wichtig die Beweglichkeit aller Körpergewebe ist. Ein Mensch verfügt über rund 100.000km Blutgefäßsystem, ein Pferd dementsprechend über mehrere hunderttausend km.

Hat das Pferd einen Sturz, Tritt oder Schlag erlitten oder eine offene oder geschlossene Wunde, verklebt das Gewebe in diesem Bereich. Es verkürzt sich. Und Narben werden gebildet und die Blutversorgung in dieser Region gedrosselt. Soll das Pferd dann seine üblichen Leistungen erbringen, wird das Gewebe aufgrund der Minderversorgung frühzeitig ermüden und übersäuern. Dies führt zu Schmerzen. Welche sich als Lahmheit, Verspannung, Unwilligkeit, Widersetzlichkeit usw. äußern.

Durch die Wiederbeweglichmachung der unterschiedlichen Gewebe verhilft der Osteotherapeut dem Pferd und seinem gesamten Bewegungsapparat zu einer besseren Durchblutung und damit auch zur Wiedererlangung seiner fein abgestimmten Körperfunktionen.

Wann benötigt ein Pferd eine osteopathische Behandlung?

Grundsätzlich sollte ein junges Pferd bevor es angeritten wird osteopathisch untersucht werden, um rechtzeitig Bewegungseinschränkungen zu beheben. Diese könnten sich sonst beim Reiten negativ auswirken. Denn es ist beinahe unmöglich alle Blessuren, die sich ein Fohlen oder junges Pferd beim Aufwuchs auf der Weide bei Rangspielen und Raufereien zuzieht, zu registrieren.
In jedem Fall sollte ein Pferd, das nach einem Sturz oder Unfall Bewegungsauffälligkeiten oder Lahmheiten zeigt, nach der tierärztlichen Abklärung osteopathisch untersucht werden.
Auch bei Pferden, die

  • beim Satteln die Ohren anlegen, den Kopf schlagen oder in die Luft beißen
  • unter Gurtzwang leiden
  • häufig den Unterhals herausdrücken
  • mit dem Schweif schlagen
  • Taktunreinheiten zeigen
  • aus ungeklärter Ursache Sprünge verweigern
  • sich im Genick verwerfen

sollte man eine osteopathische Untersuchung und Behandlung ins Auge fassen. Für ein Sportpferd gilt das Gleiche wie für den menschlichen Sportler bzw. Reiter. Auch hier ist ein regelmäßiger (mind. einmal jährlich) Osteopathie-Check angesagt.
Ebenso zu berücksichtigen sind auch die „Senioren“: Da ältere Pferde spezielle Bedürfnisse haben, ist es besonders wichtig, ihre Beweglichkeit zu erhalten. So kann man beispielsweise einer verstärkten Arthrosebildung entgegen wirken.

 Pferdeosteopathie

Wie wird die Notwendigkeit einer osteopathischen Behandlung ermittelt?

Die Notwendigkeit einer osteopathischen Behandlung wird durch die manuelle Bewegungsuntersuchung ermittelt. Denn im Röntgenbild, CT oder Kernspint sieht ein Gelenk trotz Blockade in der Regel völlig normal aus. Bewegungseinschränkungen werden wie folgt ermittelt:

  • Jedes Gelenk wird vom linken Vorderbein, dann vom rechten, anschließend vom linken und danach vom rechten Hinterbein in seinen entsprechenden Achsen und Ebenen bewegt
  • Die Lenden-, Brust- und Halswirbelsäule, das Brustbein, die Kopf- und Kiefergelenke werden begwegt
  • Sowie die Muskeln, Faszien und das Bindegewebe werden untersucht
  • Hierbei wird die Beweglichkeit der einen Seite gegenüber der anderen verglichen

So erhält man bei Einschränkung der einen oder anderen Region den Befund. Erst die Überprüfung der Beweglichkeit kann die Einschränkung im Gelenk aufdecken.

Pferdeosteopathie: Handgriffe & Techniken

Einem ausgebildeten und erfahrenen Pferdeosteotherapeuten stehen eine Reihe unterschiedlicher medizinischer Handgrifftechniken zur Verfügung, die er je nach Befund einsetzt.
Eine weithin bekannte Technik ist die Manipulation. Welche aus einem schnellen, kurzen Stoß (high velocity, low amplitude) besteht und gelenknah in eine bestimmte Richtung ausgeführt wird.
Auch für die weichen Gewebe existieren unterschiedliche Behandlungstechniken. Über diese sollte ein seriös ausgebildeter Osteotherapeut verfügen. In der Regel sind sowohl Gelenke als auch weiche Gewebe bewegungseingeschränkt, sodass beides behandelt werden muss. Um erkennen zu können, welche Strukturen behandelt werden müssen, ist ein genauer Bewegungsbefund zu erheben. Dieser erfordert vom Therapeuten fundiertes anatomisches Wissen und ein besonders ausgeprägtes Palpationsvermögen (Tastsinn).

Osteopathische Mobilisation des rechten Hüftgelenks Pferdeosteopathie
Osteopathische Mobilisation des rechten Hüftgelenks

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Beatrix Schulte Wien

Beatrix Schulte Wien

Human- und Pferdeosteotherapeutin, Gründerin und Leitern des Deutschen Instituts für Pferdeosteopathie (DIPO)
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