Ägyptischer Araber

4631

Ägyptischer Araber

Ägyptischer Araber – der reinrassige Vollblutaraber aus Ägypten

Als Ägyptischer Araber werden Asil-Araber, also reinrassige Vollblutaraber, bezeichnet, die in ihrem Exterieur dem Arabischen Vollblut entsprechen und in ihrem Ursprung auf die Beduinenzucht auf der arabischen Halbinsel zurückgehen. Einige dieser in der Wüste geborenen Pferde gelangten seit Beginn des 19. Jahrhunderts nach Ägypten und waren die Basis für eine Weiterzucht von Vollblutarabern mit reiner Blutlinie – heute Ägyptische Araber genannt. Durch den Verkauf einiger Pferde nach Deutschland und in die USA Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich auch in Nordamerika und in Europa eine Asil-Araber-Zucht auf Grundlage der reinen ägyptischen Araber etabliert. So begeistern die Ägyptischen Araber auch hierzulande mit ihrer edlen Erscheinung voller Ausdruck und Adel, aber auch mit ihrer hohen Leistungsfähigkeit und ihrer Vielseitigkeit in allen Disziplinen des Pferdsports.

Das Exterieur des Ägyptischen Arabers – ein edler Pferdetyp mit adligem Ausdruck

Der Ägyptische Araber entspricht in seinem Exterieur dem des Vollblutarabers und präsentiert sich als korrekt gebautes Reitpferd. Das Stockmaß soll zwischen 148 und 157 Zentimetern liegen. Typisch für den Rassetyp sind der edle, keilförmige Kopf mit seinen großen, ausdrucksstarken Augen, die adelige Gesamterscheinung, der harmonische Körperbau und das trockene Fundament. Betrachtern wird vor allem der relativ kleine Kopf auffallen, der sich durch eine breite Stirn, hohe Ganaschenfreiheit und elastische, ausgeprägte Nüstern auszeichnet. Das Profil ist konkav oder gerade, bei einem typischen Hechtkopf mit nach innen gewölbtem Nasenbein. Darüber hinaus verfügt der Ägyptische Araber über einen langen, gebogenen und hoch angesetzten Hals, der in schräge und lange Schultern übergeht, einen gut ausgeprägten Widerrist, einen kurzen Rücken und ausreichend Gurtentiefe. Der hoch angesetzte Schweif betont die auffallend lange Kruppe. Nicht zuletzt ist beim Ägyptischen Araber ein trockenes und kräftiges Fundament mit harten und runden Hufen, mittellangen Fesseln und kurzen Röhrbeinen kennzeichnend. Hinsichtlich der Fellfarben kommen besonders häufig Schimmel, aber auch Rappen, Braune und Füchse vor. Schecken werden toleriert. Als Vollblutaraber weist der Ägyptische Araber außerdem eine weitere Besonderheit mit Blick auf die Anzahl der Wirbel auf. Im Gegensatz zu anderen Pferderassen hat er nur 17 Rippen, sechs Lendenwirbel und 15 Schweifwirbel.

Die wichtigsten Merkmale des Exterieurs im Überblick

Ägyptische Araber sind als freundliche, sanftmütige und menschenbezogene Pferde bekannt, die sich durch eine große Umgänglichkeit, Temperament, einen positiven Charakter und eine hohe Lernfähigkeit auszeichnen. Mit diesen Eigenschaften, aber auch mit ihrer hohen Ausdauer , Nervenstärke und Härte erweisen sie sich als ideales Reitpferd für Sport- und Freizeitzwecke. Nicht zuletzt wird der schnelle und leistungsfähige Ägyptische Araber für seine Ausgeglichenheit, Langlebigkeit, gute Gesundheit und seine hohe Reaktionsfähigkeit geschätzt.

Zuchtgeschichte und Ursprung des Ägyptischen Arabers

Der Ägyptische Araber geht in seinem Ursprung auf die Pferde der Nejd-Wüste auf der arabischen Halbinsel zurück und zeichnet sich daher durch eine rund 1.800 Jahre alte Zuchtgeschichte aus. Als Grundlage der heutigen rein ägyptischen Vollblutaraber erwiesen sich die ab 1811 nach Ägypten gebrachten Pferde, die von den Regenten Mohammed Ali, Ibrahim Pasha und Abbas Pasha, allesamt Liebhaber und Kenner der Wüstenpferde, gezüchtet wurden. Aus dieser Zeit stammen erste Abstammungs- und Geburtsnachweise. Maßgeblich für die Zucht des Ägyptischen Arabers war vor allem Abbas Pasha, der in seinem Gestüt nahe Kairo mit den Pferden seiner beiden Vorgänger (Großvater und Onkel) sowie mit den selbst von den Beduinen abgekauften Pferden züchtete. Mit seinem immensen Wissen rund um die Pferdehaltung und -zucht war er ein anerkannter Experte, zumal er sich intensiv darum bemühte, die Abstammungen seiner erworbenen Pferde aufzuspüren und zu dokumentieren. Die Ergebnisse wurden im sogenannten Abbas Pasha Manuskript festgehalten, das später ins Englische übersetzt und so weltweit zugänglich gemacht wurde.

Bis heute ist es der Erhaltung dieser einzigartigen Erbmasse zu verdanken, dass der Ägyptische Araber auf reiner Beduinenbasis weitergezüchtet wurde. Zu den bedeutendsten Züchtern gehörte insbesondere die königliche Familie, darunter Ali Pasha Sherif sowie Prinz Mohammed Ali und Prinz Kemal el Din, deren Pferde größtenteils im königlichen Gestüt Inshass zusammengefasst wurden. Die 1908 gegründete Royal Agricultural Society (RAS) war unter anderem für die Überwachung der Registrierung zuständig und wurde später in die Egyptian Agricultural Organization (EAO) umbenannt. Diese Organisation unterhält bis heute das weltweit bekannte Staatsgestüt El Zahraa in Heliopolis/Kairo, das im Besitz von rund 300 reinrassigen Ägyptischen Araber ist. Durch eine hervorragende Selektion und gezielte Paarungen gelang es, erstklassige Vollblutaraber hervorzubringen, insbesondere unter der Gestütsleitung von Tibor von Pettkó-Szandtner. Bald waren sich Kenner einig, dass die Vollblutaraber Ägyptens die typvollsten Araber sind. Bereits zuvor waren ägyptische Araber aus den Gestüten von Prinz Mohammed Ali und Abbas Pasha in den Jahren 1852, 1860/61 und 1930 nach Deutschland gekommen und von dem königlichen Gestüt von Württemberg in Weil/Marbach importiert worden. Mitte der 1950er Jahre folgten weitere Käufe im Staatsgestüt El Zahraa, sodass weitere Top-Pferde wie Hadban Enzahi, seine Halbschwester Nadja, Ghazal und Moheba nach Deutschland kamen. Hierzulande legten diese Pferde den Grundstein für die Zucht von rein ägyptischen Arabern. Ähnlich gestaltete sich die Entwicklung in den USA. Hier waren es die Züchter Henry Babson und Judith Forbis, die 1932 und 1959 die ersten Ägyptischen Araber nach Amerika holten, gefolgt von dem Multimillionär Douglas B. Marshall, der den legendären Hengst Morafic kaufte. Zu dieser Zeit, Mitte des 20. Jahrhunderts, wurden die meisten Pferde in die USA exportiert. An zweiter Stelle stand Deutschland, wo insbesondere der Züchter Dr. Hans Joachim Nagel mit den ersten typvollen Ägyptischen Arabern aus El Zahraa die Basis für die Zucht legte.

Zur Förderung der Weiterzucht gründete sich in den USA 1969 die Pyramid Society mit Douglas B. Marshall als erstem Präsidenten, die 1976 den zweiten und bis heute maßgeblichen Band des Zuchtbuches Reference Handbook of Straight Egyptian Horses herausgab. In Deutschland wurde das erste Asil Araber-Buch im Jahr 1977 vom Asil Club veröffentlicht. Es umfasste rund 60 Vollblutaraber, die von rein ägyptischen Blutlinien abstammten. Der Club nimmt sowohl Pferde mit rein ägyptischer Blutführung als auch Vollblutaraber auf, die unmittelbar von den Beduinen der arabischen Wüste erworben wurden. Die reinen Ägypter werden ebenso wie die Beduinenpferde asile, also reine, Vollblutaraber genannt. Ein weiterer bedeutender Meilenstein in der Zuchtgeschichte des Ägyptischen Arabers war die Gründung der Pyramid Society Europe im Jahr 1987, die 1990 ein Verzeichnis von etwa 450 ägyptischen Pferden, den Almanach I, herausbrachte.

Wissenswertes zum Ägyptischen Araber – vielseitig einsetzbar im Pferdesport

Ob im professionellen Pferdesport oder beim Freizeitreiten, Ägyptische Araber zeigen sich in allen Disziplinen leistungsbereit und vielseitig talentiert. Sie machen sowohl beim Dressurreiten als auch in der Vielseitigkeit oder bei Distanzritten und -fahrten eine gute Figur. Selbst zum Westernreiten können die rittigen und nervenstarken Pferde eingesetzt werden. Darüber hinaus eignet sich der Ägyptische Araber mit seinem freundlichen Wesen und seinem dem Menschen zugewandten Charakter auch als Freizeit- und Familienpferd.

Empfehlenswerte Links mit Informationen rund um den Ägyptischen Araber

http://www.pyramidsocietyeurope.de/historie.html
http://asilclub.org.dedi4442.your-server.de/de/

Pferde dieser Rasse