Lusitanos

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Der Lusitano – eine faszinierende portugiesische Pferderasse mit langer Zuchttradition

Der Lusitano ist eine portugiesische Pferderasse, die ausschließlich in Europa, darunter vornehmlich in Portugal, verbreitet ist und ebenso als wendiges, schnelles und mutiges Stierkampfpferd wie als begabtes Dressur- und Freizeitpferd bekannt ist. Als älteste europäische Pferderasse, die schon im Barock an den europäischen Königshäusern für ihre Reitkunst geschätzt wurde, kann der Lusitano auf eine lange und traditionsreiche Zuchtgeschichte zurückblicken, bei der die kulturträchtige Rasse in der Rinderarbeit und für den berittenen Stierkampf eingesetzt wurde.

Heute bewährt sich das Warmblut mit seiner natürlichen Veranlagung für die Lektionen der Hohen Schule als Dressurpferd, darunter im anspruchsvollen Turniersport, aber durch seine Vielseitigkeit, Nervenstärke und Rittigkeit auch als Reit- und Freizeitpferd. Ob für das Springen oder die Vielseitigkeit, als Show- oder Fahrpferd, bei einer entsprechenden Ausbildung ist der Lusitano ein Allround-Pferd für viele reiterliche Zwecke. Wie kaum eine andere Rasse verbinden sich beim Lusitano Anmut und Kraft, Tradition und Moderne, untermalt durch einen einmaligen, edlen Charakter, der sich sowohl durch Gutmütigkeit und Umgänglichkeit als auch durch eine hohe Konzentrationsfähigkeit, Mut und Gelehrigkeit auszeichnet. In Portugal mit langer Tradition gezüchtet, sind es eben diese Eigenschaften als Stierkampf-Pferd, die bis heute das Interieur der Rasse ausmachen – Achtsamkeit und Agilität, Mut und Leistungsbereitschaft.

Das Exterieur des Lusitanos

 

Der Lusitano zeichnet sich hinsichtlich seines Pferdetyps durch ein mittleres Gewicht von rund 500 kg und ein rassetypisches Quadratformat mit mittellangen Körperpartien aus. Er verfügt über eine insgesamt abgerundete und in allen Partien leicht konvexe Erscheinungsform, sowohl beim Kopfprofil als auch der Hals- und Kruppenform sowie der Schweifhaltung. Das Stockmaß soll im Alter von sechs Jahren bei einem Hengst mindestens 160 Zentimeter und bei einer Stute mindestens 155 Zentimeter betragen. Grundsätzlich entspricht der heutige Typ des Lusitanos dem eines schnellen, wendigen und modernen Reitpferdes. Der trockene Kopf zeigt sich mit einem leicht konvexen bis geraden Nasenprofil, großen und eindrucksvollen Augen, einer nur gering ausgeprägten Kieferpartie und feinen, mittellangen und schlanken Ohren. Der sich verjüngende Hals ist gut angesetzt, von mittlerer Länge und ansprechend bemuskelt, passend zum insgesamt kräftigen Körperbau.

Der Lusitano ist ein mittelrahmiges und in einem abgerundeten, quadratförmigen Gebäude stehendes Reitpferd, das mit einer ausgeprägten Lendenpartie und einer kräftigen Kruppe sowie langen, schrägen Schultern und genügend Brusttiefe überzeugt. Ebenso kräftig präsentiert sich auch das Fundament mit trockenen, gut ausgeprägten Gelenken und korrekt gestellten, stabilen Fesseln. Zu den häufigsten Fellfarben zählen beim Lusitano Braune und Schimmel in allen Schattierungen. Darüber hinaus kommen auch Füchse, Rappen und Palominos vor, bei denen es sich um aufgehellte Füchse handelt, die das Cremello-Gen in sich tragen. Nicht zu vergessen sind Falben und Cremellos (Weiß- und Hellisabellen).

Der Lusitano und sein Interieur – eine edle und nervenstarke Pferderasse

 

Der Lusitano ist ein edles und gutmütiges Reit- und Sportpferd, das sich mutig, vielseitig talentiert und gelehrig zeigt. Im Umgang erweist sich die Rasse als ebenso kooperativ und fügsam wie sensibel und mitunter auch feurig. Grundsätzlich ist der Lusitano ein umgängliches, aber auch anspruchsvolles Allroundpferd, das sich durch eine hohe Konzentrations- und Begeisterungsfähigkeit sowie eine ausgeprägte Nervenstärke auszeichnet.

 

Zuchtgeschichte und Ursprung der Pferderasse Lusitano

 

Der Lusitano ist in seinem Ursprung eng mit den Rassen Berber und Andalusier verbunden, die seit 1912 in einem gemeinsamen Zuchtbuch für portugiesische und spanische Pferderassen geführt und 1967 in zwei Zuchtbücher für das „Pura Raza Española“ und Puro Sangue Lusitano getrennt wurden. Neben demselben genetischen Hintergrund hatte sich auch das Zuchtgebiet über Jahrhunderte hinweg überschnitten. Dennoch liegen auch uneinheitliche Merkmale vor, da die beiden Rassen eine unterschiedliche Entwicklung nahmen, die vor allem auf die Einführung des Bodenstierkampfes Anfang des 18. Jahrhunderts in Spanien zurückgeht. Bourbonenkönig Philipp V. verbot den zuvor allgegenwärtigen berittenen Stierkampf, wendete sich damit von dem Reiterkampf ab und sorgte für eine Veränderung der spanischen Pferdezucht. Dies führte dazu, dass sich die im Gebäude veränderten spanischen Pferde fortan zunehmend von den weiterhin auf Stierkampfeignung gezüchteten, portugiesischen Pferden unterschieden. Die Selektion brachte eine weniger raumgreifende und hohe Gangart bei den spanischen Pferden hervor, während der Lusitano weiterhin als Stierkampf-, Nahkampf- und Hirtenpferd mit Nervenstärke und charakterlicher Qualität gezüchtet wurde.

Die Entstehung des modernen Lusitanos, wie wir ihn heute kennen, geht insbesondere auf die Linienzuchten der drei Züchter Ruy d’Andrade, João Núncio und Manuel Tavares zurück, die sich der Zucht dieser kulturträchtigen portugiesischen Pferderasse besonders engagiert widmeten. Heute sind weltweit rund 10.000 reinrassige Lusitanos in das Zuchtbuch eingetragen, das von dem portugiesischen Zuchtverband APSL – Associação Portuguesa de Criadores do Cavalo Puro Sangue Lusitano geführt wird. Die Zucht erfolgt als Reinzucht ohne Zulassung von Veredlerrassen. In Deutschland vertritt die 1992 gegründete Zuchtvereinigung Cavalo Lusitano e. V. das portugiesische Zuchtbuch.

Der Lusitano und seine Einsatzmöglichkeiten als Freizeit-, Reit- und Sportpferd

 

Der Lusitano ist ein vielseitig einsetzbares Sportpferd und überzeugt vor allem mit seiner natürlichen Veranlagung für die Dressur. Seine ausgeprägte Eignung für die Übungen der Hohen Schule macht ihn zu einem idealen Reitpferd, das sich bei entsprechender Ausbildung auch im Dressursport der höchsten Klassen behauptet. Längst hat sich der Lusitano im Sport etabliert und in der Dressur, aber auch im Springen oder im Fahrsport zahlreiche nationale und internationale Platzierungen und Siege erreicht. Durch seinen Mut und unerschütterlichen Arbeitswillen bewährt er sich im sportlichen Wettbewerb als ernstzunehmende Konkurrenz, zumal er Anmut und Kraft mit einem guten Gleichgewicht aus Gelassenheit und Konzentration in Einklang bringt. Dies sind perfekte Voraussetzungen für die sportliche Reiterei, basierend auf einer verantwortungsvollen Ausbildung und Zucht.

Früher in seiner Heimat traditionell für die Rinderarbeit und den berittenen Stierkampf eingesetzt, ist der Lusitano heute auch ein nervenstarker Freizeitpartner. Ob für Show- und Zirkuslektionen, die Vielseitigkeit oder den Spring- und Fahrsport, die portugiesische Pferderasse zeigt sich im Freizeitbereich als echter Allrounder und begeistert Freizeitreiter mit seinen vielseitigen Anlagen. Bei einer guten Ausbildung ist der Lusitano sowohl ein spring- oder dressurbegabtes Reitpferd als auch ein kraftvolles Fahrpferd. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch aufgrund seiner Gelehrigkeit und seinem umgänglichen, sanften Charakter ist der Lusitano inzwischen ein echter Geheimtipp für das Freizeitreiten. Unabhängig von der jeweiligen Disziplin ist der Bewegungsablauf ebenso raumgreifend wie taktrein und zeichnet sich in der Bewegung durch reichlich Elastizität, erhabene, immer vorwärts gerichtete und gewandte Gänge sowie einen hervorragenden Sitzkomfort aus.

 

Besonderheiten der Pferderasse Lusitano – die Working Equitation

 

Der Lusitano ist nicht nur als wendiges, schnelles und mutiges Stierkampfpferd sowie als begabtes Dressur- und Freizeitpferd bekannt, sondern auch weltweit führend in der sogenannten Working Equitation, der Arbeitsreitweise. Diese umfasst vier Teildisziplinen, die einen eigenen, besonderen Beitrag zu der persönlichen Reifung und der reiterlichen Entwicklung von Mensch und Pferd leisten. Zum einen handelt es sich dabei um die Dressur mit Rittigkeitsprüfung, zum anderen um den Trail, bei dem der Umgang mit verschiedenen Hindernissen wie Stangen, Toren oder Brücken trainiert und damit die Nervenstärke, Durchlässigkeit und das Vertrauen des Pferdes überprüft werden. Schnelligkeit und Präzision sind hingegen beim Speedtrail erforderlich, bei dem eine Strecke mit Hindernissen auf Tempo durchritten wird.

Abschließend umfasst die Working Equitation die Rinderarbeit, eine Disziplin im Team, bei der ein Rind aus seiner Herde gelöst und getrieben wird. Hierbei spielen vor allem Mut, Taktik, souveränes Auftreten und Gehorsam eine wesentliche Rolle. Ungeachtet dieser vier Teildisziplinen beinhaltet die Working Equitation nicht zuletzt die Einstellung, gemeinsam als Pferd und Reiter Herausforderungen zu bewältigen, die einem in der Natur oder auf dem Feld bei der Rinderarbeit begegnen können. Die Anforderungen an ein nervenstarkes, zuverlässiges und rittiges Pferd werden durch die Übungen der Working Equitation, die das Team zwischen Pferd und Mensch verbessert, vergleichbar. Alle Prüfungen werden bei fortgeschrittener Erfahrung einhändig geritten. Da sich Lusitanos besonders für diese Disziplin eignen, ist es kaum verwunderlich, das Portugal sowohl die Einzel- als auch Mannschaftsweltmeister stellt.

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