Fjordpferde

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Fjordpferde

Beschreibung der Fjordpferde

Fjordpferde sind eine ursprünglich aus dem westlichen Teil Norwegens stammende Ponyrasse, die vielfach als Norweger bezeichnet wird und deren Entwicklung bis in die Wikinger-Zeit zurückreicht. Aus der Kreuzung der bei Wikingern vorrangigen Wildpferde mit keltischen Rassen hervorgegangen, entwickelte sich über die Jahrhunderte hinweg ein robustes und kräftig gebautes Gebirgspferd, das vielfach als Arbeits- und Zugpferd für landwirtschaftliche Zwecke eingesetzt wurde. Eine Festigung der Rasse erfolgte schließlich ab dem 19. Jahrhundert mit der zunehmenden Zuchtorganisation und der Einführung der Reinzucht im Jahr 1907. Mit dem zunehmend sinkenden Bedarf an Arbeitspferden ging ihr Bestand jedoch allmählich zurück.

In Deutschland sind Fjordpferde seit Mitte des 20. Jahrhunderts vertreten und erweisen sich heute aufgrund ihrer hohen Leistungsbereitschaft und ihres umgänglichen Wesens als ideale Freizeitponys, die mit einer hohen Reit- und Fahreignung überzeugen. Vielseitig einsetzbar und zugleich robust in der Haltung – damit werden Fjordpferde den modernen Ansprüchen an ein unkompliziertes Freizeitpferd in höchstem Maße gerecht. Nicht zuletzt finden sie aber auch viele Anhänger aufgrund ihres charmanten, liebenswürdigen Äußeren, denn das Fjordpferd zeigt sich rassetypisch ausschließlich mit wildfarbener Fellfärbung, die von braunen bis zu hellen Falben eine große Vielfalt bietet. Charakteristisch ist darüber hinaus die zweifarbige Mähne mit einem dunklen, auch im Schweif erkennbaren Längsstreifen, die der Tradition folgend seit jeher zu einer kurzen Stehmähne gestutzt wird.

Exterieur

Größe

Mit einer Widerristhöhe von 135 bis 150 Zentimetern verfügen Fjordpferde über ein für Ponys typisches Stockmaß, während ihr Gewicht bei etwa 375 Kilogramm liegt.

Gebäude

Der gut geformte Kopf mit geradem bis konkavem Profil zeichnet sich durch eine flache, breite Stirn aus, ist jedoch vergleichsweise von geringer Größe. Umso ausdrucksvoller kommen die weit auseinanderstehenden Ohren sowie die großen Augen zur Geltung, die mit ihrem gutmütigen Blick Ruhe und Ausgeglichenheit ausstrahlen. Der Hals erweist sich beim modernen Reitpferdetyp als lang und geschmeidig und ist durch die für Fjordpferde charakteristische zweifarbige Mähne bedeckt, die traditionell zu einer kurzen Stehmähne gestutzt wird. Der robuste Körper weist eine breite Brust, eine schräge Schulter und einen gut bemuskelten Rücken mit kräftigen Lenden auf. Stark im Fundament fallen nicht zuletzt die kräftigen Beine mit ihren gut markierten Gelenken sowie die nicht zu kurzen Hufen von guter Qualität ins Auge.

Fell und Färbungen

Hinsichtlich ihrer Optik bestechen Fjordpferde insbesondere mit ihrem wildfarbenen Fell, denn vorrangig sind ausschließlich Falben. Neben den am häufigsten vorkommenden Braunfalben sind auch Rot- und Graufalben sowie in seltenen Fällen Gelb- und Hellfalben anzutreffen. Charakteristisch für die Rasse sind darüber hinaus das weiß gefärbte Maul, das auch als Milch- oder Mehlmaul bezeichnet wird, sowie die markanten Zebrastreifen an den Vorder- und Hinterbeinen. Farblich außergewöhnlich ist aber auch die Mähne, die sich durch einen dunkelfarbenen Längsstreifen auszeichnet. Dieser führt über den weniger ausgeprägten Aalstrich entlang des Rückens bis in den erneut deutlich zweifarbigen Schweif. Grundsätzlich nicht erwünscht, aber bei der Fjordstute und den Wallachen als geringfügiger Stern akzeptiert sind weiße Abzeichen.

Grundgangarten / Bewegungen / Bewegungsablauf

Trittsicher und ausdauernd präsentieren sich Fjordpferde mit einem raumgreifenden, fleißigen Schritt und elastischen Bewegungen. Bemerkenswert ist zudem das für ihre geringe Größe durchaus beachtliche Springvermögen.

Interieur

Fjordpferde überzeugen mit ihrem ruhigen und gelassenen Wesen, das ebenso Stärke wie Ausgeglichenheit zum Ausdruck bringt, zumal ihre Mimik stets interessiert und aufmerksam wirkt. Neben dem für Reiter besonders vorteilhaften hohen Maß an Umgänglichkeit zeigen sich Fjordpferde äußerst leistungsbereit und ausdauernd, stets unkompliziert im Umgang und verlässlich im Temperament, aber zugleich auch energisch und mutig in Geländesituationen.

Zuchtgeschichte des Fjordpferdes

Ursprung

Ursprünglich aus dem westlichen Teil Norwegens, dem Vestland, stammend, gehen Fjordpferde und ihre Entwicklung als eigenständige Rasse bis in die Wikingerzeit zurück. In der für Skandinavien typischen, schroffen Berglandschaft mit Fjorden und imposanten Felsklippen bildete sich durch die Kreuzung der Wikinger-Pferde mit keltischen Rassen aus dem heutigen England und Irland der Urtyp des Fjordpferdes heraus. Obwohl die exakte Mischung der Rassen nicht vollständig geklärt ist, lässt sich doch eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit mongolischen Wildpferderassen feststellen, die den Wildpferd-Charakter der Norweger bis heute widerspiegelt.

Im Zuge der sich verstärkenden Sesshaftigkeit der Wikinger entwickelte sich ein kleines und genügsames Gebirgsarbeitspferd, das als Last- und Zugtier zu landwirtschaftlichen Zwecken eingesetzt wurde. Trittsicher und äußerst tragfähig waren Fjordpferde über Jahrhunderte hinweg ein nützliches Arbeitspferd für den Ackerbau und den Transport von Gütern. Um 1820 herum wurde die Fjordpferdezucht in Norwegen schließlich organisiert und in den Folgejahren durch die Kreuzung mit der ebenfalls norwegischen Kaltblutrasse der Dölepferde geprägt, da die lediglich etwa 130 Zentimeter großen Fjordpferde an Größe und Stärke gewinnen sollten. Dies ging jedoch mit charakterlichen Fehlentwicklungen einher, sodass ab 1886 eine Rassebereinigung vollzogen und ab 1907 die Reinzucht ohne Fremdblutzufluss eingeführt wurde. Waren Fjordpferde in den folgenden Jahrzehnten weiterhin als Arbeitspferde zahlreich vertreten, so ging ihr Bestand mit der zunehmenden Mechanisierung des Transportwesens und der Landwirtschaft ab den 1960er Jahren deutlich zurück. Heute werden Fjordpferde in Norwegen hauptsächlich in ländlichen Gegenden gehalten, ihre Bestandszahlen sind jedoch nach wie vor tendenziell rückläufig.

Zuchtmethodik & Veredelung

In Deutschland wurden erstmals im Jahr 1940 18 Fjordpferde importiert und in den ersten Jahren mit fremden Rassen gekreuzt. Obwohl nicht reinrassig, erfolgte zunächst die Eintragung dieser Mischlings-Fjordpferde in Zuchtbücher, ehe im Jahr 1954 durch die Arbeitsgemeinschaft der Pony- und Kleinpferdezucht die Einführung der Reinzucht beschlossen wurde. Seither sind lediglich Zuchtstuten zu akzeptieren, deren Mutterlinie sich über drei Generationen hinweg auf die Kreuzung mit reinrassigen Hengsten zurückführen lässt. Durch weitere Importe nahm die reinrassige Fjordpferdezucht weiter zu, doch auch in Deutschland sollte sich der Bestand durch den sinkenden Bedarf an Arbeitspferden für die Landwirtschaft verringern.

Im Gegenzug entdeckten jedoch Freizeitreiter die umgänglichen Fjordpferde für ihren Hobbyreitsport, wodurch nicht mehr länger der schwere Wirtschaftstyp, sondern ein bewegliches, leichteres Reitpony gefragt war. Zu diesem Zweck durchgeführte Zuchtversuche mit Fremdrassen brachten aber auch hierzulande Gebäude- und Charaktermängel hervor, sodass das Zuchtziel eines rittigeren Pferdes letztendlich über die sorgsame Selektion in Reinzucht erreicht wurde.

Zuchtbücher/ Zuchtverbände

Das Ursprungszuchtbuch der Rasse wird von dem norwegischen Verband Norsk Hestesenter geführt und legt die Zuchtbestimmungen fest, die auch für alle in Deutschland bestehenden Züchtervereinigungen verbindlich sind. Angeschlossen an die Deutsche Reiterliche Vereinigung betreiben diese die Zucht der Fjordpferde in eigenständigen Populationen.

Besondere Vererber

Alle heutigen, reinrassigen Fjordpferde gehen hinsichtlich ihrer väterlichen Seite auf drei Hauptlinien zurück. Diese wurden durch die Hengste Yarblakken N 819, Hakon Jarl N 645 und Bergfast N 635 begründet, die allesamt von dem als Urvater der Reinzucht in Norwegen geltenden Hengst Njal N 166 abstammen.

Verwendung des Fjordperdes

Fjordpferde überzeugen mit ihrem ruhigen und gelassenen Wesen, das ebenso Stärke wie Ausgeglichenheit zum Ausdruck bringt, zumal ihre Mimik stets interessiert und aufmerksam wirkt. Neben dem für Reiter besonders vorteilhaften hohen Maß an Umgänglichkeit zeigen sich Fjordpferde äußerst leistungsbereit und ausdauernd, stets unkompliziert im Umgang und verlässlich im Temperament, aber zugleich auch energisch und mutig in Geländesituationen.

Besonderheiten der Fjordpferde

Mit Blick auf die Haltung sind ausreichend Bewegungsmöglichkeiten, eine artgerechte Fütterung und Sozialkontakt entscheidend. Fjordpferde fühlen sich daher zum einen in einer Gruppe in der ganzjährigen Freilandhaltung mit einem zugfreien Unterstand wohl, wobei im Winter auf eine ausreichende Zufütterung geachtet werden sollte. Ebenso möglich ist jedoch auch ein Offenstall mit großer Liegefläche und weitläufigem Auslauf.

Empfehlenswerte Links

Reichlich Wissenswertes und Informationen rund um Fjordpferde, ihre Herkunft und Zucht bieten die Interessensgemeinschaft Fjordpferd e. V. und die Deutsche Reiterliche Vereinigung auf ihren Webseiten.

Pferde dieser Rasse