Achal-Tekkiner

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Achal-Tekkiner

Der Achal-Tekkiner – das edle Sportpferd aus Turkmenistan

Der Achal-Tekkiner stammt ursprünglich aus Turkmenistan und ist eine der schönsten und zugleich ältesten Reitpferderassen weltweit. Als Vertreter einer mehr als 2.000 Jahre lang betriebenen Zucht sorgen die hochnobel erscheinenden Pferde seit rund 30 Jahren auch in Europa für Aufsehen. Ihr exotisches und ungebrochen edles Exterieur sowie die einzigartige Eleganz ihrer Bewegungen lassen Betrachter und Pferdeliebhaber immer weder fasziniert zurück. Der Name der Pferderasse geht auf den Nomadenstamm der Teke zurück, die in den heißen Steppen und Wüstengegenden Turkmenistans lebten. Das Herkunftsgebiet, die Oase Achal-Teke, liegt zwischen der Wüste Karakum und dem Nordrand des Kopet-Dag-Gebirges, erstreckt sich über einen schmalen Streifen von 100 Kilometer Länge und ist nach dem dort ansässigen Turkmenenstamm Teke benannt.

Aus diesem Gebiet und durch Jahrtausende überdauernde Zuchtbestrebungen zentralasiatischer Stämme und Völker ging die Rasse des Achal-Tekkiners hervor, die vor allem für Distanzritte und Pferderennen eingesetzt wird, aber auch als Spring-, Dressur- und Reitpferd begeistert. Aufgrund der früheren Isolation in der Wüste und den extremen klimatischen Bedingungen zeichnet sich der Achal-Tekkiner bis heute durch eine hohe Ausdauer, extreme Härte und Genügsamkeit aus. Zusammen mit seinen vielseitigen Reit-Veranlagungen ist der Achal-Tekkiner ein edles und leistungsstarkes Sportpferd, das im internationalen Turniersport bereits häufig für Furore gesorgt hat. Seine äußere Erscheinung ist dabei unverwechselbar, traditionell bedingt und nicht mit anderen Rassen vergleichbar, sondern völlig eigenständig.

Das Exterieur des Achal-Tekkiners

Der Achal-Tekkiner zeichnet sich durch ein Stockmaß von etwa 150 bis 160 Zentimetern aus. Während Stuten eine Größe von etwa 150 bis 166 Zentimetern erreichen sollen, liegt die ideale Widerristhöhe von Hengsten bei 154 bis 168 Zentimetern. Das Erscheinungsbild dieser majestätisch anmutenden Rasse wirkt trocken und edel, beginnend bei dem leichten und edel geformten, trockenen und fein ziselierten Kopf mit geradem bis konvexem Profil. Auffällig sind neben der breiten Stirn die großen, mandelförmigen Augen und die beweglichen, hochgestellten und dünnen Ohren. Der Hals zeigt sich hoch aufgerichtet, lang und gerade und geht in eine gut bemuskelte, lange und schräge Schulterpartie über. Zu den weiteren Merkmalen des edel erscheinenden Gebäudes zählen eine tiefe und muskulöse Brust, ein gut ausgeprägter und langer Widerrist, eine ovale Rippung sowie ein gerader Rücken und eine gut bemuskelte Kruppe. Der anmutige Gesamteindruck wird durch ein sehr trockenes Fundament überstützt, das über lange, sehnige Beine, gut ausgeprägte Gelenke, gut markierte Sehnen sowie wenig Fesselung und mittelgroße, harte Hufen verfügen soll.

Bei den Fellfarben kommen alle Färbungen mit Ausnahme von Schecken vor. Es treten sowohl Rappen, Füchse und Braune als auch Schimmel, Isabellen und Falben in Erscheinung. Rassetypisch sind die teilweise stark ausgeprägten Abzeichen und vor allem die Gold- oder Silberschattierung, die sich meist als goldener Metallschimmer zeigt, der das Fell auffallend schön glänzen lässt. Charakteristisch ist für den Achal-Tekkiner nicht zuletzt das äußerst dünne, beinahe seidene Haarkleid. Oftmals fehlen Mähne und Schweif sogar ganz oder sind extrem dünn und kurz.

 

Der Achal-Tekkiner und sein Interieur

Der Achal-Tekkiner ist ein sehr ausdauerndes, hartes und elegantes Pferd, das mit einer ausgeprägten Intelligenz und einer hohen Genügsamkeit überzeugt. Grundsätzlich zeichnet sich die Rasse durch eine große Anspruchslosigkeit mit Blick auf das Futter- und Wasserangebot, ein extremes Durchhaltevermögen und eine hohe Leistungsbereitschaft sowie ein energisches Verhalten und ein schnelles Reaktions- und Antrittsvermögen aus. Achal-Tekkiner sind besonders beweglich und geschmeidig, hitzeresistent und widerstandsfähig gegenüber Erkrankungen sowie äußerst lernfähig und stark im Charakter.

 

Zuchtgeschichte und Ursprung

Der Achal-Tekkiner gehört zu den ältesten Pferderassen weltweit, wird in seinem Ursprungsgebiet Turkmenistan bereits seit rund 3.000 Jahren gezüchtet und stammt ursprünglich aus dem Gebiet der Oase „Achal“, die dem Turkmenenstamm der „Teke“ zugehörig war. Die Rasse ist das einmalige Resultat von züchterischen Bemühungen verschiedener zentralasiatischer Steppenvölker und über Jahrtausende hinweg entstanden. Ihre Entwicklung ist vor dem Hintergrund zu betrachten, dass in der wechselvollen Geschichte Zentralasiens oftmals das bessere Pferd über Sieg oder Niederlage ganzer Völker entschied. Während das Zuchtgebiet heute mehrere Länder von Turkmenistan über Kasachstan bis nach Afghanistan umfasst, war die Rasse vor Beginn der christlichen Zeitrechnung sogar in China bekannt.

Durch Raubzüge und kriegerische Auseinandersetzungen erfuhr der Bestand eine deutliche Dezimierung, ehe Timur Lenk, ein zentralasiatischer Militärführer des 14. Jahrhunderts für eine Auffrischung durch die Einkreuzung von arabischen Stuten sorgte. In der Neuzeit wurde der Achal-Tekkiner vielfach zur Veredlung europäischer Pferderassen verwendet. Vor allem der aus Russland stammende Hengst Turcmainatti spielte eine entscheidende Rolle, da er ab 1791 in einem Gestüt in Neustadt an der Dosse gehalten und als Deckhengst für Trakehner Stuten eingesetzt wurde. Aus dieser Paarung gingen 16 Beschäler hervor, die fortan in mehreren Landgestüten und im Hauptgestüt Trakehnen zum Einsatz kamen. Turcmainatti wurde zwar offiziell als Vollblutaraber geführt, dennoch ist anzunehmen, dass es sich um einen Achal-Tekkiner handelte. Gleiches gilt beispielsweise auch für Byerley Turk, der als einer der drei Hauptbegründer des Englischen Vollbluts gilt. Bis zur Eroberung Turkmeniens gegen Ende des 19. Jahrhunderts blieb die hohe Qualität der Rasse erhalten.

Während der zaristischen Kolonialherrschaft konnten jedoch nur kleine Zuchtstätten mit einem Hengst und ein bis zwei Zuchtstuten betrieben werden, da das Volk der Teke nicht mehr über ausreichend Raum zum Umherwandern verfügte und die russische Regierung keinerlei Interesse für die turkmenische Pferderasse zeigte. Zugleich interessierten sich allerdings Afghanistan, der Iran, Deutschland und insbesondre England für die edlen Pferde und zogen durch Importe wertvolles Zuchtmaterial aus dem Ursprungsgebiet ab. So wurden in den Jahren 1904 und 1905 214 der besten Zuchtstuten nach England exportiert. Die hierdurch entstandene, bedrohliche Situation für die Rasse des Achal-Tekkiners wurde durch das Engagement von Züchtern und durch den Einsatz von einigen wenigen Pferden mit ansprechenden Zuchtqualitäten abgemildert. Vor allem der Hengst Bojnou (1885 bis 1905) wurde in diesem Zeitraum zum Begründer beinahe aller Linien der heutigen Achal-Tekkiner-Zucht.

Das erste Zuchtbuch der Rasse Achal-Tekkiner wurde im Jahr 1917 eröffnet und wird nach wie vor in Russland geführt, obwohl Turkmenistan den Anspruch auf die Zuchtbuchführung erhebt. Ab 1920 wurden Englische Vollblüter zur Veredlung eingekreuzt, allerdings mit mäßigem Erfolg, sodass alle durch diese Kreuzungen entstandenen und ab 1936 geborenen Achal-Tekkiner nicht mehr als reinrassig anerkannt wurden. Heute erfolgt die Zucht der Rasse ausschließlich in Reinzucht. Das Zuchtbuch ist geschlossen.

Der Achal-Tekkiner überzeugt als vielseitig veranlagtes Reitpferd

Achal-Tekkiner verfügen über vielseitige Veranlagungen und werden in ihrem Ursprungsgebiet vornehmlich als Rennpferd in rassespezifischen Rennen über lange Strecken eingesetzt. Mit ihrer großen Ausdauer und Härte erweisen sie sich als ideales Sportpferd für den Distanzritt. Zugleich gibt es auch Achal-Tekkiner, die in der Dressur von sich Reden gemacht haben, darunter der Rapphengst Absent, für Kenner des Dressursports unvergessen. Er gewann im Jahr 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom Gold unter dem Reiter Sergej Filatow, erreichte zahlreiche weitere Top-Platzierungen und genoss unter Reitsport-Experten höchste Anerkennung. Nicht zuletzt zeichnen sich Achal-Tekkiner fast immer durch ein überdurchschnittlich ausgeprägtes Springvermögen aus. Auch hierzulande haben bereits einige Rassevertreter ihr natürliches Talent bei Springwettbewerben unter Beweis gestellt. So liegt der Hochsprungrekord des Achal-Tekkiner-Hengstes Poligon bei sagenhaften 2,25 Metern. Unabhängig von der Disziplin zeigt sich der Bewegungsablauf des Achal-Tekkiners stets taktrein, raumgreifend, elastisch und schwungvoll. Auffällig ist auch das gute Galoppiervermögen beim flachen Galoppsprung.

Besonderheiten des Achal-Tekkiners

Zu den Besonderheiten der Rasse zählt zweifellos ihre extreme Ausdauer, die weit über das übliche Maß eines Pferdes hinausgeht. So bewältigte ein Achal-Tekkiner im Jahr 1935 problemlos einen Dauerritt über 4.300 Kilometer von Aschabad bis nach Moskau. Darüber hinaus sind bei den turkmenischen Pferden einige Sinnesleistungen besonders sensibel ausgeprägt, darunter ihr außerordentliches Gleichgewichtsverhalten, ihre hohe Trittsicherheit auch auf schwierigen Böden, ihr hochgradiger Geruchs- und Gehörsinn sowie ihr sehr empfindsamer Tastsinn und die ausgeprägte Anhänglichkeit. Bezüglich ihrer Haltung empfiehlt sich das Einhalten von reichlich Bewegung und gute Stallluft. Die sogenannte Robusthaltung ist hingegen ungeeignet. In ihrem Heimatland werden Achal-Tekkiner in den weitläufigen Steppen in freilaufenden Herden, den sogenannten Tabunen, gehalten, gehütet von berittenen Hirten. Zudem ist die Rasse das Wappentier Turkmenistans.

Pferde dieser Rasse