Delibos

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Delibos

Delibos

Beschreibung des Delibos

Diese Rasse orientalischer Reitpferde ist in den Gebieten Kasakh, Akstafa und Tauz in Azerbaidshan entstanden. In einigen älteren Schriften wird sie als “Kasachen”-Pferd oder als “Aserbaidschan-Pferd” beschrieben. Im Jahre 1943 wurde eine staatliche Zuchtgemeinschaft gegründet, die es sich zur Aufgabe machte, die Reitpferdebestände des Landes zu sichern und eine gezielte Anpaarung vorzunehmen, die die positiven Eigenschaften des Reitpferdes konsolidiert. Erst mit dem Zusammenbrechen der ehemaligen Sowjetunion und dem Aufbau einer eigenen Regierung mit einem eigenen Landwirtschaftsministerium fanden sich auch Personen, die sich um die Reinzucht der Dillbossen kümmern, für die erst seit 1948 ein eigenes Stutbuch eröffnet wurde. Leider war jedoch die Basis schon da so weit reduziert, dass fast alle heutigen Dillbossen mindestens einmal, oft mehrfach den Namen Pinti in ihrem Pedigree aufweisen.

Seit den 50er Jahren wurden die Pferde in Aserbaidschan mit Araber- und Tersker-Hengsten angepaart, während die Karabaghenrasse getrennt gezüchtet wird.

Exterieur

Größe

Die durchschnittliche Widerristhöhe beträgt 152 cm, der durchschnittliche Brustumfang 172 cm.

Gebäude

trockener, kurzer Kopf mit breiter Stirn oft mit Araberdish, kurze bewegliche Ohren, kompakter, kräftiger Nacken, rumpfiger muskulöser Körper mit guter Oberlinie im Quadratformat. Ausgesprochen harmonisches Äußere. Beine trocken und gut proportioniert mit klar konturierten Sehnen und Gelenken, Röhrbeinumfang mit durchschnittlich 19,4 cm relativ groß. Hufe klein und hart. Durchschnittlicher Brustumfang 172 cm. Mähnen- und Schweifhaar sind seidig und fein.

Fell und Färbungen

Den Delibos gibt es überwiegend als Schimmel in allen Variationen, ein Erbe des Terskerblutes, im Gegensatz zur alten Aserbaidschaner Rasse, die oft auch Isabellen und Falben mit Aalstrich sowie den Goldglanz im seidigen Fell aufwiesen. Das Fell hat eine andere Haarstruktur, die sich seidig und weich anfühlt und wohl auch die Ursache für den Silbereffekt ist.

Grundgangarten / Bewegungen / Bewegungsablauf

Dillbossen, vor allem die mit einem großen Anteil originalen Blutes haben, sind Mehrgänger die eine Tölt- /Passveranlagung haben können, die in Aserbaidschan „Yorga“ genannt wird . Außerdem besitzen sie einen raumgreifenden Schritt und einen schnellen Galopp, der wie bei den Karabaghen auch auf der Rennbahn getestet wird.

Interieur

Dillboss-Pferde sind unwahrscheinlich zäh und ausdauernd, haben ein zügelbares Temperament und vererben prädominant Tölt, bzw. Passgang. Typisch für diese Rasse war aber auch ein Längsschnitt in der Zunge, der wie eine gegabelte Zunge wirkt. (nach diesen Eigenschaften befragt, reagieren heutige Dillbosszüchter mit Erstaunen, bzw. man erhält die Antwort, dass dies früher wohl so gewesen sei)

Die Delibos Rasse gibt willige Arbeitspferde, die mühelos 45 bis 55 km am Tag mit 115 bis 130 kg Gepäck im Bergland bewältigen. Ohne Lasten schaffen sie mit Leichtigkeit 70 km pro Tag unter dem Sattel. Die besten Rennresultate heute sind 1:56 Minuten für 1600 m und 2:55 Minuten für 2400 Meter.

Zuchtgeschichte

Ursprung

Agrar-Ingenieure entwickelten aus dem ursprünglichen „Aserbaidschan-Pferd“ einen spezifischen Dillboss-Typ unter den Reitpferdepopulationen der genannten Gebiete in den Jahren 1930 bis Ende der 40er. Diese Pferde wurden selektiert aus den bestehenden Landpferdestuten und gekreuzt mit Vollblutaraberhengsten, bzw. weißen Karabaghhengsten mit guten Reitpferdepoints. Auch Terskerhengste fanden Eingang in die Rasse, die leider extrem vom Aussterben bedroht ist. Hier ist erwähnenswert, dass auch Karabaghen vor Beginn ihrer eigenen Registrierung im Jahre 1948 in der Farbe Schimmel anzutreffen waren (Bayaset zum Beispiel. Im weiteren Verlauf der Karabaghzucht jedoch als unerwünscht galten. Vor allem die Regionen im und um den Kaukasus herum waren für ihre besonders arbeitswilligen und ausdauernden Pferde bekannt: trittsicher, belastbar, umgänglich und trotzdem schnell; das waren und sind Dillbossen heute noch.

Zuchtmethodik & Veredelungen

Gegenwärtig basiert die Abstammung der allermeisten Dillbosspferde noch auf den Tersker-Hengsten Tselostat und Pygmalion, deshalb wird das Problem immer dringender, die lokalen Pferde wieder auf ihre ursprüngliche Basis zu bringen und den Bestand an heimischen Pferden zu sichern. Deshalb hat man im Gestüt Daschjus z. Zt. etwa 140 der typischsten Dillbosspferde, wobei die Zuchtstuten mit einem ausgeprägten Tersker-Blutanteil mit gerechnet sind, selektiert und versucht nun, mit einer leichten Rückkreuzung mit einem oder zwei Hengsten ohne großen Tersker-Blutanteil, wieder zur ursprünglichen Rasse zurückzukehren. Leidersind heute (Dezember 2014) nur noch wenige Exemplare dieser Rasse vorhanden, so dass mehr und mehr mit Vollblutarabern gekreuzt werden muss.

Es steht zu befürchten, dass der originale Delibos bereits nicht mehr existiert.

Zuchtbücher/ Zuchtverbände

Zur Zeit existiert Stutbuch Nummer 1, mit Pferden aus den Jahren 1948 – 1982, das vom aserbaidschanischen Landwirtschaftsministerium herausgegeben und betreut wird.

Besondere Vererber

Alle heutigen Dillbossen haben das Problem, einen Hengst im Pedigree zu führen, der wohl herausragender Vererber war und oft zum Deckeinsatz kam: Pinti. Aber auch der Vollblutaraber Pilon ox (von Naslednik – Arax), auch Nakip ox (von Pomerantes – Naseem) findet sich häufig in den Abstammungen. Von den Tersker Beschälern sind vor allem die Namen Tselostat 1969 und Pygmalion 1960 vertreten. Angeblich entstanden alle Dillbossen auf einem einzigen Stammhengst „Uzelok“

Verwendung

Dillbossen werden heute für Arbeiten eingesetzt, die wendige, schnelle, robuste und leistungsbereite Pferde verlangen: Hüten von Weidetieren, schnelle Fortbewegung im Rennpass, stundenlanges Fortbewegen im schnellen Schritt (9 km/h Minimum) mit einem Maximum von etwa 100 – 125 Kilogramm auf einer Tagesstrecke von bis zu 55 km. Geduldiges Warten am Straßenrand, Tragen schwerer Lasten auf langen Strecken sowie der Einsatz vor Kutschen ist ihr Arbeitsgebiet.

Auch Dillbossen werden heute, wie die Karabaghen auch, auf der Rennbahn in Baku auf Schnelligkeit trainiert und werden im September –wie bereits zu Sowjetzeiten üblich- in Flachrennen getestet und bewertet. Seit 2013 besinnt sich auch Aserbaidschan auf alte Traditionen und Werte und bestreitet Spiele zu Pferde (ähnlich dem Polo) „Chov-gan“, das auch Eingang in die Weltkulturerbe-Liste fand.

Besonderheiten

Dillbossen haben Gangveranlagung, meist ein silberweiß schimmerndes Fell und möglicherweise findet man auch heute noch die „gespaltene“ Zunge.

Empfehlenswerte Links

www.karabagh.info/dillbosser.htm

Pferde dieser Rasse