Moritzburger

Beschreibung der Moritzburger Pferde

Moritzburger Pferde sind nach dem sächsischen Landgestüt Moritzburg benannt, das traditionell als zentraler Zuchtstützpunkt fungiert. In Fachkreisen unter der Bezeichnung Sächsisch-Thüringisches Schweres Warmblut geführt, war die bemerkenswerte Rasse über viele Jahre hinweg nahezu vom Aussterben bedroht, ehe die Zucht wieder intensiviert und später unter Federführung des Pferdezuchtverbandes Sachsen-Thüringen e. V. vereinheitlicht wurde.

Trotz rund 1.100 eingetragener Zuchttiere gelten Moritzburger Pferde nach wie vor als bedrohte Rasse, deren Erhaltung in besonderem Maße zu fördern ist, zumal es sich beim Schweren Warmblut um eine der ältesten deutschen Pferderassen handelt. Seit jeher vor allem in Sachsen und Thüringen bedeutend, kann dort auf eine mehr als 130 Jahre lange, erfolgreiche Zuchtgeschichte der Moritzburger Pferde zurückgeblickt werden, deren Ursprung in der bis ins 15. Jahrhundert zurückreichenden Oldenburger Zucht liegt.

Früher meist als Arbeitspferd in der Landwirtschaft eingesetzt, ist der Moritzburger heute ebenso ein beliebtes Kutschpferd für Gespanne im Freizeitbereich wie ein zuverlässiger Partner bei Turnieren, denn aufgrund seiner Zugwilligkeit und erstklassigen Gangmechanik eignet er sich hervorragend für den Fahrsport. Nicht umsonst findet kaum eine Meisterschaft im zwei- oder mehrspännigen Fahren statt, bei der kein Schweres Warmblut vor dem Wagen läuft. Mit seiner ausgeprägten Kondition und Nervenstärke, einem ausgeglichenen Charakter und der von Natur aus hohen Fahreignung sind Moritzburger Pferde die ideale Besetzung für Fahrsport-Erfolge.

Exterieur

Größe

Moritzburger Pferde zeichnen sich durch ein Stockmaß von 157 bis 165 Zentimetern aus und wirken mit einem Gewicht von etwa 550 bis 650 Kilogramm vergleichsweise massig im Erscheinungsbild.

Gebäude

Der Kopf stellt sich äußerst ausdrucksvoll und markant dar, ebenso wie der gut bemuskelte, mittellange Hals. Robust im Körperbau, fallen Moritzburger Pferde insbesondere durch ihre schrägen, langen Schultern, den gut ausgebildeten Widerrist sowie die leicht geneigte Kruppe und die muskulöse Lendenpartie ins Auge. Abgerundet durch einen breiten Rücken, das schwere, tiefe Fundament und feste Hufen präsentieren sich Moritzburger Pferde als kerniger und kräftiger Pferdetyp.

Fell und Färbungen

Hinsichtlich der Fellfarben sind beim Schweren Warmblut vor allem Braune, Dunkelbraune und Rappen vorrangig. Daneben können jedoch auch Füchse und Schimmel vorkommen.

Grundgangarten / Bewegungen / Bewegungsablauf

Moritzburger Pferde beherrschen grundsätzlich die drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp. In besonderem Maße zeichnen sie sich jedoch durch ihr besonderes Trabtalent mit einer vorzüglichen Gangmechanik aus.

Interieur

Mit einer ausgeprägten Ausdauer und hohen Lernfähigkeit haben sich Moritzburger Pferde als sehr zuverlässige und vertrauenswürdige Begleiter bewährt, die durch ihre Gelassenheit eine sehr gute Fahreignung vorweisen. Ruhig und besonnen zeichnen sich Moritzburger Pferde stets durch ihr ausgeglichenes und nervenstarkes Wesen aus. Darüber hinaus verfügen sie über eine hohe Leistungsbereitschaft und ein gutes, harmonisches Temperament, das sie auch für Anfänger zu einem verlässlichen Partner macht.

Zuchtgeschichte des Moritzburger Pferdes

Ursprung

Moritzburger Pferde gehen ursprünglich auf die oldenburgisch-ostfriesische Zuchtrichtung zurück. Die bereits im 15. Jahrhundert erwähnte Oldenburgische Pferdezucht wurde über die Jahrhunderte hinweg von adeligen Herrschern gefördert und brachte bereits früh klassische Kutsch- und Wagenpferde auf beachtlichem Niveau hervor. Mitte des 19. Jahrhunderts gründeten sich sowohl in Oldenburg als auch Ostfriesland Zuchtverbände, die ihre beiden Stutbücher zur Festigung der Reinzucht im Jahr 1923 vereinten.

Durch Exporte von Deckhengsten und Stuten in Nachzuchtgebiete wie Sachsen und Thüringen, aber auch nach Schlesien, Dänemark und in die Niederlande fanden Pferde dieses Typs eine größere Verbreitung. Nicht zuletzt im Zuchtgebiet Sachsen wurde das Ziel ausgegeben, ein gängiges und kräftig gebautes Durchschnittspferd zu züchten, das als Zugpferd vor einem Wagen oder Pflug dienen soll. Neben dem typischen Einsatzbereich in der Landwirtschaft und im Fuhrgewerbe fanden Moritzburger Pferde auch als Trosspferde im Zuge der bespannten Artillerie Verwendung. Einhergehend mit der zunehmenden Mechanisierung der Landwirtschaft und insbesondere der verstärkten Fokussierung des Zuchtziels auf edlere Warmblutrassen für den Reitsport ging der Zuchtbestand der Moritzburger Pferde bis in die 1960er Jahre hinein jedoch kontinuierlich zurück, bis 1973 gar die Schließung des Zuchtbuches angeordnet wurde.

Infolge des vollständigen Erliegens der Zucht in Sachsen und Thüringen wurden in den Folgejahren keine Moritzburger Pferde nachgezogen. Dank des Engagements der damaligen Landstallmeisterin des Gestüts Moritzburgs, Frau Dr. Herta Steiner, sowie weiterer leidenschaftlicher Züchter wurden jedoch einige Hengste und Stuten vor einer Kastrierung verschont, sodass die Zucht im Zuge der verstärkten Nachfrage nach Fahrpferden ab 1977 wieder aufgenommen und auf eine reinblütige Grundlage für einen Neuanfang zurückgegriffen werden konnte. Im Jahr 1990 waren bereits wieder rund 500 Zuchttiere bei den Verbänden registriert.

Zuchtmethodik

Entsprechend der vorrangigen Nutzung für Freizeitzwecke und des Bedarfs nach einem beweglicheren, etwas leichteren Fahrpferd mit Reiteigenschaften besteht das Zuchtziel heute in einem kraftvollen, eleganten Pferd, das eine aktionsbetonte Trabbewegung, Konstitutionshärte und Leichtfuttrigkeit vorweisen soll. Regional konzentriert sich die Zucht der Moritzburger Pferde auf die benachbarten Zuchtgebiete Thüringen und Sachsen, die im Rahmen eines gemeinsamen Zuchtprogramms einschließlich des Austausches von gekörten Hengsten eng miteinander kooperieren und weltweit als Hauptzuchtgebiet der Pferderasse anzusehen sind.

Maßgeblich ist hierfür das bereits seit 1828 bestehende Landgestüt Moritzburg als zentrale Zuchtstation beider Länder, das sich ebenso der Nachzucht wie der Durchführung von Stuten– und Hengstprüfungen widmet. Darüber hinaus hat sich das Landgestüt aber auch zu einem touristischen Anziehungspunkt entwickelt, wie Tausende Besucher bei der jährlich von der Gestütsverwaltung organisierten Hengstparade beweisen. 1924 ins Leben gerufen, ist die Darbietung der Beschäler auf dem großen Hengstparadenplatz vor rund 6.500 Zuschauern ein imposanter Besuchermagnet.

Veredelung

Im Rahmen der Zucht der Moritzburger Pferde hat sich bis heute die Reinzucht bewährt, die den Erhalt der Pferderasse sicherstellt und dementsprechend keine Veredelungen vorsieht.

Zuchtbücher/ Zuchtverbände

Vor dem Hintergrund einheitlich festgelegter Zuchtlinien und -ziele haben sich die beiden zentralen Zuchtgebiete zum Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e. V. zusammen geschlossen. Seit dem 16. April 2005 bestehend, sind derzeit rund 4.000 Mitglieder im Verband organisiert, der sich neben dem Schweren Warmblut der Zucht rund 30 weiterer Rassen widmet. Außerhalb von Sachsen und Thüringen werden Moritzburger Pferde lediglich von wenigen Züchtern in Baden-Württemberg gezüchtet, die sich zur Interessensgemeinschaft Schweres Warmblut zusammengeschlossen haben.

Besondere Vererber

In den Hauptzuchtgebieten Sachsen und Thüringen sind acht Hengstlinien hinsichtlich der Moritzburger Pferde vorrangig, die auf die drei wesentlichen Hauptlinien Norman, Landgraf xx und Condor zurückgehen. Eine besondere Dominanz nehmen dabei bis heute Nachkommen des Vererbers Eros Mo 1222 aus der Norman-Linie ein, die sowohl bei den Stuten als auch Hengsten zahlreich vertreten sind.

Verwendung des Moritzburgers

Aufgrund ihrer hervorragenden Fahreignung werden Moritzburger Pferde im Freizeitbereich vor allem als Kutsch- und Wagenpferd eingesetzt. Je nach Eignung und Ausbildung sind sie zudem häufig bei internationalen Fahrsport-Turnieren anzutreffen. Bereits mehrmals konnten Schwere Warmblüter die Deutschen Meisterschafen der Zwei- oder Mehrspänner für sich entscheiden.

Besonderheiten der Moritzburger Pferde

Als leichtfuttrige Rasse sind Moritzburger Pferde grundsätzlich genügsam. Die Fütterung aus Heu und Getreide sollte daher in einer der Arbeitsbelastung entsprechenden Relation stehen. Vor allem bei einer eher niedrigen Arbeitsbelastung ist auf die richtige Menge zu achten, um eine Verfettung zu vermeiden.

Moritzburger Pferde werden nach wie vor als gefährdete Rasse angesehen und werden von der Zentralen Dokumentationsstelle für Tiergenetische Ressourcen in Deutschland als „Erhaltungspopulation“ eingestuft. Nicht zuletzt aus diesem Grund fließen eigens bereitgestellte Fördergelder zur Erhaltung der Rasse in die Bundesländer Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Empfehlenswerte Links

Wissenswertes rund um Moritzburger Pferde bieten die Webseiten des Pferdezuchtverbandes Sachsen-Thüringen e. V. und der Interessensgemeinschaft Schweres Warmblut in Baden-Württemberg.

Pferde dieser Rasse

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