Lipizzaner

Lipizzaner

Lipizzaner – die edlen Schimmel sind eine der ältesten Pferderassen Europas

Der Lipizzaner ist eine besonders alte europäische Pferderasse und weltberühmt durch die Vorführung an der Spanischen Hofreitschule in Wien. Ausgebildet für die Lektionen der Hohen Schule, begeistern die eleganten Schimmel im Barocktyp nicht nur mit ihrem adeligen Ausdruck, sondern auch mit Übungen der klassischen Dressur-Reitkunst. Ihre Zuchtgeschichte umfasst über 400 Jahre und geht auf das kaiserliche Habsburger-Gestüt Lipica (im heutigen Slowenien) zurück, das im Jahr 1580 gegründet wurde. Dies war der Grundstein für die Entwicklung einer bis heute einzigartigen Rasse, die seit jeher im Typ eines barocken Parade- und Prunkpferdes steht. Bis heute ist die Faszination für die edlen Lipizzaner ungebrochen, zumal sie bei entsprechender Ausbildung und Veranlagung nicht nur für die klassische Hohe Schule, sondern auch als Fahrpferd geeignet sind. Gezüchtet wird die Rasse vornehmlich in Südosteuropa, aber auch in anderen Ländern Europas, in den USA, Südafrika und Australien.

Das Exterieur des Lipizzaners – ausdrucksstarke Schimmel mit edlem Ausdruck

Der Lipizzaner erreicht ein Stockmaß von 153 bis 158 Zentimetern und ist ein sehr edles Pferd mit einem starken Ausdruck und adeliger Haltung. Kennzeichnend sind ein harmonisches Gesamtbild und ein eher rechteckiger Rahmen. Der Kopf präsentiert sich edel und mit einer geraden oder leicht konvexen Nasenlinie, kräftigen Ganaschen, einer fein modellierten Kinnlade und großen, schwarzen Augen. Der Hals zeigt sich typisch für ein Barockpferd mit einem kräftigen und hohen Ansatz, erhobener Haltung und einer gebogenen Oberlinie. Erwünscht sind außerdem muskulöse Schultern, eine tiefe, breite Brust und eine fließend erscheinende Oberlinie mit mittellangem Widerrist. Kräftig präsentiert sich auch der gut geschlossene Rücken und die runde Kruppe, die sich durch einen harmonischen Schweifansatz auszeichnen soll. Mit Blick auf das Fundament sehen die Zuchtbestimmungen relativ kurze und trockene Beine sowie klare Sehnen, starke Gelenke und harte Hufen vor.

Eine Besonderheit der Lipizzaner ist nicht zuletzt die Fellfärbung, bei der vor allem der traditionelle Schimmeleffekt zum Vorschein kommt. Obwohl grundsätzlich alle Farben auftreten können, sind die meisten Pferde dieser Rasse Schimmel (über 90 Prozent). Sie werden mit dunklem Fell geboren und hellen im Laufe der Jahre, meist in einem Alter von etwa sechs bis zehn Jahren, auf, bis sie sich schließlich als Schimmel präsentieren.

Das Interieur der Lipizzaner – ausdauernde, gutmütige und willige Pferde

Rassetypisch für Lipizzaner ist ihre hohe Ausdauer, ihr genügsames Wesen, Temperament und Härte. Im Umgang zeigen sich die kontaktfreudigen und gutmütigen Pferde ebenso gehorsam wie leistungsbereit und willig. Darüber hinaus überzeugen sie mit einem hohen Maß an Gelehrigkeit und Gangfreude. Ergänzt durch die hohe mentale Stärke und die schnelle Auffassungsgabe, imponieren Lipizzaner mit einem durchweg positiven Interieur.

Zuchtgeschichte und Ursprung des Lipizzaners – über 400 Jahre Zuchttradition

Als eine der ältesten europäischen Pferderassen geht der Lipizzaner auf eine über 400-jährige Zuchttradition zurück. Der Ursprung der Rasse lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen und ist eng mit dem Stammgestüt Lipica verbunden, das von Erzherzog Karl II. im Jahr 1580 gegründet wurde. Dieses Hofgestüt liegt im heutigen Slowenien, das damals als Innerösterreich zur Habsburgermonarchie gehörte, und war Standort für eine sich entwickelnde Zucht, bei der die barocke Reitkunst als Ideal in den Mittelpunkt rückte. Unter Hinzunahme von Pferden der Iberischen Halbinsel wurden Lipizzaner als Prunk- und Paradepferde ganz im Sinne der repräsentativen Pferdehaltung und des höfischen Zeremonielles am Wiener Hof gezüchtet. Die kaiserliche Zucht in Lipica basierte vor allem auf Pferden, die aus Spanien und Norditalien stammten, sowie auf selbst gezogenen Karstpferden. Hinzu kamen Araber und Frederiksborger sowie die edlen Andalusier, die bis zum 19. Jahrhundert kontinuierlich zur Veredlung und Blutauffrischung eingekreuzt wurden. Wer an Lipizzaner denkt, dem kommt nicht zuletzt die weltberühmte Spanische Hofreitschule in den Sinn, die seit dem 16. Jahrhundert für die Hohe Schule der klassischen Reitkunst bekannt ist. Hier werden die edlen Pferde bis heute ausgebildet, während die Zucht aufgrund der Schließung des Gestüts Lipica Anfang des 20. Jahrhunderts verlagert wurde. Seit 1920 ist nun Piber in der österreichischen Steiermark das einzige Gestüt, das Lipizzaner für die Ausbildung und Präsentation in der Hofreitschule züchtet.

Die Lipizzaner wurden in den Kriegswirren des 1. und 2. Weltkriegs häufig auf verschiedene Gestüte verteilt, an andere Orte verbracht oder zum Teil zurückgelassen. Auch dies trug dazu bei, dass die Rasse heute in ganz Europa, aber vor allen in den staatlichen Gestüten des ehemaligen Habsburgerreiches in Süd- und Osteuropa gezüchtet wird. Hierzu zählen unter anderem die Gestüte Lipica und Piber, aber auch weitere Gestüte in der Slowakei, in Ungarn, Kroatien, Rumänien und Serbien. Eine systematische Zucht durch Privatzüchter hat sich vornehmlich nach dem 2. Weltkrieg entwickelt, wodurch Zuchtverbände erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts aufkamen. Dennoch gibt es inzwischen in mehreren europäischen Ländern sowie in Südafrika, den USA und in Australien Lipizzanerzucht-Verbände. Diese haben sich im Jahr 1985 mit den bedeutenden Staatsgestüten zum Internationalen Lipizzanerverband (Lipizzan International Federation) vereint.

Die Einsatzmöglichkeiten des Lipizzaners

Lipizzaner kommen vor allem bei der klassischen Dressur zum Zug, denn in diesem Bereich werden sie in der Spanischen Hofreitschule eingesetzt. Durch entsprechende Selektion, Veranlagung und Ausbildung trumpfen sie vor allem bei der Absolvierung der Lektionen der Hohen Schule auf. Nicht zuletzt sind Besucher und Zuschauer immer wieder von ihrer imposanten Erscheinung als Prunk- und Paradepferd fasziniert. Grundsätzlich ist ein Einsatz in der Dressur und im Fahren denkbar, der durch entsprechend unterschiedliche Zuchtziele gefördert wird. Einzelne Lipizzaner konnten bislang mit beachtlichen Erfolgen bei Turnieren und Dressurprüfungen überzeugen, obwohl die hohe Kadenz und ihre Größe im heutigen Dressursport eher nachteilig sind.

Besonderheiten rund um den Lipizzaner

Die spätreifen und lebhaften Lipizzaner zeichnen sich durch eine besonders hohe Langlebigkeit aus, sodass sie auch noch im hohen Alter zum Reiten und zur Zucht geeignet sind. So starb beispielsweise der Hengst Maestoso Mara im serbischen Staatsgestüt Karadordevo erst in einem Alter von 41 Jahren.

Eine Besonderheit ist außerdem die Namensgebung, denn traditionell erhalten Lipizzaner-Hengste zwei Namen. Der erste Name geht auf die väterliche Stammlinie zurück, während mit dem zweiten Namen derjenige der Mutter gewählt wird. Bei der Benennung von Stutfohlen wird hingegen mütterlicherseits auf einen der Namen vorangegangener Generationen zurückgegriffen, wodurch sich bei Stuten typische Namen immer wieder doppeln.

Empfehlenswerte Links mit weiteren Informationen zum Lipizzaner

http://www.lipizzanerzuchtverband.de/

http://www.piber.com/

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