Falabella

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Falabella – das argentinische Minipferd

Das Falabella ist eine aus Argentinien stammende Miniaturpferderasse, die ursprünglich aus der Gegend rund um Buenos Aires stammt. Die Miniponys sind die kleinsten Pferde der Welt und werden hauptsächlich in ihrer argentinischen Heimat, aber auch in anderen Ländern weltweit gehalten und gezüchtet. Berühmt sind sie seit ihrer internationalen Verbreitung in den 1960er Jahren für ihr außergewöhnlich geringes Stockmaß. Denn Falabellas werden durchschnittlich nur 75 bis 90 Zentimeter groß. Damit sind sie noch einmal kleiner als andere Ponyrassen wie das Shetland Pony und in der Tat ein aufsehenerregendes Kleinpferd im Miniaturformat, das viele Menschen fasziniert. Zum Reiten ist die nach ihrer Züchterfamilie benannte Rasse aufgrund ihrer geringen Größe nicht geeignet. Daher stehen die Verwendung als Kutschpony für leichte Gespanne und vor allem der Einsatz als Schau- und Modepony sowie als Haustier und Spielkamerad für Kinder im Vordergrund.

Das Exterieur des Falabellas – Miniponys in allen Fellfarben

Das Falabella erreicht als Minipferd lediglich ein Stockmaß von 75 bis 90 Zentimetern bei einem durchschnittlichen Körpergewicht von 65 Kilogramm. Das maximale Stockmaß bei einem Falabella sollte 106 Zentimeter nicht übersteigen. Es soll sich durch ein korrektes und elegant erscheinendes Exterieur mit harmonischen und ausgeglichenen Proportionen auszeichnen. Hinsichtlich seines Körperbaus gleicht es im eigentlichen Sinn nicht einem Minipony, wie es beispielsweise das Shetland Pony ist, sondern es steht vielmehr im Miniaturpferde-Typ. Der trockene, fein geschnittene Kopf verfügt über eine gerade bis konkave Nasenlinie, die ein gerades bis leicht ausgeprägtes Hechtprofil erscheinen lässt, sowie große Nüstern und kleine, bewegliche Ohren. Trotz der gezielten Zucht auf die Miniaturgröße ist oftmals noch der, verglichen zum restlichen Körper, schwere Kopf geblieben. Beim Fohlen zeigt sich oftmals eine stark gewölbte Stirn.

Markant ist auch der tief angesetzte, mittellange Hals, der durch einen stark ausgebildeten Unterhalsmuskel eine konvexe Wölbung aufweisen kann. Diese Neigung zum sogenannten Hirschhals kommt aber nicht bei allen Rassevertretern vor. Auffällig ist außerdem der geschlossene Körper mit wenig, kaum sichtbarem Widerrist, einer mäßigen Rippenwölbung und mäßig steilen Schultern. Der gerade, kurze Rücken geht in eine leicht abfallende, schräge Kruppe über. Das Fundament zeigt sich leicht ausgeprägt mit schlanken und kräftigen Beinen, die in ihren Proportionen zum Körper eher kurz wirken, sowie eher schwachen Gelenken und kleinen, harten Hufen. Mitunter verfügen die Beine auch über eine schlechte Formung und wenig Knochensubstanz, insbesondere im Fall von Inzucht. Hinsichtlich der Fellfärbung kommen alle Farben vor, da bei der Zucht keine Einschränkungen vorliegen und die Rasse ausschließlich mit Blick auf ihre Größe gezüchtet wurde. Großer Beliebtheit erfreuen sich vor allem Appaloosa-Färbungen, dunkel gefleckte oder gesprenkelte Ponys sowie Schneeflocken-, Marmor- und Schabrackbunt. Sowohl die Mähne als auch der Schweif erscheinen meist dicht und buschig.

Das Interieur – Falabella Ponys sind gutmütig und intelligent

Falabella Ponys sind für ihr gutartiges, freundliches Wesen bekannt und gelten als sehr menschenbezogen, intelligent und gutmütig. Sie zeichnen sich ebenso durch eine gute Lernfähigkeit wie durch eine hohe Langlebigkeit aus. So liegt die Lebenserwartung bei über 30 Jahren. Nicht selten wird ihnen aber auch ein eigenwilliger Charakter nachgesagt.

Zuchtgeschichte und Ursprung der Miniponys

Das Falabella geht in seinem Ursprung auf Pferde zurück, die in den hügeligen Pampas in der Nähe von Buenos Aires beheimatet waren. Dort wurden einige Pferde von ihrer Population getrennt, sodass sich Kreuzungen mit Criollos und anderen europäischen oder asiatischen Rassen, darunter Vollblüter, Andalusier und Welsh Ponys, entwickelten. Aufgrund dieser Fortpflanzung mit blutähnlichen Pferden und der natürlichen Selektion entstanden im Laufe der Zeit immer widerstandsfähigere und kleinere Pferde, die bereits seit dem 19. Jahrhundert in dieser Region lebten. Grundlegend für die weitere Zuchtgeschichte der Miniponys war ihre Entdeckung durch den irischen Züchter Newtall um das Jahr 1840, der auf die kleinen, sehr gut geformten und schon lange unter den Arbeitstieren der Indianer lebenden Pferde aufmerksam wurde.

Fasziniert von den ungewöhnlich kleinen Ponys, fing er einige ein und begann eine Hobbyzucht, die später durch seinen Schwiegersohn weitergeführt wurde. Seither züchtete J. Falabella die Ponys auf seiner Ranch Recreo de Roca und gab ihnen ihren bis heute erhaltenen Namen. Um die Proportionen der Falabella Ponys zu verfeinern und ebenso das elegantere Exterieur wie die geringe Größe zu erreichen, wurden verschiedene andere Rassen eingekreuzt und eine systematische Selektion durchgeführt. Zu nennen sind hier zum Beispiel das Englische Vollblut, das in geringem Maße zur Veredelung der Rasse eingesetzt wurde, der argentinische Criollo. Sowie Pferde mit Appaloosa– und Pinto-Merkmalen, die vielfach von der Familie Falabella für ihr Zuchtprogramm eingesetzt wurden. Der heute bekannte Typ des Falabellas entstand im Jahr 1930 und wurde in den 1960er Jahren erstmals in die USA und weitere Länder exportiert. Artikel in Fachzeitschriften hatten die Minipferde ebenso wie seine Züchterfamilie bekannt gemacht, die auf ihrer Ranch einen Bestand mit den kleinsten und bestmöglich beschaffenen Rassevertretern aufgebaut hatte.

Dies sorgte auch bei prominenten Persönlichkeiten für Aufmerksamkeit, die zum Teil Höchstpreise für die kleinen Falabellas zahlten. In den USA gründete sich 1973 die Falabella Minitature Horse Association, die fortan alle importierten Minipferde registrierte. Heute wird das Falabella in Reinzucht gezüchtet. Das Zuchtbuch ist daher geschlossen und wird von dem argentinischen Zuchtverband, der Asociacion de Criadores de Caballos Falabella (ACCF) in Buenos Aires, geführt. Deutsche Zuchtverbände wie die Vereinigung Westfälisches Pferdestammbuch e.V. betreiben ein Filialzuchtbuch.

So kommt das Falabella zum Einsatz

Bei der Verwendung der Miniponys ist vor allem die Liebhaberzucht ohne nennenswerte Reit- und Fahrqualitäten maßgeblich. Das Falabella kann aufgrund der geringen Größe nicht geritten werden und allenfalls Kinder tragen. Meist wird es daher nicht beschlagen oder höchstens als Fahrpony zum Ziehen leichter Kutschen verwendet. Größere Rassevertreter können leichte Ein- oder Zweispänner ziehen. Vielfach tritt außerdem die Verwendung als Mode- und Schaupony in den Vordergrund, für die meist besonders kleine Ponys eingesetzt werden. Auch hierdurch lässt sich die starke Selektion auf die Größe erklären, die bei einer nicht ausgewogenen Zucht mitunter gesundheitliche Ausfälligkeiten hervorrufen kann. Vor allem in den USA wird das Falabella als Haus- und Streicheltier beziehungsweise als Spielkamerad für Kinder gehalten. Immer häufiger setzt sich jedoch auch der Einsatz als Blindenführerpferd durch.

Wegen seiner Umgänglichkeit und Intelligenz sowie der hohen Lebenserwartung von mehr als 30 Jahren eignet sich das Falabella durchaus als Alternative zum Blindenführerhund und wird daher in den vergangenen Jahren verstärkt für die Haltung durch blinde Menschen ausgebildet. Die Ponys tragen im täglichen Einsatz zur Erhöhung der Mobilität ihres Halters bei und sind in den USA bei entsprechender Ausbildung offiziell als Blindenführerpferde anerkannt. Geführt werden sie insbesondere von blinden Menschen mit Hundehaarallergie. Daneben stellen sie auch für Menschen des arabischen Kulturkreises eine geeignete Alterative dar, wenn der Umgang mit Hunden von ihnen abgelehnt wird.

Besonderheiten der Falabella Ponys

Aufgrund der geringen Größe ist beim Falabella die Fähigkeit zur natürlichen Geburt eingeschränkt. Die meisten Fohlen werden per Kaiserschnitt von einem Tierarzt auf die Welt geholt und sind meist nur rund 40 Zentimeter groß. Auch bei der Haltung können Einschränkungen auftreten, da die Ponys wegen ihres geringen Gewichts schnell frieren und grundsätzlich nicht sonderlich robust und gesundheitlich eher anfällig sind. Die Haltung im Freien kann daher problematisch sein. Ungeachtet dessen unterscheidet sich das Falabella von anderen Rassen auch hinsichtlich seiner Anatomie, denn es verfügt nur über 16 Rippen und damit über ein Rippenpaar weniger als andere Ponys.

Außerdem ist das Herz verhältnismäßig groß ausgebildet und gleicht eher dem eines Großpferdes als eines Ponys. Nicht zuletzt sorgt das Falabella auch als Rekordhalter für Aufmerksamkeit. So ist das kleinste, jemals geborene Pony der Welt ein Falabella, das 1978 eine Widerristhöhe von nur 30,4 Zentimetern aufwies. Faszination löste das Minipferd übrigens auch bei einer ganzen Reihe von bekannten Persönlichkeiten aus. Sowohl der spanische König Juan Carlos, der Sultan von Brunei und König Hussein von Jordanien als auch der ehemalige US-Präsident John F. Kennedy und Beatles-Legende Paul McCartney sollen im Besitz von Fallabellas gewesen sein.

Pferde dieser Rasse