Englisches Vollblut

Beschreibung der Englischen Vollblut Pferde

Das Englische Vollblut Pferd – Dies ist das schnellste Pferd der Welt. Mit seiner beeindruckenden Schnelligkeit und der ausgeprägten Ausdauer erwirbt sich die aus England stammende Rasse den Ruf des Außergewöhnlichen und dies völlig zu Recht.

Wie für die Rennbahn geschaffen erreichen die Vollblüter im Galopp unschlagbare Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 60 km/h und überzeugen darüber hinaus mit ihrer äußerst eleganten Erscheinung.

Die bis heute ungebrochene Faszination für die Zucht der meist braunen oder fuchsfarbenen Pferde geht bis in das 17. Jahrhundert zurück und wurde bereits im Jahr 1793 mit der Eröffnung des ersten Zuchtbuches, dem General Stud Book, offiziell begründet. Während dies beim Warmblut erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte, kann das Englische Vollblut auf eine vergleichsweise lange Zuchtgeschichte zurückblicken.

Längst ist die im Durchschnitt um die 163 Zentimeter große Rasse nicht mehr nur in England, sondern weltweit vertreten, wobei auch Irland, Frankreich und Deutschland zu den Hauptzuchtgebieten zählen. Hier ist auch der Galopprennsport am weitesten verbreitet, zumal es bei den großen Derbys auf den international renommiertesten Rennbahnen um Millionenbeträge geht.

Ungeachtet seines großen Rennvermögens sollte jedoch nicht in Vergessenheit geraten, dass ein Englisches Vollblut zugleich eine enorme Vielseitigkeit mitbringt und auch im Dressur– und Springreiten eine gute Figur macht.

Exterieur Englisches Vollblut

Größe

Mit einem Stockmaß von 152 bis 173 Zentimetern variiert ein Englisches Vollblut deutlich in seiner Größe. Kleinere Vertreter der Rasse werden auch als „Steher“ bezeichnet und oftmals für Mittel- und Langstreckenrennen eingesetzt, während Vollblüter mit einem Stockmaß von um die 1,70 Meter, die sogenannten Sprinter, vermehrt auf den Kurzstrecken verwendet werden.

Gebäude

Elegant in seiner äußeren Erscheinung zeichnet sich ein Englisches Vollblut durch seinen leichten, hochedlen Kopf mit großen Nüstern und Augen sowie den geschwungenen, langen und sehr schlanken Hals aus. Der leichte, harmonische Körperbau mit großen Linien spiegelt sich in lang gestreckten, schrägen Schultern, einem kurzen Rücken mit ausgeprägtem Rippenbogen sowie in einer stark bemuskelten, kräftigen Hinterhand wider.

Auffällig ist die hohe Kruppe mit hoch angesetztem Schweif. Zudem verfügt ein Englisches Vollblut typischerweise über ein trockenes Fundament mit langen Beinen und starken Gelenken.

Fell und Färbungen

Mit Blick auf die Fellfärbung präsentiert sich ein Englisches Vollblut meist als Brauner in allen Schattierungen oder als Fuchs, während Rappen und Schimmel deutlich seltener vorkommen. Charakteristisch sind neben den häufig auftretenden weißen Abzeichen an Kopf und Bein das dünne, sehr feine Fell sowie das vergleichsweise kurze Langhaar.

Grundgangarten / Bewegungen / Bewegungsablauf

Raumgreifende, lange und flache Bewegungen machen die Vollblüter zu idealen Rennpferden, denn mit ihren kräftigen Sprüngen im Galopp erzielen sie ein Höchsttempo wie keine andere Rasse. Die energische, aktive Hinterhand ermöglicht den Schub für einzigartige Spitzengeschwindigkeiten und ermöglicht auch im Trab einen elastischen und federnden Bewegungsablauf.

Interieur

In der Regel für Höchstleistungen bei Galopprennen gezüchtet ist ein Englisches Vollblut sehr leistungsbereit und ausdauernd. Rassetypisch ist das temperamentvolle Wesen, das sich vor allem bei jungen Pferden auch in vermehrter Nervosität, einer schwierigen Handhabung und Schreckhaftigkeit äußern kann. Grundsätzlich erweist sich ein Englisches Vollblut jedoch als intelligentes, durchaus menschenbezogenes Pferd, bei dem es insbesondere beim Einsatz im Rennsport eines geduldigen und feinfühligen Umgangs bedarf.

Zuchtgeschichte des Englischen Vollblut Pferdes

Ursprung

Die Anfänge der Vollblutzucht gehen bis in das späte 17. Jahrhundert zurück, als in England heimische Stuten, darunter Galloways und Zuchtstuten der Königshäuser, mit importierten orientalischen Hengsten gekreuzt wurden, um ein schnelles und sehr ausdauerndes Englisches Vollblut für den Rennsport zu züchten.

Von den etwa 100 Hengsten unterschiedlicher Herkunft sind bis heute drei in den Zuchtlinien der Vollblüter vertreten, die als Stammväter geltenden Darley Arabian, Byerley Turk und Goldophin Barb. Aber auch andere orientalische Hengste übten in den ersten Jahrzehnten der Zucht ihren Einfluss über die mütterliche Seite und ihre nachkommenden Töchter aus. So lässt sich ein Englisches Vollblut nach wie vor bis auf eine der rund 30 Stammmütter zurückverfolgen.

Der Beginn einer geregelten, offiziellen Zucht ist mit der Eröffnung des General Stud Books im Jahr 1793 zu verzeichnen, das als erstes Gestütbuch Aufzeichnungen über sämtliche Stuten und Hengste umfasste.

Seither werden die Vollblüter in Reinzucht ohne Fremdbluteinfluss und ausschließlich nach Eignung durch Rennleistung gezüchtet, sodass jedes Englische Vollblut der inzwischen mehr als 30 Generationen auf das erste Zuchtbuch zurückgeht.

In Deutschland wurde das erste Galopprennen im Jahr 1822 in Bad Doberan ausgetragen und das Allgemeine Deutsche Stutbuch 1847 eröffnet. Die Zucht konzentrierte sich zunächst auf die Gebiete Mecklenburg und Schlesien, ehe die Vollblüter deutschlandweit, darunter im Rheinland, Anklang fanden.

Zuchtmethodik & Veredelung

Hinsichtlich der Auswahl der zur Zucht eingesetzten Stuten und Hengste ist seit jeher die in Rennen erbrachte Leistung maßgeblich. So werden bereits seit 1709 sämtliche Rennergebnisse im Galoppsport in Rennkalendern erfasst und nur die schnellsten und gesündesten Pferde entsprechend der Auslese nach Ausdauer, Schnelligkeit, Charakter und Härte zur Weiterzucht eingesetzt.

Unabhängig davon, in welchem Zuchtgebiet die heute nicht mehr nur in England, sondern weltweit verbreitete Vollblutzucht betrieben wird, ist ein Englisches Vollblut in einem international anerkannten Zuchtbuch einzutragen. Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass im Rahmen der Zuchtmethodik keine künstliche Besamung, sondern ausschließlich der „Natursprung“ erfolgt.

Zuchtbücher/ Zuchtverbände

Verantwortlich für sämtliche Belange rund um die Zucht und den Galopprennsport ist in England der Jockey Club, der das General Stud Book bis heute betreut. Als Zucht- und Rennsportverband fungiert in Deutschland das in Köln ansässige Direktorium für Vollblutzucht und Rennen, dem als anerkannte Züchtervereinigung eine Reihe von Mitgliedsverbänden angehört.

Besondere Vererber

Als besonderer Vererber hat sich zum einen der Araber Darley Arabian erwiesen, zu dessen Nachkommen der legendäre Hengst Eclipse zählt. 1764 geboren war dieser mit 18 Siegen am Stück das erfolgreichste Rennpferd der damaligen Zeit. Zugleich lassen sich heute mehr als 90 Prozent der Vollblüter über ihn auf den Stammvater Darley Arabian zurückverfolgen.

Vergleichsweise nur gering sind hingegen die Linien der beiden anderen Stammhengste vertreten, darunter die in Frankreich noch häufiger vorzufindende Hengstlinie von Byerley Turk, bei dem es sich vermutlich um einen Achal-Tekkiner handelte. Der Berber Goldophin Barb prägte die Zucht insbesondere durch seinen Nachfahren Man O´War und lässt sich hauptsächlich in der amerikanischen Zucht nachweisen.

Verwendung des Englischen Vollblutes

Aufgrund seiner Schnelligkeit und der natürlichen Begabung für Galopprennen kommt ein Englisches Vollblut hauptsächlich im Rennsport zum Einsatz. Früh in ihrer Entwicklung werden die talentiertesten Pferde bereits mit eineinhalb Jahren trainiert und ab einem Alter von etwa zwei Jahren an den Start geschickt.

In preisdotierten Rennen sind dreijährige und ältere Vollblüter auf der Rennbahn aktiv, zumal das Derby als klassisches Flachrennen über unterschiedlich lange Distanzen auch die bedeutendste Zuchtprüfung ist und Aufschluss über die Eignung gibt. Sprinter absolvieren dabei auf der kurzen Distanz 1.000 bis 1.200 Meter, während ein Englisches Vollblut als Meiler oder Steher auf den Mittel- und Langstrecken 1.600 bis 1.800 Meter sowie 2.400 bis 3.200 Meter im Galopp bewältigt.

Neben der typischen Verwendung als Rennpferd zeichnet sich ein Englisches Vollblut durch sein hohes Maß an Vielseitigkeit aus, denn auch für die Dressur und das Springreiten oder für Wander- und Distanzritte ist es bei entsprechender Ausbildung durchaus geeignet. Freizeitreitern ist allerdings nicht zu empfehlen, ein als Rennpferd ausgemustertes Englisches Vollblut für Hobbyzwecke einsetzen zu wollen, da sich der Umgang mit den sehr temperamentvollen und ursprünglich auf den Leistungssport ausgelegten Pferden als äußerst schwierig erweisen kann.

Besonderheiten der Englischen Vollblut Pferde

Ein im Galopprennsport erfolgreiches Englisches Vollblut erzielt nicht nur auf der Rennbahn hohe Gewinne, sondern ist auch für den Deckeinsatz gefragt und wird daher bei Auktionen mit enormen Summen gehandelt. So wurde beispielsweise für den Hengst Manduro eine Rekordsumme von 23 Millionen Euro gezahlt.

Der Legende nach soll der orientalische Stammhengst Godolphin Barb beinahe als Zugpferd vor dem Karren geendet sein. Der französische König Ludwig XV. hatte den als Präsent erhaltenen Hengst ungeachtet seiner Qualität als Arbeitspferd an einen Händler verkauft, ehe er durch einen englischen Käufer auf die britische Insel und später auf das Gestüt des Grafen von Godolphin gelangte.

Empfehlenswerte Links

Nützliche Informationen rund um das Thema Englisches Vollblut, seine Zucht und den Galopprennsport finden Interessierte auf der Webseite des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen. Wissenswertes bietet beispielsweise auch das Portal Welt-der-Pferde.de.

Pferde dieser Rasse

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