Gotland-Pony

Das Gotland-Pony – die älteste Pferderasse Schwedens

Das Gotland-Pony ist eine alte schwedische Ponyrasse, die auf der namensgebenden Insel Gotland und einigen Nachbarinseln beheimatet ist. Die bis heute hauptsächlich in Schweden gezüchteten Ponys zählen zu den ältesten europäischen Pferderassen und gehen in ihrer Abstammung auf uralte Wild- und Kleinpferde zurück, die bereits zur Eisenzeit, noch weit vor der Steinzeit, auf den schwedischen Inseln existiert haben müssen. Über Jahrtausende hinweg lebten die wilden und halbwilden Gotland-Ponys in den Waldgebieten der Insel und entwickelten sich durch diese Isolation nahezu rein und ohne nennenswertes Fremdblut.

Später wurden orientalische Pferde und Araber eingekreuzt, die für eine Veredlung sorgen sollten, während die frei lebenden Ponys weiterhin als Allgemeingut galten und oftmals für landwirtschaftliche Zwecke eingefangen wurden. Bis heute besteht die wild lebende Herde auf der Insel Gotland fort und wird in der rund 650 qm großen Lojstaheide gehalten. Darüber hinaus ist das Gotland-Pony als Gebrauchspferd auf Reiterhöfen und bei Privatleuten sowie als Reitpony für Kinder beliebt. Bei entsprechender Ausbildung zeigt sich die Rasse ebenso freundlich und umgänglich wie ausdauernd und lebhaft.

 

Das Exterieur des Gotland-Ponys

 

Das Gotland-Pony zeichnet sich durch ein Stockmaß von rund 115 bis 130 Zentimetern sowie durch ein Gewicht von um die 200 Kilogramm aus und präsentiert sich als mittelgroßes Pony im nordeuropäischen Typ. Das Exterieur ist durch einen typischen, großen Ponykopf mit geradem Profil, kleinen Ohren, großen, aufmerksamen Augen und breiter Stirn sowie einen kräftigen, kurzen Hals geprägt, der in starke, meist absinkende Schultern übergeht. Markant sind der gerade und lange, weiche Rücken, der recht stark ausgeprägte Widerrist, die ausreichend breite Brust und die absinkende, gut bemuskelte Kruppe mit tief angesetztem Schweif.

Die Hinterhand ist vergleichsweise schwach, das Fundament aber trocken mit harten und robusten Hufen mit wenig Behang. Vor allem die Gliedmaßen können überzeugen, da sie sehr sehnig, trocken, stahlhart und feinknochig sind. Mitunter können auch eine Kuhhessigkeit und eine Fehlstellung der Vorderbeine auftreten. Auffällig und optisch besonders ansprechend ist nicht zuletzt das volle und dichte Langhaar. Bei den Fellfarben ist eine große Variationsbreite zu verzeichnen. Von Braunen, Rappen und Füchsen bis zu Schimmeln, Isabellen und Mausfalben kommen nahezu alle Farbvarianten vor. Etwa 80 Prozent der Gotland-Ponys sind schwarz oder braun und rund 20 Prozent hell gefärbt.

 

Das Gotland-Pony und sein Interieur – umgänglich, aber manchmal auch störrisch

 

Das Gotland Pony zeigt sich umgänglich und sehr lernfähig, benötigt aber auch eine entsprechend konsequente Ausbildung. Erfolgt diese nicht, kann die Rasse durchaus ihren eigenen Willen zum Ausdruck bringen und unliebsame Angewohnheiten annehmen. Grundsätzlich ist das Gotland Pony aber liebenswert in seinem Wesen, aufgeweckt und zäh und zeichnet sich durch Geduld und Genügsamkeit aus. Als fleißiges Waldpferd verfügt es über eine hohe Widerstandskraft bei schwierigen klimatischen Bedingungen, eine eiserne Konstitution sowie eine hohe Ausdauer und Energie. Neben dem lebhaften, freundlichen und ausgezeichneten Charakter kann es aber auch störrisch und eigensinnig im Umgang sein. Der starke Willen der Rasse bringt manchmal eine gewisse Sturheit hervor. Nicht zuletzt begeistert das Gotland-Pony mit seiner hohen Langlebigkeit und Gesundheit. Ponys mit einem Alter von über 40 Jahren sind bei dieser Rasse keine Seltenheit.

 

Zuchtgeschichte und Ursprung – das Gotland-Pony ist eine uralte Pferderasse

 

Die Pferderasse Gotland-Pony stammt in ihrem Ursprung von der gleichnamigen Insel Gotland und hat sich über einen langen Zeitraum hinweg zu ihrem heutigen Typ herausgebildet. Sie gehört zu den ältesten europäischen Pferderassen und stammt von uralten Kleinpferden und Wildpferden ab, die in der heutigen Zuchtgegend beheimatet waren. Anzunehmen ist auch, das der wilde Tarpan zu den Vorfahren zählte. Zumindest fiel bei einem Fund eines tarpan-ähnlichen Kleinpferdes eine deutliche Ähnlichkeit zum heutigen Gotland Pony auf, die diese Vermutung nahe legt. Zugleich war das gefundene Tier dem Huzulen und dem Konik sowie dem früheren, rein gehaltenen Lofotenpony ähnlich. Auf einer kleinen Nachbarinsel von Gotland, der Insel Stora Karlsö, wurden bei archäologischen Ausgrabungen Funde aus der Eisenzeit entdeckt, die auf kleingewachsene Pferde hindeuten.

Diese waren mit höchster Wahrscheinlichkeit die Ahnen des heute bekannten Gotland-Ponys, das über Jahrtausende hinweg als wildes oder halbwildes Kleinpferd in den weiten Wäldern auf Gotland lebte. Aufgrund dieses natürlichen Lebensraums werden die Ponys bis heute auch als Skogsruss, Waldpferd, bezeichnet. Sie durchlebten wie andere Ponys in ähnlichen Verhältnissen eine Entwicklung, bei der sie stetig widerstands- und anpassungsfähiger wurden. Durch die isolierte Inselhaltung blieb die Rasse fast ohne Fremdblut und nahezu rein. Zugleich gab es jedoch auch Versuche, andere Pferderassen zur Veredlung einzukreuzen. Hierbei sind vor allem Einkreuzungen von orientalischen Pferden und eines syrischen Hengstes gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu nennen, aus dem der 1880 geborene, sehr erfolgreiche Vererber Olle hervorging. Darüber hinaus spielten auch Araber und Welsh Ponys eine Rolle.

Spätestens im Mittelalter wurde das Gotland-Pony von Bauern für ihre Zwecke entdeckt und als Nutzpferde in der Landwirtschaft verwendet. In Freiheit lebend, galten die Ponys als Allgemeingut, sodass sich jeder nach Bedarf ein Pony aus der natürlichen Herde einfangen und für sein persönliches Anliegen einsetzen konnte. Ab 1859 war der Bestand durch eine Umänderung des Bodennutzungsrechts für einige Zeit bedroht, ehe sich engagierte Pferdefreunde für den Schutz der Gotland Ponys einsetzten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Zuchtversuche durch Einkreuzungen von ausländischen Hengsten unternommen. Diese Anpaarungen mit heimischen Stuten blieben in ihrer Anzahl aber überschaubar, sodass kein großer Einfluss auf die Rasse zu verzeichnen war. Dennoch konnte durch diese Zuchtbemühungen die genetische Vielfalt des Gotland-Ponys verbessert werden.

Bis heute existiert eine wilde Herde von Gotland-Ponys, die in der Mitte ihrer Heimatinsel im Wald Lojsta hed leben. Die 650 qm große Lojstaheide ist ein zum Teil bewaldetes Wachholder- und Sandgebiet. Darüber hinaus werden die Ponys hauptsächlich in Mittel- und Südschweden gezüchtet und als Gebrauchsponys bei Privatleuten und auf Reiterhöfen gehalten. Für die Betreuung der Zucht ist in Schweden der 1954 gegründete Verein der Freunde des Gotland Waldross zuständig. Hervorragende Nachzuchten gibt es jedoch auch in den USA, wo der seit 1960 bestehende Zuchtverband American Gotland Association die Zucht betreut. Die schwedische Regierung erkannte die Ponys im Jahr 1984 als schützenswerte Pferderasse von nationaler Bedeutung an. Weltweit umfasst der Rassebestand rund 6.000 Ponys.

 

Das Gotland-Pony kommt vielfach als Reitpony zum Einsatz

 

Das Gotland Pony ist ein beliebtes Kinderreitpony, das gerne in Reitschulen oder auf Bauernhöfen zum Anlernen des reiterlichen Nachwuchses eingesetzt wird. Mit seinem Stockmaß von nur 115 bis 130 Zentimetern ist es auch für Kleinkinder bestens geeignet. Darüber hinaus überzeugt die Rasse mit schönen Gangarten bis auf den Trab, der etwas hart ist und hölzern wirken kann, und einem ausgezeichneten Springvermögen, wodurch es sich auch als Springpony für Wettbewerbe eignet. Neben der Verwendung als Reit- und Kinderpony ist auch der Einsatz für Trabrennen und als leichtes Wagen- und Kutschpferd üblich.

 

Besonderheiten rund um das Gotland-Pony

 

Die rund 80 frei lebenden Gotland Ponys im Ljosta Hed bewegen sich auf einer großen, eingezäunten Weidefläche, die etwa 650 Hektar umfasst. Fünf Mal im Jahr werden die Ponys mit den alten Methoden der Spurensuche zu Fuß aufgespürt. Daran können auch Besucher teilnehmen und auf diese Weise die Registrierung und Untersuchung von Fohlen, die Hufpflege oder den Verkauf des jungen Nachwuchses aus der Nähe miterleben. Jedes Jahr im November werden die Fohlen aus der Herde separiert und weiter verkauft, um das Gleichgewicht der Herde dauerhaft zu erhalten.

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