Boulonnais

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Boulonnais

Der Boulonnais – das Kaltblut aus dem Norden Frankreichs

Der Boulonnais ist eine französische Pferderasse, die aus den Regionen Nord-Pas-de-Calais und Picardie im Norden Frankreichs stammt. Das Kaltblut mit orientalischem Einfluss präsentiert sich rassetypisch als Schimmel und weist eine dem Pferdetyp entsprechende kräftige und robuste, aber zugleich elegante Erscheinung auf. Daher wird er auch gerne als Vollblut unter den Zugpferden bezeichnet, zumal er hervorragende Gänge und das gewisse Etwas an edlem Ausdruck zeigt. Zu unterscheiden sind zwei Typen, zum einen der schwerere und große Typ eines Arbeitspferdes, der ursprünglich als Last- und Zugtier in der Landwirtschaft diente, und der leichtere und kleinere Typ des Zugpferdes, der seit dem 17. Jahrhundert für den Transport von Fisch Verwendung fand. Dementsprechend variiert das Stockmaß des Boulonnais auch heute noch zwischen 155 und 180 Zentimetern. Eingesetzt wird das ebenso kräftig wie elegant anmutende Kaltblut vor allem als Freizeit– und Fahrpferd. Verbreitet ist die Rasse nach wie vor hauptsächlich in Frankreich und nur selten außerhalb ihres Heimatlandes.

Das Exterieur des Boulonnais – ein elegantes Kaltblut

Der Boulonnais ist ein kräftig und imposant wirkendes Zugpferd mit aktiven und hervorragenden Gängen. Da er ebenso reinrassig wie edel und elegant erscheint, wird er auch gerne als Vollblut unter den Zugpferden bezeichnet. Die Rasse Boulonnais hat im Laufe ihrer Entwicklung im 17. Jahrhundert zwei Typen hervorgebracht, zum einen den Typ eines schweren Arbeitspferdes, der als Zug- und Lasttier in der Landwirtschaft unentbehrlich war. Zum anderen handelt es sich um einen kleineren Typ Boulonnais, der als Transportpferd Verwendung fand und übersetzt auch „Seefischhändler“ genannt wird, da er vor allem für die Belieferung von Fischmärkten mit frischem Fisch von der Küste eingesetzt wurde. Je nachdem, welchem Typ ein Boulonnais eher entspricht, variiert sein Stockmaß zwischen 155 und 180 Zentimetern und sein Gewicht zwischen 600 und 900 Kilogramm.

Der hochgetragene Kopf präsentiert sich mit leicht gewölbtem Profil, orientalischer Prägung, großen, hellen und lebhaften Augen voller Stolz sowie kleinen, vornehmen und geraden Ohren. Der Hals ist kräftig und gut bemuskelt, abgerundet von einer buschigen, aber feinen und eher kurzen Mähne, die das noble Erscheinungsbild noch zusätzlich unterstreicht. Rassetypisch sind eine geöffnete, tiefe Brust mit gut abgerundeten Rippen, eine voluminöse und muskulöse Kruppe, ein gut platzierter Widerrist und ein hoch angesetzter Schweif mit dichtem Langhaar. Das Fundament zeichnet sich durch muskulöse, dicke und kurze Röhrbeine sowie muskulöse und starke Gelenke aus. Insgesamt zeigt sich der Boulonnais im Gleichgewicht trabend mit schräger Schulter, geradem Rücken und gut ausgerichtetem Hals. Hinsichtlich der Fellfärbung kommen meist Schimmel vor. Braune sind etwa zu 15 Prozent und Rappen noch seltener vertreten. Entwickelt hat sich die meist helle Färbung als Schimmel durch eine entsprechende Selektion in der Zucht im 18. Jahrhundert. Bis dahin war das Fell des Boulonnais noch schwarz, ehe für den Einsatz als Transportpferd für Fisch vornehmlich helle Pferde gezüchtet wurden, die in der Nacht besser sichtbar waren. So veränderte sich die Fellfärbung allmählich von schwarz in Richtung grau-weiß – es kamen weniger Rappen und Braune, aber dafür mehr Schimmel vor. Ungeachtet dessen erscheint das Fell besonders seidig. Geboren werden die Fohlen typischerweise als Füchse und hellen dann allmählich mit zunehmendem Alter auf, bis sie vollkommen als perlmuttweißer Schimmel erscheinen.

Das Interieur des Boulonnais

Der Boulonnais ist als umgängliches, arbeitswilliges und aktives Pferd bekannt, das mit Großherzigkeit, Energie und Leistungswillen überzeugt. Mit seinem freundlichen und ausgeglichenen Wesen kann er ebenso von erfahrenen Reitern wie von Anfängern geritten werden. Rassetypisch sind außerdem sein großer Eifer sowie seine Intelligenz und ausgeprägte Einsatzbereitschaft.

Zuchtgeschichte und Ursprung – der Boulonnais stammt aus dem Norden Frankreichs

Der Ursprung der Rasse Boulonnais liegt in der Picardie, einer Region im Norden Frankreichs, wo Kaltblüter bereits seit dem 14. Jahrhundert als Kriegspferd eingesetzt wurden. Im Laufe der Jahrhunderte haben andere Pferderassen Einfluss auf die Entwicklung des Boulonnais hinschlich seiner äußeren Erscheinung und des Interieurs genommen. Im Mittelalter wurden spanische Rassen eingekreuzt, die ihre Gesundheit, Einsatzfreude und körperlichen Merkmale vererbten. Intelligenz und Adel gehen vermutlich auf den Araber zurück. Daher trägt der Boulonnais heute orientalisches Blut in sich, wie auch der Percheron, eine weitere französische Kaltblutrasse, dem der Boulonnais sehr ähnelt. Beide Typen der Kaltblutrasse entstanden schließlich im 17. Jahrhundert, zum einen der schwere und große Typ, der als Arbeitspferd für die Landwirtschaft diente, und zum anderen der kleinere und leichtere Typ eines Zugpferdes, der die Fischmärkte belieferte. Hierzu begann der Transport meist in Boulogne-sur-Mer, einer kleinen Hafenstadt an der französischen Nordküste, die bis heute namensgebend für die Rasse ist. Rund um Boulogne-sur-Mer und die Stadt Calais erstreckt sich die gleichnamige Küstenregion Boulonnais.

In den vergangenen Jahren ist der Zuchtbestand des Boulonnais stabil geblieben. Im Jahr 2013 gab es 370 eingetragene Stuten, 41 aktive Deckhengste und 161 Zuchtbetriebe, die hauptsächlich im Norden Frankreichs, in den Departements Somme, Pas-de-Calais, Nord und Seine-Maritim, liegen. Etwa 1 Prozent der jährlichen Geburten französischer Zugpferde sind Fohlen der Rasse Boulonnais. Einige Zuchthengste haben das genetische Niveau deutlich geprägt und finden sich noch heute in den Blutlinien wieder, darunter der 1949 geborene Hengst Fréthun. Zu den Hengsten, die in den ersten drei Generationen des Stammbaums manifestiert sind, gehören Trésor (geboren 1963), Astérix (geboren 1966) und Prince (geboren 1981).

Der französische Zuchtverband, le Syndicat hippique Boulonnais, wurde im Jahr 1886 zur Erhaltung und Förderung der Rasse Boulonnais gegründet. Seit 2003 ist er vom französischen Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei als nationaler Rasseverband anerkannt.

Die Verwendung des Boulonnais

Der Boulonnais ist ein hervorragendes Zug- und Showpferd, das als elegantes Kaltblut geschätzt wird und erfolgreich an Gespann-Wettbewerben teilnehmen kann. Im Bereich des Freizeitreitens bietet er sich insbesondere als Fahrpferd für Kutschen, aber auch für Ausritte im freien Gelände an.

Besonderheiten rund um den Boulonnais

Alle zwei Jahre wird gegen Ende September ein 24-Stunden-Ausdauerrennen veranstaltet, das auf der alten Fischroute von Boulogne-sur-Mer bis nach Paris führt. Bereits drei Mal, in den Jahren 1991, 2011 und 2003, konnte ein Boulonnais den Wettbewerb gewinnen.

Zu den bekanntesten Boulonnais-Besitzern in Deutschland zählte der im Jahr 2016 verstorbene Pferdehof-Besitzer Tamme Hanken, der vielen Fernsehzuschauern durch TV-Formate wie der “XXL-Ostfriese” oder “Knochenbrecher on Tour” bekannt war. Er besaß einen Boulonnais-Hengst namens Jumper.

Empfehlenswerte Links zur Rasse Boulonnais

http://boulonnais-zucht.de/
http://www.le-boulonnais.com/en/ (englisch)
http://www.haras-nationaux.fr/information/accueil-equipaedia/races-dequides/chevaux-de-trait/boulonnais.html (französisch)

Pferde dieser Rasse