Berber

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Berber

Beschreibung der Berber

Das Berberpferd ist bereits seit fast 4.000 Jahren im Dienste der Menschen und damit eine der ältesten Pferderassen überhaupt.

Ihre Heimat haben diese außergewöhnlichen Pferde in Nordafrika, im Maghreb, einem Landstrich, der das Königreich Marokko und die es umgebenden nordafrikanischen Länder Algerien und Tunesien bezeichnet.

Der Berber gilt neben dem arabischen Pferd als eine der Gründerrassen weltweit und als Begründer aller Barockpferderassen. Der Berber hat nahezu alle Pferderassen der Welt beeinflusst, am meisten das andalusische Pferd, während der 700 Jahre dauernden Herrschaft Nordafrikas über Südspanien. Mit Christoph Columbus kamen sie in die neue Welt und stellen so die entfernten Vorfahren nahezu aller latein- und nordamerikanischen Pferderassen dar (Mustangs, Spanish Barbs, Quarter Horses, Pasos und Criollos). Einer der drei Begründerhengste der englischen Vollblutzucht war der Berberhengst Godolphin Barb.

Exterieur

Fundament

Das Berberpferd und Araber-Berberpferd besitzt trockene, kräftige und korrekt gestellte Gliedmaßen mit kleinen bis mittelgroßen, harten Hufen.

Gebäude

Der Rücken ist kräftig und eher kurz, die Hinterhand ist muskulös und mit einer starken Winkelung zur Hankenbiegung befähigt, der Schweif ist tief angesetzt.

Der längere Kopf hat ein gerades bis leicht konvexes Profil, die Stirn ist breit und verjüngt sich auf Jochbeinhöhe drastisch, die Nüstern sind unauffällig.

Der Hals ist eher kurz, manchmal kräftig und in weichem Bogen geschwungen, er geht fließend in einen starken und markanten Widerrist über.

Berber- und Araber-Berberpferde stehen tendenziell im Quadrattyp und haben einen kurzen Rücken mit starker Nierenpartie und eine rund abfallende Kruppe mit tiefer eingestecktem Schweif.

Die Hinterhand ist durch ihre Winkelung zu Versammlung und Reaktionsschnelligkeit prädestiniert, ebenso besitzt das Berberpferd ein stabiles Fundament. Es deckt bei mittlerem Stockmaß und stattlicher Gurtentiefe auch den größeren Reiter ohne Probleme ab.

Fell und Färbungen

Die meisten Berber- und Araber-Berberpferde, ca. 80%, sind Schimmel in allen Nuancen, können aber in allen Farben vorkommen: Braune, Füchse, Rappen und Cremefarbene (Palomino, Cremello, Falbe).

Grundgangarten / Bewegungen / Bewegungsablauf

Berber und deren Kreuzungsprodukte galten immer schon als die besten Reitpferde weltweit. Sie wurden und werden geschätzt von Kaisern und Königen, von Kavallerie und Polizei, von Distanz- und Freizeitreitern sowie von Showreitern in Nordafrika wie in Europa.

Das Berberpferd hat flüssige und geschmeidige Bewegungen mit gutem Untertritt bei weniger betontem Raumgriff, der Antritt ist stets kraftvoll und es besitzt eine hohe Trittsicherheit.

Das typische Berberpferd geht energisch, federnd und fleißig voran, und ist eher zu versammelter Gangart befähigt. Dabei besitzt es einen besonders weichen Sitzkomfort bei weit untertretender Hinterhand und hoher Tragkraft- das macht jeden Ritt zu einem unvergesslichem Erlebnis.

Seine natürliche Versammlungsbereitschaft, d.h. sein kurzer, aber gut zu stellender Hals und seine ausgeprägte Hankenbiegung machen das Berberpferd zu einem ‚Bergaufpferd‘ mit besonderer Durchlässigkeit.

Da der kompakte Rücken dabei erst gar nicht ins Schwingen kommt, sitzt der Reiter äußerst bequem und nahezu erschütterungsfrei– ideal für Leute mit Rückenbeschwerden und auf langen Ritten.

Auch bei höherem Tempo sind Berber immer noch gut zu regulieren und lassen sich auch in der Gruppe gut durchparieren – ein typisches Merkmal für nordafrikanische Pferde – das schätzt der Reiter der klassischen Reiterei ebenso wie der Wanderreiter, der in schwierigem Gelände auf ein schnell und zuverlässig reagierendes Pferd mit natürlichem Gleichgewicht angewiesen ist.

Das Araber-Berberpferd vereint die positiven Merkmale des Berberpferdes und des Vollblutaraberpferdes harmonisch miteinander, wobei das Berberpferd im Exterieur und Interieur klar erkennbar sein sollte. Das Araber-Berberpferd soll vor allem über mehr Raumgriff und Ausdauer verfügen.

Interieur

Berberpferde haben ein einzigartiges Interieur – ihre sprichwörtliche Besitzertreue- die eine Pferderasse nur entwickeln kann, wenn sie über viele Zuchtgenerationen im engstem Kontakt zum Menschen gehalten wird.

Die traditionellen Berbervölker halten ihre Pferde noch heute in unmittelbarer Umgebung der eigenen Behausung, das Abfohlen geschieht im Kreise der Familie. Dabei erhalten die Fohlen ihre erste Milch aus den Händen „ihrer“ Menschen. Eine Methode der Verhaltensselektion, die im Laufe der Jahrtausende Eingang in die genetische Disposition für bevorzugte Interieureigenschaften wie Sanftmut, Menschenfreundlichkeit und Personenbezogenheit gefunden hat. Auch dies gilt es heute zu erhalten.

So werden Pferde, die aggressives Verhalten zeigen, konsequent aus der Zucht ausgeschlossen. Die Bindung des Berberpferdes an seine Bezugsperson ist sprichwörtlich.

Mut, Nervenstärke, Duldsamkeit und die Fähigkeit zur Instinktkontrolle machen das Berberpferd zu einem Verlasspferd schlechthin -sei es im Gelände, im Straßenverkehr, bei öffentlichen Auftritten und im täglichen Umgang.

Ein Berberpferd reagiert nicht kopflos mit Flucht, sondern beobachtet in Ruhe die ungewohnte Situation. Meist wird es sich dann wieder entspannt seiner Aufgabe widmen. Dieses Verhalten ist nicht antrainiert, man kann es schon bei den Fohlen sehr gut beobachten. Meist neigen schon als Fohlen dazu, bei Gefahren besonnen stehen zu bleiben und erst mal zu beobachten, wie ernst man die scheinbare Bedrohung wirklich nehmen muss. Davon profitieren später unsichere Reiter oder Anfänger genauso wie Fortgeschrittene.

Auch in der Zuchtarbeit im VFZB e.V. wird großer Wert auf charakterlich einwandfreie, stets umgängliche Zuchttiere gelegt.

Darum müssen alle zukünftigen Zuchthengste eine VFZB Gehorsamkeitsprüfung im Rahmen der Reitleistungsprüfung erfolgreich absolvieren. Auch für Stuten und Wallache wird diese spezielle Prüfung angeboten, die insbesondere Gelassenheit, Nervenstärke und stetes Vertrauen zu ihrer Führperson abfragt.

Zuchtgeschichte

Ursprung

Die Numider (kriegerische Nomaden der Berber um ~400 v.Chr. bis ~10 n. Chr.) züchteten in der Antike wendige Kavalleriepferde, mit denen sie zu größtem Ruhm gelangten. Sie waren als hervorragende leichte Kavallerie bekannt, die sehr schnell und beweglich war, vor allem weil die Reiter außer einem Schild keine Rüstung trugen und ihre treuen Pferde ohne Sattel und Zaumzeug ritten. Später verbündeten sie sich mit dem römischen Heer, so dass das Blut ihrer Pferde in alle regionalen Zuchten rund um das Mittelmeer einfloss.

Um 700 nach Chr. breitete sich der Islam weitgehend friedlich auf Kamelen und Pferden nach Westen bis in den Maghreb zu den Berbervölkern aus. Die Fortsetzung der Islamisierung nach Norden erfolgte von dort aus mit einer Kavallerie auf Berberpferden.

Dem Berberpferd eilte fortan der Ruf eines ausgezeichneten Kriegspferdes voraus und es wurde zu einem begehrten Veredler im Früh-, Hoch- und Spätmittelalter in Europa. Zum Beispiel floss sein Blut in die Hispanier (heute Andalusier und Lusitanos genannt), die Lippizaner, die Frederiksborger, die Neapolitaner und in viele andere heute bereits ausgestorbene Pferderassen ein.

Auch nach der Vertreibung der Mauren aus Zentralspanien im Jahr 1212 und der Reconquista 1492 waren die Berberpferde ein fester Bestandteil der europäischen Pferdezucht.

Berberpferde waren den damals in Europa eingesetzten Rassen an Eleganz und Rittigkeit weit überlegen. Besonders im Nahkampf mit Schwert und Axt konnten die wendigen, kompakten Berberpferde ihre Stärken zeigen. Dies jedoch setzte voraus, dass der Ritter über gehöriges Reitergeschick verfügte und jederzeit in der Lage war, sein Pferd zuverlässig zu „tummeln“, also auf möglichst kleinem Raum zu wenden, zu stoppen, aus dem Stand anzusprengen und auf der Stelle zu galoppieren.

Als das Schießpulver sich bis in die Kriegsführung Europas verbreitet hatte, war der Nahkampf hoch zu Ross mit Lanze, Schwert und Axt nicht mehr zeitgemäß. Doch die Reitkunst der Ritter und die große Wertschätzung der Berberpferde lebten fort und vervollkommneten sich in der höfischen Reitkunst.

Zuchtmethodik & Veredelungen

Das reingezogene Berberpferd galt schon als vom Aussterben bedroht, da es nur noch ein paar Tausend reinrassige Exemplare gab. Der schnellere und vielseitiger einsetzbare Araber Berber hatte dem Berber den Rang streitig gemacht und ihn zusehends verdrängt. Der OMCB unternimmt seither grosse Anstrengungen, das ursprüngliche Berberpferd zu erhalten.

Es wird angestrebt, die Einkreuzung mit anderen Rassen zu vermeiden, so darf in Marokko eine Berberstute nur von einem Berberhengst belegt werden und es werden hohe Prämien vom Staat an Züchter von Berberfohlen bezahlt. Diese Maßnahmen wurden mittlerweile mit Erfolg gekrönt, das Überleben des Berbers gilt momentan als gesichert.

Die Araber-Berberpferde sind eine eigenständige, anerkannte Pferderasse und heute die am meisten verbreitete Pferderasse in Nordafrika.

Mit dem Ziel vor Augen, ein ebenso wendiges wie schnelles und mutiges, aber auch robustes und rittiges Pferd zu züchten, begannen die Berber damit, ihre Pferde mit den edlen, schnellen und genügsamen Arabern der nordafrikanischen Moslems zu kreuzen. So züchtete die Bevölkerung in Nordafrika schon vor über 1.000 Jahren die ersten Araber-Berber.

Durch gezielte Kreuzung erhielt man eine eigene Rasse, die auf unvergleichliche Weise die Vorteile dieser beiden Ursprungsrassen verbindet. Araber-Berber vereinen den Mut, die Nervenstärke, Robustheit und Treue des Berbers mit der Schnelligkeit, Ausdauer und Schönheit des Araberpferdes. Die Kombination dieser Eigenschaften macht sie so besonders.

Araber-Berber sind also keine zufällige Kreuzung, sondern ein so weit wie möglich geplantes Ergebnis einer gezielten Anpaarung über Jahrhunderte.

Die ungeheure Beliebtheit der Araber-Berber in Nordafrika liegt in ihrer unbegrenzten Vielfalt begründet. Sie ermöglicht die Nutzung ein und desselben Pferdes als nervenstarkes Showpferd, siegreiches Rennpferd oder geduldiges Arbeitstier, am besten mit bequemem Tölt, damit man schnell mal den Nachbarn besuchen kann.

In Europa wird die Berberzucht heute größtenteils als „Hobbyzucht“ betrieben.

Das „Freizeitpferd Berber“ wird in Europa selten im Licht der Öffentlichkeit präsentiert und ist deshalb wenig bekannt. Die Leistungen dieser Rasse sind kaum in monetären oder sportlichen Erfolgen zu ermitteln, Charakterpoints und Robustheit, sowie eine „Allround-Begabung“ stehen für die europäischen Züchter heute im Vordergrund.

Pro Jahr werden nur ca 20-30 Berber und Araber-Berber-Fohlen geboren und der vom Verein der Freunde und Züchter des Berberpferdes sehr hoch gesetzte Rassestandard macht es möglich, ein typvolles, gesundes Berber- und Araber-Berberpferd mit Papieren aus artgerechter, liebevoller Aufzucht zu finden. Da die Rasse immer bekannter und beliebter wird, ist die Nachzucht sehr schnell verkauft. Ein Berber, älter als 3, ist daher nur sehr selten zu bekommen.

Besonders empfiehlt sich der Kauf eines Absetzers oder Jungtieres, um die Menschenbezogenheit in dieser frühen Entwicklungsphase zu fördern und die Beziehung zu “seinem” Menschen zu festigen. Die Erziehung und Ausbildung zum zuverlässigen Freizeitpartner erfolgt dann mehr oder weniger nebenher.

Zuchtbücher / Zuchtverbände

1987 wurde die O.M.C.B. -Organisation Mondiale du Cheval Barbe (der Weltberberverband) mit seinen zuchtbuchführenden Mitgliedern Algerien, Marokko, Tunesien, Frankreich, Belgien, Schweiz und Deutschland gegründet, um die Erhaltungszucht der Berberpferde über Ländergrenzen hinweg zu koordinieren.

In den letzten Jahren sind in den Ursprungsländern gezielte Maßnahmen zum Schutz und der Erhaltung von Berberpferden eingeleitet worden.

Verwendung

Berber- und Araber-Berberpferde sind keine „Spezialisten“, wie z.B. das Englische Vollblut. Vielmehr zeigen sich Berber und Araber-Berberpferde als begabte und schnell lernende „Allrounder“.

Berber- und Araber-Berberpferde werden in den Ursprungsländern als Arbeitspferde vor dem Wagen oder Pflug und auch als Reitpferde zur Jagd, zur Fortbewegung in unwirtlichem Gelände, zu den berühmten Reiterspielen („Tbourida /Fantasia“), als Reitschulpferde, für Distanzritte (eher mit Araber-Berberpferden) und zum Springen (mittlere Höhen) eingesetzt.

Sie werden in unseren Landen sowohl western als auch klassisch bis zur Hohen Schule geritten. Man kann sie auch hervorragend fahren, sie lernen spielend leicht Zirkuslektionen und besonders die Araber-Berber sind erfolgreiche und ausdauernde Langstreckenpferde.

Durch diese besondere Wesensfestigkeit und Ausgeglichenheit, gepaart mit der natürlichen Versammelbarkeit und Rittigkeit, bietet sich das Berber- und Araber-Berberpferd für jeden vielseitig ambitionierten Reiter an – aber es ist ebenso ein verlässliches und geduldiges Traumpferd für die ganze Familie.

Besonderheiten

Einige Araber-Berber warten mit einer «Sonderausstattung» in punkto Gängen, dem Tölt, auf. Die Königsfamilie von Marokko schätzt die Araber-Berber wegen ihres ausgeglichenen Charakters und ihrer Töltveranlagung sehr. Araber-Berber sind in der Lage, den Tölt über lange Distanzen durchzuhalten ohne zu ermüden. In ihrer Heimat dienen die Pferde vielfach als Transportmittel, die ihre Halter im Tölt zu den oft 30 Kilometer und mehr entfernten Märkten tragen.

Berberpferde sind von überaus zäher Konstitution und zählen zu den eher leichtfuttrigen Robustpferden.

Seine nordafrikanischen Herkunft mit den zum Teil extremen Temperaturschwankungen von bis zu 30 Grad am Tag, die dort klimatisch bedingte wenig artgerechter Fütterung und das oft unwegsame, steinige Gelände, haben das Berberpferd hart und widerstandsfähig gemacht. So konnte er sich auch problemlos an die klimatischen Verhältnisse Mitteleuropas anpassen.

Wie alle anderen Pferde zieht das Berberpferd eine Offenstall-Auslauf-Haltung der Boxenhaltung vor. Doch besonders dieses Pferd mit seiner angeborenen Anhänglichkeit und Intelligenz würde ohne regelmässigen Kontakt zu “seinem” Menschen und ohne Umweltreize verkümmern. Deshalb wird das Berberpferd idealerweise ganz in der Nähe des Hauses gehalten und man lässt ihn so viel wie möglich an seinem Alltag teilnehmen

Empfehlenswerte Links

Text:

Tanja Haase – www.el-zahir.de

Film:

„Im Bann der Pferde – Marokko“: Hier geht es zum Video

Film und Rasseportrait Berberpferd – Der Ursprung aller Barockpferderassen Hier geht es zum Artikel

Artikel:

www.vfzb.de/rasse/Infomaterial.htm
vfzb.de/rasse/Cavallo_2011.html
www.vfzb.de/rasse/Traumpferd_Berber.pdf

Pferde dieser Rasse