Altwürttemberger

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Altwürttemberger

Beschreibung der Altwürttemberger Pferde

Altwürttemberger Pferde – Beinahe ausgestorben und nach wie vor in ihrem Bestand bedroht. Die früher als württembergisches Warmblut bekannten Altwürttemberger Pferde sind eine nur wenig verbreitete Pferderasse, welche hauptsächlich im Haupt- und Landgestüt Marbach gezüchtet wird.

Zurückgehend auf den legendären Stammvater Faust hat sich die heute selten gewordene Rasse seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Typ eines bodenständigen Wirtschaftspferdes herausgebildet. Mit hoher Ausdauer, Stärke und besonnenem Wesen erwies es sich als ideales Arbeitspferd für die Landwirtschaft, machte sich jedoch auch vor der Kutsche und im Sattel gut. Nicht zuletzt war es wohl auch diese Vielseitigkeit, die den robusten Pferden bis in die 1950er Jahre hinein eine große Popularität in ihrem Hauptzuchtgebiet rund um das Landesgestüt Marbach, in der Region Hohenzollern und im Württembergischen Oberland bescherte.

Der allgegenwärtige Ruf nach einem Sportpferd führte jedoch bald zur Umorientierung der Zucht, hin zu einem Reitpferd und weg von dem ursprünglichen Wirtschaftstyp der Altwürttemberger Pferde. So waren 1980 nur noch rund 160 Zuchtstuten vorhanden, ehe sich einige Jahre später der Verein zur Erhaltung der Altwürttemberger Pferde e.V. gründete. Nach der Neu-Organisation der Zucht sind durchaus Fortschritte zu verzeichnen; dennoch gilt es nach wie vor, den Bestand und die züchterische Qualität weiter zu festigen. Angesichts der allgemeinen Nachfrage nach reinen Sportpferden ist aber sicherlich bereits der Erhalt der Alt-Württemberger Pferde ein Erfolg, zumal Liebhaber von deutschen Warmblütern zweifellos ihre Freude an den idealen Freizeit- und Familienpferden haben.

Ob Reitübungen, Kutschfahrten oder gar therapeutisches Reiten, das Warmblut ist ein verlässlicher Partner. Und auch optisch sind die stattlichen Alt-Württemberger Pferde immer ein Blickfang, sei es als Rappe, Brauner und Fuchs oder auch als Schimmel.

Exterieur

Größe

Altwürttemberger Pferde erreichen ein Stockmaß von bis zu 170 Zentimetern. Während Stuten rund 155 bis 165 Zentimeter groß werden, sollen Hengste entsprechend des Rassestandards unter 1,70 Meter bleiben.

Gebäude

Der trockene, mittelschwere Kopf zeichnet sich durch ausdrucksstarke Augen aus und passt optisch perfekt zum gut gewölbten und kräftigen Hals. Typisch für Altwürttemberger Pferde ist zudem das mittelschwere Gebäude mit genügend Kaliber im Cobtyp, den langen, schrägen Schultern und der leicht abfallenden Kruppe. Vor-, Mittel- und Hinterhand sind harmonisch aufgeteilt. Das korrekte und trockene Fundament überzeugt mit klaren Beinen, harten Hufen und Robustheit.

Fell und Färbungen

Altwürttemberger Pferde präsentieren sich vornehmlich als Rappen, Füchse oder Braune. Daneben kommen seltener auch Schimmel vor.

Grundgangarten / Bewegungen / Bewegungsablauf

Der Bewegungsablauf zeigt sich beim Altwürttemberger Pferd sehr raumgreifend. Bemerkenswert ist darüber hinaus der äußerst schwungvolle Trab.

Interieur

Umgänglich und gutmütig – Altwürttemberger Pferde sind trotz ihres durchaus lebhaften Temperaments nervenstark und unkompliziert im Umgang. Sie zeichnen sich durch ein anspruchsloses, nicht schreckhaftes Wesen aus und erweisen sich ebenso als zugfest und -willig wie leistungsbereit und robust.

Zuchtgeschichte des Altwürttemberger Pferdes

Ursprung

Die Zuchtgeschichte der Altwürttemberger Pferde ist unweigerlich mit dem heutigen Haupt- und Landesgestüt Marbach in Baden-Württemberg verbunden, das bereits seit dem 16. Jahrhundert als Hofgestüt der Landesherren fungierte und die Zucht verschiedener Pferderassen maßgeblich beeinflusste. Im Zuge der Organisation von Landespferdezuchten zur landwirtschaftlichen Nutzung wurde hier ab 1867 ein württembergisches Warmblut als vielseitig einsetzbares Wirtschaftspferd gezüchtet.

Anspruchslos und ruhig – das Zuchtziel bestand in einem bodenständigen Arbeitspferd mit Kraft und hoher Ausdauer und wurde durch die Kreuzung mehrerer Rassen angestrebt. Die Grundlage bildeten zum einen Landstuten mit einem hohen Anteil an Araber-Blut und Stuten aus Ostpreußen. Auf der väterlichen Seite kamen aus der Normandie stammende Hengste und Araber des königlichen Gestüts Weil sowie in geringerem Maße auch Hannoveraner und Ostpreußen zum Einsatz.

Der Durchbruch gelang 1888 mit der Aufstellung des legendären Anglo-Normannen Faust, der sich zum Stammvater der Altwürttemberger Pferde entwickelte und die Zucht bis in die 1960er Jahre hinein über seine Nachkommen prägte. Sein Typ wurde durch Inzucht derart im Bestand verankert, dass sich in nur wenigen Jahrzehnten die eigenständige Rasse des Württemberger Warmbluts herausbildete. Sowohl für die Landwirtschaft als auch Kutschfahrten und Reitübungen geeignet galt für die Alt-Württemberger Pferde lange Zeit der treffende Leitspruch „Herr und Bauer“ – am Sonntag als Kutschpferd und in der Woche als Zugpferd vor dem Pflug. 

Bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hinein war das Warmblut weit verbreitet und wurde insbesondere in Hohenzollern und im Württembergischen Oberland, aber auch in den Regionen rund um Göppingen und Esslingen, Leonberg, Herrenberg und Ludwigsburg gezüchtet. Durch den sinkenden Bedarf an Pferden für die Landwirtschaft und die verstärkte Nachfrage nach einem für den Reitsport geeigneten Pferd erfolgte jedoch eine Umorientierung der Zucht in Richtung des klassischen Reitpferdes, sodass 1969 der letzte Hengst auf Deckstation ging und die Rasse beinahe ausstarb.

Heute ist es dem Verein zur Erhaltung des Altwürttemberger Pferdes zu verdanken, dass nach wie vor eine Population besteht, denn 1988 gegründet reaktivierte er die Zucht unter denkbar schlechten Vorzeichen. Während noch eine Reihe von fruchtbaren und gesunden Stuten zur Verfügung stand, konnte auf keinen einzigen reingezogenen Hengst zurückgegriffen werden. Daher kamen neben den beiden noch vorhandenen Hengsten mit Altwürttemberger Vorfahren Abendruf und Jurist auch Deckhengste des Schweren Warmbluts zum Einsatz, um die fortan als Alt-Württemberger Pferde bezeichnete Rasse neu aufzubauen. Das im Reitpferde-Typ weiter gezüchtete württembergische Warmblut ist heute hingegen als Deutsches Reitpferd bekannt.

Mit Blick auf die Wiederbelebung des ursprünglich gezüchteten Typs konnte bereits 1992 ein erster Erfolg verzeichnet werden, denn mit dem Braunen Sorent, ein Nachfahre der noch reingezogenen Stute Solara von Sombrero, stand wieder der erste Altwürttemberger Hengst im Deckeinsatz. In den folgenden Jahren wurden allerdings durch verschiedene Züchter individuelle Wege eingeschlagen, um das Zuchtziel voranzutreiben, sodass sich der erforderliche Fortschritt verzögerte.

Seit 2008 sollen die im Rahmen einer Rassegruppenversammlung neu beschlossenen Zuchtversuche den Erhalt der nach wie vor vom Aussterben bedrohten Altwürttemberger Pferde sichern. Hierzu wurde mit Ulysse des Pres, kurz Uli genannt, ein Hengst der Gründerrasse Cob Normand erworben, um erneut an den Stammvater Faust anzuknüpfen.

Zuchtmethodik & Veredelung

Da der Rassestandard hinsichtlich des Zuchtziels noch nicht endgültig gefestigt ist, werden Altwürttemberger Pferde nicht in Reinzucht gezüchtet, sondern bis dato durch Kreuzungen veredelt.

Zuchtbücher/ Zuchtverbände

Das Zuchtbuch für die Rasse Altwürttemberger Pferde wird von dem Pferdezuchtverband Baden-Württemberg e.V. geführt, der entsprechend für die Einhaltung des Zuchtziels verantwortlich ist.

 

Verwendung des Altwürttembergers

Altwürttemberger Pferde sind ideale Familien- und Freizeitpferde, die sowohl für Reitübungen als auch Ausritte im Gelände eingesetzt werden können. Durch ihre hohe Zugwilligkeit eignen sie sich zudem als Kutsch- und Wagenpferd. Aber auch im Zuge des Voltigierens oder des therapeutischen Reitens sind Alt-Württemberger Pferde ein bewährter Partner.

 

Besonderheiten der Altwürttemberger Pferde

Registrierte Fohlen der Altwürttemberger Pferde erhalten das für die Rasse typische Brandzeichen, das mit drei Zacken versehene, württembergische Hirschhorn.

 

Empfehlenswerte Links

Wer mehr über Altwürttemberger Pferde und ihre bemerkenswerte Zuchtgeschichte erfahren möchte, findet detaillierte Informationen auf den Webseiten des Pferdezuchtverbandes Baden-Württemberg e.V. und des Haupt- und Landgestüts Marbach. Wissenswertes bietet außerdem der Internetauftritt des Vereins zur Erhaltung des Altwürttemberger Pferdes e.V.

Pferde dieser Rasse