Kinsky-Pferd

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Kinsky-Pferd

Beschreibung der Kinsky Pferde

Kinsky-Pferde sind in Deutschland eher weniger bekannt, aber in Tschechien mit umso längerer Tradition verwurzelt – Dieses Pferd ist ein leichtes Warmblut mit hohem Vollblutanteil, das seit rund zwei Jahrhunderten in der Region Böhmen beheimatet ist. Heute nur noch sehr gering verbreitet und vom Aussterben bedroht erfuhr die Großpferderasse ihre Blütezeit vor allem im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Pferdezucht der bis heute namensgebenden Adelsfamilie Kinsky.

Unverkennbares Merkmal und zugleich Teil des Ursprungs der Rasse ist die markante Färbung, denn jedes Kinsky Pferd erstrahlt mit einem intensiv glänzenden, goldfarbenen Fell, insbesondere wenn es sich um die rassetypischen Isabellen handelt. Folgerichtig war es auch ein Fohlen dieser Farbe, das zur Begründung der eigenständigen Rasse führte, denn im Jahr 1836 brachte die Vollblutzucht des Grafen Kinsky erstmals einen isabellfarbigen Nachkommen hervor. Da das Stutfohlen nicht anerkannt und damit nicht im Zuchtbuch registriert wurde, eröffnete der Graf kurzerhand ein eigenes Stutbuch – die Rasse Kinsky-Pferd war geboren.

In den folgenden Jahrzehnten blühte die Zucht und brachte zahlreiche erfolgreiche Sportpferde hervor, ehe das Kinsky Pferd mit der Enteignung der Adelsfamilie 1948 langsam seinem Untergang entgegen sah. Heute ist nur noch ein geringer Bestand zu verzeichnen, dessen Erhalt umso bedeutender erscheint, als dass die Rasse sich ideal als Freizeit– und Sportpferd eignet. Neben dem hervorragenden Springvermögen überzeugt das Kinsky-Pferd einmal mehr mit hoher Ausdauer, Leistungsstärke und einem umgänglichen und verlässlichen Wesen. Und auch optisch sind die goldglänzenden Pferde zweifellos stets ein imposanter Blickfang.

Exterieur

Größe

Das rassetypische Kinsky-Pferd zeichnet sich als edles Warmblut mit einem hohen Vollblutanteil durch seinen mittelgroßen, harmonischen Körperbau aus. Ausgewachsene Pferde der böhmischen Rasse erreichen ein Stockmaß von 158 bis 175 Zentimetern.

Gebäude

Der elegante, gerade Kopf mit trockenem Profil erhält durch die freundlichen Augen eine ausdrucksstarke Mimik. Ebenso apart ist beim Kinsky-Pferd auch der ansprechend geschwungene und genügend lange Hals, der sich schön aufgesetzt zeigt und in eine günstig gelagerte Schulter und einen markierten Rist übergeht. Das stabile Gebäude verfügt daneben über eine breite und ausreichend tiefe Brust, eine leicht abfallende und gut bemuskelte Kruppe sowie eine starke Nierenpartie und einen tief angesetzten Schweif. Das Fundament ist mit kräftigen Beinen von guter Knochenstärke, den charakteristischen dunklen Hufen und starken Gelenken äußerst robust.

Fell und Färbungen

Entsprechend des Zuchtziels sollen sich Kinsky-Pferde als Isabellen oder helle Falben mit geringen Abzeichen zeigen. Daneben treten aber durchaus auch Rappen und Schimmel, Braune und Füchse sowie die Fellfärbungen Perlino, Cremello und Smokey Cream auf, die ebenso erlaubt sind. Charakteristisch ist zudem der markante, intensiv erscheinende Glanz, der das Fell bei jedem Kinsky-Pferd beinahe goldfarben wirken lässt, zumal sich das seidige Fell stets sehr weich und fein anfühlt.

Grundgangarten / Bewegungen / Bewegungsablauf

Raumgreifend in der Aktion sind die Grundgangarten beim Kinsky Pferd bemerkenswert flach. Beachtlich ist vor allem auch das große Springvermögen.

Interieur

Leistungsstark und temperamentvoll im Wesen ist das Kinsky Pferd ein edles und begabtes Sportpferd, das sich hervorragend für den Leistungssport und aufgrund seiner Schnelligkeit und Unerschrockenheit besonders für das Springreiten eignet. Aber auch andere Disziplinen sind der ausdauernden Pferderasse nicht fremd, zumal sich das Kinsky Pferd meist willig und freundlich mit einem großen Leistungsvermögen zeigt. Beim Freizeitreiten erweist es sich als umgänglicher und zuverlässiger Reitpartner.

Zuchtgeschichte des Kinsky Pferdes

Ursprung

Die Zuchtgeschichte des Kinsky Pferdes ist unweigerlich mit der Vollblutzucht der böhmischen Adelsfamilie Kinsky verbunden, ein in Chlumec an der Cidlina ansässiges Hochadelsgeschlecht. Bereits im Jahr 1520 gründete die in den Reichsgrafenstand erhobene Familie ein eigenes Gestüt und züchtete Vollblüter für die Kavallerie und den Einsatz in Galopprennen, unter anderem mithilfe des Imports englischer Vollblüter. Im Jahr 1836 ging hieraus schließlich ein isabellfarbenes Stutfohlen hervor, das aus der Paarung der fuchsfarbenen Stute Themby I mit dem schwarzbraunen Hengst Whisker xx resultierte.

Aufgrund der ungewöhnlichen Fellfärbung wurde dieses erste Kinsky Pferd nicht in das Generel Stud Book eingetragen, denn einhellig war die Meinung, dass noch nie ein Vollblüter mit einer solchen Fellfarbe existiert habe und dass gar ein Hengst anderer Rasse der Vater sein könnte. Erbost über diese Behauptung und die Verweigerung der Registrierung gründete das damalige Familienoberhaupt Oktavian Joseph Graf Kinsky ein eigenes Stutbuch und legte damit den Grundstein für die neue Rasse Kinsky Pferd. Das isabellfarbene, auf Themby II getaufte Fohlen wurde 1845 mit dem Hengst Prince Djalma xx gekreuzt und schenkte dem späteren Stammvater der Kinsky Zucht, dem ebenfalls isabellfarbenen Hengst Ceasar, das Leben.

Zuchtmethodik & Veredelung

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Zucht auf Vollblutbasis weitergeführt, vor allem durch Einkreuzungen der ungarischen Halbblüter Kisberer, aber auch durch Veredelungen mit Trakehnern, Achal-Tekkinern oder Hannoveranern, und brachte eine Vielzahl an erfolgreichen Sportpferden hervor. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Blütezeit der Kinsky Zucht jedoch zu Neige, denn 1948 wurde die Adelsfamilie enteignet und das erfolgreiche Gestüt geschlossen. Die verbliebenen Kinsky Pferde wurden fortan in den an der Elbe gelegenen Gestüten Kladruby und Slatinany betreut und waren durch die Verstaatlichung der Zucht und der zunehmenden Einkreuzung von Warmblutrassen beinahe ausgestorben. Obwohl seit 1967 wieder eine Herde in Chlumec steht und die Zucht bis heute im Stammgestüt Ostrov in der Nähe von Písek sowie durch Privatzüchter fortgeführt wird, ist das Kinsky Pferd gegen Ende des 20. Jahrhunderts fast vollständig im Tschechischen Warmblut aufgegangen.

Unter behutsamer Kreuzung mit farbgleichen Veredlerhengsten besteht nach wie vor die Aufgabe, die bedrohte und nur noch gering verbreitete Rasse in ihrem Typ zu erhalten und die Zucht entsprechend der ursprünglichen Rassemerkmale weiter zu betreiben. Leider haben Züchter in Tschechien jedoch mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, denn sie erhalten keinerlei finanzielle Zuschüsse für den Erhalt der als nationales Kulturgut anerkannten Rasse. Darüber hinaus wird das beste Kinsky Pferd aus finanziellen Gründen nicht selten ins Ausland, nach Deutschland oder auch nach England, Belgien und in die Niederlande exportiert – zum Leidwesen des ohnehin geringen Bestands.

Zuchtbücher/ Zuchtverbände

Heute wird die Zucht in Tschechien von dem Zuchtverband Equus Kinsky koordiniert, in dem sich Züchter und Besitzer zusammengeschlossen haben. In Deutschland besteht bislang kein Zuchtverband.

Verwendung des Kinskys

Das Kinsky Pferd kann ebenso als Sportpferd wie zum Reiten in der Freizeit zum Einsatz kommen und sorgt in nahezu allen Disziplinen für Furore. Hart und ausdauernd, aber ebenso schnell und spritzig macht es insbesondere beim Springreiten eine gute Figur. Daneben wird das Kinsky Pferd aber auch vielfach als Jagd- und Vielseitigkeitspferd sowie für Galopprennen verwendet.

Besonderheiten der Kinsky Pferde

Das Kinsky Pferd erhält als Fohlen stets einen Namen, der mit dem Anfangsbuchstaben des Namens der Mutter beginnt. Daher beginnen auch heute noch alle Namen mit H, J, M, N, O, P oder R.

Im tschechischen Reitsport haben Vertreter der Rasse vor allem bei Galopprennen beachtliche Erfolge erzielt. Der Begründer der Rasse, Graf Kinsky, forcierte ab 1836 nicht nur die Zucht, sondern veranstaltete auch Parforcejagden und Steeplechase-Rennen nach britischem Vorbild. So wurde das Pardubice Grand National zehn Mal von einem Kinsky Pferd gewonnen, darunter 1937 von der Stute Norma und der Reiterin Gräfin Lata Brandisova. Im Übrigen war sie die erste und bis heute einzige Frau, die das legendäre Traditionsrennen für sich entscheiden konnte.

Selbst in höchsten britischen Adelskreisen soll das Kinsky Pferd bereits bekannt sein, denn ein englischer Züchter soll Queen Mum zu ihrem 100. Geburtstag eines der goldfarbenen Pferde geschenkt haben.

Pferde dieser Rasse