Furioso

Der Furioso – das ungarische Halbblut übt bis heute eine ungebrochene Faszination aus

 

Furioso ist die Kurzform von Furioso-North Star und eine ungarische Pferderasse mit geringer Verbreitung, die heute nach wie vor hauptsächlich in Ungarn gezüchtet wird. Der Furioso heißt auf Ungarisch Mezőhegyesi félvér und ist ebenso wie die ungarischen Pferderassen Kisber und Gidran ein Halblut. Der Schwerpunkt der Zucht liegt nach wie vor beim Gestüt Mezöhegyes, das seit jeher als Zentrale der ungarischen Halbblut-Zucht gilt und hierzu im 19. Jahrhundert einen der beiden Stammväter der Rasse Furioso, den 1836 geborenen Furioso senior, aufstellte.

In seiner Abstammung auf den Fuchs Eclipse, ein berühmtes englisches Rennpferd und Begründer der Rasse Englisches Vollblut, zurückgehend, brachte Furioso senior hervorragende genetische Qualitäten mit, die er an eine große Nachkommenschaft vererbte. Aus der Kreuzung mit den Nachkommen des zweiten Stammvaters North Star senior, geboren 1844, ging gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Furioso-North Star hervor. Bis heute ist die Rasse erhalten, aber gering verbreitet und wird nur in wenigen europäischen Ländern, darunter auch in Deutschland, gezüchtet. Wer den Furioso kennt, schätzt ihn jedoch umso mehr für seine ansprechende Erscheinung als elegantes, mittelgroßes Reitpferd und seine vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Sei es für die Jagdreiterei oder die Vielseitigkeit, das Dressur– oder Springreiten, der Furioso macht in vielen Disziplinen eine gute Figur und erweist sich daher als perfektes Reitpferd für Freizeitreiter.

Ebenso kann er auch vor dem Wagen als Fahrpferd eingesetzt werden – hierbei zeigt er sich mit Eleganz und großer Ausdauer. Nicht zuletzt überzeugt die sehr genügsame und umgängliche Rasse mit ihren positiven Charaktereigenschaften und zeichnet sich durch eine hohe Zuverlässigkeit und Kraft, Willigkeit und Nervenstärke aus. Zweifellos ist es diese Kombination aus edlem Exterieur, überzeugendem Wesen und vielseitigen sportlichen Anlagen, die Pferdeliebhaber bis heute fasziniert und durch eine qualitätsbewusste Zucht erhalten bleiben muss.

 

Das Exterieur des Furiosos – ein mittelgroßes, elegantes Reitpferd

 

Der Furioso erreicht ein Stockmaß von etwa 160 bis 165 Zentimetern und erscheint als elegantes Reitpferd von mittlerer Größe. Der edle, mittelgroße Kopf zeichnet sich durch ein gerades Profil, fein geschnittene Ohren und große Nüstern aus. Der kräftige, korrekt geformte Hals von ausreichender Länge geht in gut bemuskelte Schultern und einen geraden, ebenso kräftigen Rücken mit ausgeprägtem Widerrist über. Rassetypisch sind außerdem eine muskulöse, leicht abfallende Kruppe und kraftvolle Hinterhand sowie ein gut angesetzter Schweif. Trocken und kräftig präsentiert sich auch das Fundament mit seinen korrekten, klaren und harten Gliedmaßen ohne Behang, trockenen Sehnen und Gelenken sowie harten und regelmäßigen Hufen. Insgesamt steht der Furioso bei einer guten Breite und Tiefe im Langformat. Hinsichtlich der Fellfarbe kommen vorwiegend Rappen, Braune, Füchse und Schimmel vor. Auffallend ist darüber hinaus das besonders schöne Langhaar.

 

Das Interieur – der Furioso zeigt sich mit positiven Eigenschaften

 

Elegant erscheinend und genügsam in ihrem Wesen, überzeugt die Rasse mit einer ausgeprägten Ausdauer und Intelligenz sowie einem hohen Maß an Zuverlässigkeit und Kraft. Ein typischer Furioso ist zäh und vielseitig veranlagt, willig und fügsam und lässt sich keineswegs schnell aus der Ruhe bringen, sondern zeigt sich nervenstark und ausgeglichen.

 

Zuchtgeschichte und Ursprung der Rasse

 

Die Entstehung der Rasse Furioso geht auf das ungarische Gestüt Mezőhegyes zurück, das als Zentrale der ungarischen Zucht von Halbblütern fungierte. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden hier vorhandene Stuten des Mutterstutenbestandes aus Mecklenburger-, Siebenbürger-, Trakehner- und Nóniusz-Abstammung mit einer Auswahl an Vollbluthengsten gekreuzt, um den Bedarf an Kavalleriepferden zu decken. Einer der beiden Namensgeber der Rasse ist der 1836 geborene Stammvater Furioso senior, ein brauner Vollblüter, der aus dem Gestüt des Grafen György Károlyi stammte und 1841 in Mezőhegyes aufgestellt wurde. Da er väterlicherseits auf die Herod-Eclipse-Verbindung zurückging und sein Vater Privater bereits zahlreiche Pferderennen gewonnen hatte, konnte auch Furioso unzählige Rennerfolge in Ungarn einheimsen.

Nach seiner erfolgreichen Rennkarriere diente der ungeschlagene Siegerhengst der Halbblutzucht in Mezőhegyes und brachte in zehn Jahren 81 Stut- und 95 Hengstfohlen hervor. Seine Nachkommen zeichneten sich durch ein besonders korrektes Gebäude, reichlich Adel und eine ausgeprägte körperliche Standfestigkeit aus. Der andere Begründer und Namensgeber der Rasse war der Rappe North Star senior, der 1844 geboren und auf einem englischen Vollblutgestüt des Lords Fitzwilliam gehalten wurde. Beide Elternteile gingen in ihrer Herkunft auf die Eclipse-Linie zurück und versprachen daher eine hervorragende Abstammung und Qualität. Auch North Star wurde in Mezőhegyes aufgestellt und diente dort von 1853 bis 1861 als Deckhengst. Seine Nachkommenschaft umfasste 61 Stut- und 53 Hengstfohlen und zeichnete sich durch sehr ausdauernde, große und feine Pferde mit spätem Reifungsprozess aus.

Beide Gründerhengste der Rasse hatten eine vergleichbare Abstammung und ähnelten mit Blick auf Gebäude, Größe und Charakter demselben Typen eines Englischen Vollbluts. Ihre Nachkommen wurden miteinander gekreuzt und in Mezőhegyes weitergezüchtet, ehe eine Trennung in zwei verschiedene Linien erfolgte. Die erforderliche genetische Variation in den beiden Stämmen wurde durch abwechselnd eingesetzte Deckhengste der vier Linien North Star „A“, North Star „B“, Furioso „A“ und Furioso „B“ sichergestellt. Vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich aus der Zucht eine Rasse mit zunehmenden Gemeinsamkeiten in puncto Charakter, Farbe und einheitlicher Typ heraus, die damals noch als Mezöhegyes Halbblut bezeichnet wurde.

Heute ist der Bestand der Rasse eher gering, erholt sich aber von einem deutlichen Tiefpunkt, der in den 1980er Jahren zu verzeichnen war. Nach wie vor sind jedoch nur 80 Hengste und 500 Zuchtstuten in Ungarn eingetragen. Neben dem Ursprungsgebiet wird der Furioso auch in weiteren Ländern Mittel- und Osteuropas gezüchtet, darunter in Deutschland, Österreich, Polen und Rumänien sowie in Tschechien und der Slowakei.

 

Der Furioso und seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten

 

Der Furioso ist vielfältig veranlagt und kommt insbesondere für die Vielseitigkeit und die Jagdreiterei zum Einsatz. Daneben bewährt er sich ebenso gut als Fahrpferd im leichten Zug, im Springen und in der Dressur. Daher konnte die Rasse auch als Sportpferd Erfolge im Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreiten erzielen. Als Wagenpferd eingesetzt, zeigt sie sich im Geschirr mit Ausdauer und Eleganz. Durch diese vielseitigen Anlagen ist der Furioso aber auch ideal für ambitionierte Freizeitreiter geeignet. Sie finden in der Rasse einen gesunden, zuverlässigen und in Haltung und Fütterung sehr genügsamen Reitpartner für verschiedene Disziplinen. Neben der guten Gangveranlagung überzeugt der Furioso mit Härte, Ausdauer und Schnelligkeit.

 

Besonderheiten der Rasse Furioso

 

Der Furioso ist eng mit dem Leutstettener (Sárvár) verwandt, der in Ungarn im Königlich Bayerischen Privatgestüt Sárvár auf der Basis von Furioso-North Star-Blut und Englischen Halbblütern gezüchtet wurde. Die hauptsächlich aus Mezöhegyes stammenden Hauptbeschäler wurden mit drei, in den Jahren 1926 bis 1930 geborenen Stammstuten gekreuzt. Die Selektion mit sieben Blutlinien seit 14 Generationen und das konsequent eingehaltene Zuchtziel sorgten dafür, dass die Leistungsfähigkeit und das genetische Gleichgewicht der Rasse erhalten blieb. Die Zuchtbemühungen, den Leutstettener als eigenständigen Pferdetyp zu formen, wurden seit 1875 durchgeführt und später in Bayern weiter verfolgt.

Im Jahr 1945 erfolgte eine Überführung der wertvollsten Zuchtpferde, um das Zuchtprogramm im bayerischen und bis heute namensgebenden Gestüt Leutstetten, südlich von München, weiterzuführen. Das in Sárvár im Jahr 1826 eröffnete Zuchtbuch fand eine lückenlose Fortsetzung und wird heute von dem Bayerischen Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialrassen e. V. geführt. Im Jahr 2006 musste das Leutstettener Gestüt allerdings aufgelöst werden, sodass alle Pferde verkauft und an interessierte Züchter weitergegeben wurden. Seither liegt es zum ersten Mal allein in der Hand von Privatpersonen, die Zucht des Leutstettener Pferdes fortzuführen und damit die Rasse in ihrer derzeitigen Qualität zu erhalten.

Pferde dieser Rasse

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