Barockpinto

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Barockpinto

Der Barockpinto – der schwarz-weiße Schecke

Der Barockpinto präsentiert sich als schwarz-weißer Schecke und ist eine Farbzucht, die in den Niederlanden, in Deutschland und in Österreich gezüchtet wird. Die junge Rasse geht auf erste Zuchtversuche in den 1950er Jahren zurück und ist aus der Kreuzung von einem Alt-Gelderländer-Schecken mit einem Friesen entstanden. Hieraus ging der in den Niederlanden schnell populär gewordene Hengst Bonte Nico hervor, der durch seine auffällige Scheckung bekannt und durch seine zahlreichen Nachkommen zum Stammhengst der heutigen Farbzucht wurde. Ein Barockpinto trägt mindestens 25 Prozent Friesen-Blut in sich und zeigt sich als harmonisch gebautes Pferd, das vielseitig eingesetzt werden kann. Ob als Sportpferd für Turniere oder als Familienpferd im Freizeitbereich, für die Dressur oder das Fahren, der Schecke ist ein talentierter und leistungsbereiter Partner von der Hobbyreiterei bis zum Pferdesport.

Das Exterieur des Barockpintos

Der Barockpinto erreicht ein Stockmaß von bis zu 165 Zentimetern und soll sich mit einem royalen Fellmuster, der typischen schwarz-weiß gescheckten Fellfärbung und einer charakteristischen Front zeigen. Das Zuchtziel sieht ein aufwärts gebautes, funktionales, harmonisches und proportionales Pferd vor, das nicht zu massig ist und lange Vorderbeine aufweist. Der Körperbau entspricht dem Rechteck-Modell. Kennzeichnend ist ein edler Kopf mit weit auseinanderstehenden, klaren und großen Augen, einem leicht konkaven Nasenbein, großen Nasenlöchern und aufmerksamen, kleinen Ohren. Der aufrecht stehende Hals bildet mit dem Nacken eine leicht aufwärtsgerichtete Linie und verfügt über eine ebene Verbindung zum Widerrist. Typisch sind außerdem eine schräg platzierte und lang gezogene Schulter, gewölbte und ebenfalls lang gezogene Rippen und ein stark bemuskelter Rücken mit einem fließenden Übergang zur Widerristhöhe und einer proportional passenden Länge. Das Fundament zeichnet sich beim Barockpinto durch senkrecht stehende Vorderbeine und gerade gestellte Hinterbeine, trockene, gut entwickelte und harte Sprunggelenke sowie gut geformte und edel anmutende Hufen aus. Die gewünschte Fellfärbung ist ausschließlich schwarzbunt. Rein schwarz geborene Pferde werden dennoch in das Stammbuch aufgenommen, sofern mindestens zwei Stellen des Fells eine weiße Färbung mit einem Durchmesser von mindestens zehn Zentimetern aufweisen. Nicht zuletzt fällt der Barockpinto durch seinen großzügigen Behang auf. Neben der üppigen Mähne und dem Schweif ist auch ein Kötenbehang typisch.

Die wichtigsten Merkmale des Exterieurs im Überblick

  • Stockmaß bis 165 Zentimetern
  • Fellfärbung: schwarzbunt (schwarz-weißer Schecke)
  • harmonischer und proportionaler Körperbau
  • rechteckiges Gebäude
  • edler Kopf mit großen Augen
  • auffälliger Behang einschließlich Kötenbehang

Der Barockpinto und sein Interieur

Der Barockpinto ist nicht nur optisch ein Blickfang, sondern wird auch als fleißiges und sehr gelehriges Pferd geschätzt. Er begeistert mit seinem umgänglichen, zuverlässigen und freundlichen Wesen. Mit seiner sehr hohen Lernbereitschaft und Arbeitsfreude eignet er sich als Dressurpferd sogar für die Lektionen der Hohen Schule. Ob zum Voltigieren oder zum Fahren, zum Dressurreiten oder als Familienpferd, der Barockpinto ist ein beliebter Allrounder. Typisch ist seine offene und ausgeglichene Art, die dennoch ausreichend Temperament aufweist. Darüber hinaus zeichnet sich das Interieur durch Leichtfuttrigkeit, Fruchtbarkeit und Vitalität aus.

Die Zuchtgeschichte und Herkunft des Barockpintos

Der Barockpinto ist eine vergleichsweise junge Farbzucht, deren erste Zuchtversuche in den 1950er Jahren erfolgten. Vorreiter waren die Niederländer, vor allem der Züchter Albert Keulen, der im Jahr 1956 einen Friesen mit einem Alt-Gelderländer-Schecken kreuzte. Aus dieser Paarung ging ein Jahr später der Barockpinto-Hengst Nico van Friesland hervor, der auch als Bonte Nico bekannt ist und zum Stammhengst werden sollte. 1962 wurde Nico von P.S. Hellinga gekauft und sorgte fortan für reichlich Schlagzeilen und Wirbel in der Züchterszene. Der schöne, auffällig schwarzbunte Hengst wurde gekört, später wieder abgekört und sollte zeitweise sogar kastriert werden. Nachdem Hellinga schließlich eine Ausnahmegenehmigung für seinen Hengst erhalten hatte, deckte Bonte Nico in kurzer Zeit rund 150 Stuten und wurde anschließend auch offiziell in das Hengstregister eingetragen. Wie kein anderer Hengst hatte Nico einen maßgeblichen Einfluss auf die Zucht des Barockpintos, die durch ihn ab 1965 erste Erfolge vorweisen konnte.

Aufgrund seiner enormen Bedeutung für die Entwicklung des Barockpinto ist ein Rückblick auf seine Geschichte sinnvoll. Nico kam 1962 auf den Hof von Hellinga im niederländischen Marssum und wurde 1964 zum ersten Mal auf einer Warmblut-Zucht-Prüfung in Alkmaar vorgeführt. Zunächst hatte Hellinga den Hengst lediglich zum Decken seiner eigenen Stuten eingesetzt. Dabei war es vor allem die auffällige Fellfarbe, die Nico als “wilden Hengst” in der Umgebung populär machte und die Aufmerksamkeit der umliegend ansässigen Bauern auf sich zog. Diese nutzen Nico fortan auch zum Decken ihrer eigenen Stuten, obwohl es sich um einen nicht geprüften Hengst handelte, der daher nicht zugelassen war. Die Folge waren Strafen für die Stuten-Besitzer und eine Art Beschlagnahmung Nicos, der zeitweise sogar kastriert oder sogar erschossen werden sollte. Daraufhin verfasste sein Besitzer Hellinga einen sogenannten Brandbrief an den niederländischen Prinzen Bernard – ein Bittbrief, der in den Niederlanden an das Königshaus mit der Bitte um königlichen Schutz geschrieben werden kann. Der Prinz leitete den Brief an den damals zuständigen Landwirtschaftsminister weiter, der den Hengst fortan zwei Mal für den Einsatz in Zuchteinrichtungen zuließ. Dieser Beschluss war allerdings nur bis 1966 gültig, sodass anschließend eine erneute Prüfung notwendig war. Abermals fiel die Beurteilung für den inzwischen sehr bekannt gewordenen Hengst negativ aus. Erneut war es der Minister für Landwirtschaft, der persönlich einschritt, um Nico vor dem Schlachthaus zu bewahren. Anschließend wurde der Hengst über mehrere Jahre zum Decken eingesetzt, ehe er 1973 wieder zu Hellingas Enkel kam. In dieser Zeit war Nico aufgrund seiner bunten Farbe enorm populär und durch entsprechende Zeitungsberichte landesweit bekannt geworden. Fohlen, die aus einer Deckung hervorgegangen waren, erzielten Preise, die um ein Vielfaches höher lagen als bei einfarbigen Fohlen. Zugleich erwies sich Nico als äußerst zeugungsfähig, denn in nur einem Jahr deckte er rund 150 Stuten und dies ohne künstliche Befruchtung, die damals noch nicht üblich war.

Heute liegt der Schwerpunkt der Barockpinto-Zucht nach wie vor in den Niederlanden. In Deutschland sind vor allem die Zuchtanstrengungen des Gestüts Classica zu nennen. Hier gelang es zu Beginn der 2000er Jahre, die Zucht auf friesischer Linie zu etablieren. So durfte das Gestüt als Mitglied des Rheinisch-Westfälischen Stammbuchs und als Erstes überhaupt zwei Hengste zur Körung vorstellen. Im Jahr 2002 erfolgte dann eine weitere erfolgreiche Körung von drei Barockpinto-Hengsten – die Basis für eine sich fortentwickelnde Züchtung in Deutschland.

Wissenswertes rund um den Barockpinto

Zuchtbestimmungen

Das Stammbuch für die Zucht des Barockpintos wird in vier Register eingeteilt:

  • Registrierung 1: Vater und Mutter sind unbekannt
  • Registrierung 1: beide Eltern sind bekannt
  • Registrierung 3: beide Eltern und die Großeltern sind bekannt
  • Fohlen-Buch: Vater des Fohlens muss ein geprüfter oder anerkannter Hengst aus dem Stammbuch sein: Eltern, Großeltern und Urgroßeltern müssen bekannt sein

Barockpintos werden entsprechend ihres Anteils an Fremdblut in verschiedene Typen unterteilt:

  • Typ BP: Fremdblut-Anteil weniger als 75 %
  • Typ XX: Fremdblut-Anteil mehr als 75 %
  • Typ FB: Hengste mit weniger als 75 % Fremdblut-Anteil, die nicht schwarzbunt sind

Bewegung

Der Barockpinto überzeugt mit ausdrucksstarken und schwungvollen Gängen, die bereits typisch für seine Vorfahren, die Friesen, waren. Der großzügige Schritt wird in einem sauberen Viertakt gezeigt. Trab und der geräumige Galopp sind durch einen langen Schwebe-Moment sowie viel Balance und Geschmeidigkeit gekennzeichnet.

Empfehlenswerte Links mit Informationen zum Barockpinto

https://www.barockpinto-oesterreich.at/

http://barockpintostudbook.com/ (Niederländisch oder Englisch)

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