Dülmener Wildpferde

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Dülmener Wildpferde

Dülmener Wildpferde

1. Dülmener Wildpferde – die wilde Kleinpferderasse aus dem Merfelder Bruch

 

Beim Dülmener Wildpferd handelt es sich um eine Ponyrasse, die im rund 350 Hektar großen Merfelder Bruch, einem Naturschutzgebiet nahe Dülmen in Westfalen, beheimatet ist. In der freien Wildpferdebahn leben etwa 350 Pferde nahezu ohne menschlichen Eingriff, völlig auf sich allein gestellt. Als eine der ältesten deutschen Pferderassen sind die Dülmener Wildpferde zweifellos eine Besonderheit, nicht zuletzt aufgrund ihrer Lebensweise und der seit Jahrhunderten bestehenden Population, die im Jahr 1316 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Kleinpferde wurden bis heute als Wildherde erhalten und weisen nach wie vor ihr ursprüngliches Exterieur auf, das durch eine grau- bis braunfalbe Fellfärbung, einen wildtypischen Aalstrich und ein Stockmaß von rund 130 Zentimetern gekennzeichnet ist. Als einzige Wildpferderasse gehen sie nicht auf domestizierte Pferde zurück, sondern leben seit jeher in freier Wildbahn. Ihr Bestand ist allerdings sehr klein und wird seit 1994 auf der Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen als extrem gefährdet eingestuft. Einmal im Jahr, jeweils Ende Mai, können Pferdeliebhaber die wild lebenden Tiere aus nächster Nähe bewundern. Dann findet der traditionelle Wildfang statt, bei dem die Jährlingshengste in einem publikumswirksamen Spektakel eingefangen und versteigert werden.

 

2. Das Exterieur der Dülmener Wildpferde

 

Dülmener Wildpferde erreichen ein Stockmaß von 125 bis 135 Zentimetern, zählen damit zu den Kleinpferden/Ponys und präsentieren sich mit einem ausdrucksstarken, mittelgroßen Kopf. Charakteristisch sind eine breite Stirn, große und intelligente Augen sowie ein leicht konkaver bis gerader Nasenrücken und kleine Ohren. Der Hals zeigt sich gut aufgesetzt und leicht gewölbt mit ausreichender Länge und geht in schräge Schultern und einen gut bemuskelten, elastischen Rücken über. Darüber hinaus zeichnet sich das Gebäude durch einen mäßig ausgebildeten Widerrist, eine oftmals leicht abschüssige Kruppe und eine breite Brust aus. Erwünscht sind ein Rechteckformat sowie eine ansprechende Gurtentiefe und Rippenwölbung. Das Fundament ist durch stabile Röhren, markante und trockene Gelenke sowie gut geformte, harte Hufen gekennzeichnet. Die Hinterhand soll muskulös und gut gewinkelt sein. Hinsichtlich der Fellfärbung sind Dülmener Wildpferde ausschließlich Falben mit Wildzeichnung in allen Farbvariationen. Typisch sind vor allem braun- und graufalbe Pferde mit Aalstrich. Als markanter Blickfang zeigen sich nicht zuletzt das ausgeprägte Mähnen- und Schweifhaar und der starke Fesselbehang.

 

Dülmener, die außerhalb der Wildherde gezüchtet und eingeritten werden, machen durch ihren raumgreifenden, nicht zu flachen und taktreinen Bewegungsablauf auf sich aufmerksam. Erfreulich ist auch der kraftvolle Schub aus der Hinterhand.

 

3. Das Interieur – Dülmener Wildpferde sind gutmütige und robuste Kleinpferde

 

Mit ihrem ausgeglichenen und freundlichen Wesen präsentieren sich Dülmener Wildpferde als sehr gutmütige und vielseitig einsetzbare Familien- und Reitpferde. Sie sind nicht nur sehr lernfreudig, sondern auch hart, ausdauernd und äußerst robust. Außerdem gelten sie als gute Futterverwerter und als ebenso genügsame wie langlebige Tiere.

 

4. Die Zuchtgeschichte der Dülmener Wildpferde

 

Dülmener Wildpferde sind seit vielen Jahrhunderten im Merfelder Bruch beheimatet, wo sie in Gemeinschaftsgründen, der sogenannten Wildbahn, frei und sich selbst überlassen lebten. Die Bruchlandschaft mit ihren Tausenden Hektar Fläche wurde aufgrund des hohen Grundwasserstandes kaum landwirtschaftlich genutzt und erwies sich daher als ungestörter Lebensraum. Dies sollte sich bis in das 19. Jahrhundert hinein nicht ändern, ehe eine zunehmende landwirtschaftliche Nutzung unattraktiver Flächen, unter anderem durch Trockenlegungen, erfolgte. Seither wurden die Dülmener Wildpferde immer mehr in ihrem natürlichen Lebensraum eingeschränkt. Die erste urkundliche Erwähnung der Rasse geht auf ein Schriftstück aus dem Jahr 1316 zurück, in dem sich Johannes de Lette und Herrmann de Merfeld das Fischerei- und Jagdrecht sowie das Recht an den Wildpferden sicherten. In den Jahren 1840 bis 1850 war der Bestand der Dülmener Wildpferde durch eine Teilung der Gemeinschaftsgründe im Merfelder Bruch gefährdet. Durch das Engagement von Alfred Herzog von Croy, der sein erhaltenes Teilstück von rund 35 Hektar zur Verfügung stellte, konnten die verbliebenden 20 Pferde weiter im Merfelder Bruch leben. Bis heute ist die Fläche sogar auf etwa 350 Hektar angewachsen, da die Herzöge von Croy die Wildbahn in den vergangenen 150 Jahren kontinuierlich vergrößert haben. Der äußerst kleine Bestand war gleichbedeutend mit der Herausforderung, eine mögliche Inzucht zu vermeiden und dennoch das wildpferdähnliche, ursprüngliche Erscheinungsbild der Tiere zu erhalten. Daher wurden in den vergangenen Jahrzehnten andere Ponyrassen eingekreuzt, darunter Welsh- und Exmoor-Ponys und seit den 1950er Jahren vor allem polnische Koniks. Insbesondere Nougat, ein polnischer Konik-Hengst, nahm einen deutlichen Einfluss auf das Exterieur der Dülmener Wildpferde und trug einen großen Teil zur Verbesserung eines einheitlichen Typs bei, der durch die Farbvererbung als Graufalbe oder Falbe mit Zebrastreifen am Bein und Aalstrich gekennzeichnet ist.

 

Das Zuchtbuch für die Rasse Dülmener Wildpferd wird vom Westfälischen Pferdestammbuch e.V. geführt und ist geschlossen. Als Zuchtmethode soll die Reinzucht befolgt werden. Wegen der geringen Population ist jedoch eine herkömmliche Zucht nicht möglich. Daher wird auf die Erhaltungszucht gesetzt, bei der es gilt, Genverlust und Inzucht durch eine ausreichende Hengstanzahl zu vermeiden. Diese kommt auch in der Wildbahn des Merfelder Bruchs zum Einsatz, wo der Großteil des heutigen Bestands lebt. Eine Selektion zur Erreichung des Zuchtziels wird dort nur begrenzt durchgeführt.

 

5. Die Verwendung der Wildpferde

 

Waren die Dülmener Wildpferde früher als robuste und langlebige Nutztierrasse beliebt, so werden sie heute im Rahmen der Zucht außerhalb ihres natürlichen Lebensraums als vielseitiges Familien- und Freizeitpferd eingesetzt. Sie eignen sich insbesondere als Reit-, Kutsch- und Distanzpferd.

 

6. Besonderheiten der Wildbahn als natürlicher Lebensraum

 

Im Merfelder Bruch finden die Dülmener Wildpferde ideale Lebensbedingungen vor. Durch den Wechsel von Heidelandschaft, Moor, Weide, Nadel- und Laubwald ist sowohl Schutz bei schlechten Wetterverhältnissen als auch abwechslungsreiche Nahrung vorhanden. So können die Pferde durchgehend in freier Wildbahn leben und sind nur in strengen Wintern auf die Zufütterung von Stroh und Heu angewiesen. Die harten Lebensbedingungen haben die Dülmener zu einer besonders genügsamen und widerstandsfähigen Rasse gemacht, die sich aufgrund ihrer hohen Ausdauer und Langlebigkeit großer Beliebtheit als Wirtschafts- und Arbeitspferd erfreute. Heute steht die Eignung als charakterfestes, umgängliches und intelligentes Freizeit- und Reitpferd im Vordergrund.

 

Die Wildpferdebahn ist entscheidend für die Erhaltung der Rasse mit ursprünglichem Erbgut und daher als Naturschutzgebiet eingetragen, das als natürlicher Lebensraum für die wilden Pferde bestehen bleiben soll. Ein Eingriff in die Natur würde unweigerlich zu Veränderungen des Pferdetypus führen und muss dementsprechend vermieden werden, zumal weltweit kaum noch eine nahezu unbeeinflusste Pferdepopulation wie die der Dülmener Wildpferde zu finden ist. Die Tiere leben im Herdenverband aus Stuten und Fohlen zusammen, der sich aus mehreren Sippen zusammensetzt und von einer Leitstute angeführt wird. Ausschließlich im Sommer werden Hengste zu den Stuten gelassen. Traditionell findet in jedem Jahr Ende Mai der Wildpferdefang statt, bei dem die Jährlingshengste eingefangen und in einer Auktion zum höchsten Preis versteigert werden. Der Ort Merfeld nahe Dülmen ist seit 1970 überregional für die als Volksfest geltende Versteigerung bekannt, die in einer eigens errichteten Arena von Tausenden Besuchern verfolgt wird. Das Herausfangen der einjährigen Hengste ohne Hilfsmittel erweist sich immer wieder als publikumswirksames Spektakel und ist zugleich der einzige Anlass, zu dem in das Leben der Wildpferde eingegriffen wird. Darüber hinaus sind die Pferde das ganze Jahr über ein Touristenmagnet für die Stadt Dülmen und können auf Radtouren oder bei Naturkundeführungen in freier Wildbahn beobachtet werden.

 

7. Empfehlenswerte Links

 

Nähere Informationen rund um die Dülmener Wildpferde bieten folgende Webseiten:

http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Westfalen_Regional/Naturraum/Wildpferde

http://www.westfalenpferde.de/media/pdf/zuchtprogramme/duelmener_grundsaetze.pdf

http://www.westfalenpferde.de/media/pdf/zuchtprogramme/zuchtpr_duelmener.pdf

http://www.pferd-aktuell.de/deutsche-ponyzucht/ponyrassen-in-deutschland/duelmener/duelmener

http://www.ig-duelmener.de

http://www.wildpferde.de/index.php?id

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