Noriker

Beschreibung der Noriker Pferde

Das Noriker Pferd ist mittelschwer und kräftig, in seinem Wesen ruhig und ausgeglichen – Es präsentiert sich als rassetypisches Kaltblutpferd, das seit jeher in Österreich beheimatet ist. Der Noriker ist auch unter dem Namen Pinzgauer Pferd bekannt. Ursprünglich hervorgegangen aus den schweren Legionspferden der römischen, zugleich namensgebenden Provinz Norikum, ist die Rasse seit rund 2.000 Jahren im österreichischen Alpen- und bayerischen Voralpenraum vertreten. Hier haben sich die Noriker über Jahrhunderte hinweg zu einem zugfähigen und leistungsbereiten Gebirgspferd entwickelt, das vornehmlich als Arbeitspferd eingesetzt wurde und zunächst unterschiedlichsten Einkreuzungen unterlag. Mit dem Einsatz der Salzburger Erzbischöfe ab dem 16. Jahrhundert und der Gründung eines Zuchtgestüts wurde die Rasse gefestigt, zumal sie seit 1903 in Reinzucht gezüchtet wird. Alle Noriker der insgesamt rund 10.000 Pferde umfassenden Population gehen dabei auf nur fünf Zuchtlinien zurück, die durch die Hengste Vulkan, Nero, Schaunitz, Diamant und Elmar begründet wurden.

Heute sind Noriker Pferde mit ihrem liebenswürdigen Interieur und der hervorragenden Gang- und Fahreignung ein beliebtes Freizeitpferd, das vor allem von ländlichen Reitergruppen für das hobbymäßige Reiten und Fahren eingesetzt wird. Als Teil der alpenländischen Tradition sind sie darüber hinaus häufig als Brauchtumspferde bei Festumzügen zu sehen. Dies ist sicherlich nicht zuletzt ihrem ansprechenden Äußeren geschuldet, denn beim Noriker kommen sämtliche Fellfärbungen vor, darunter auch die besonders charmanten, aber vergleichsweise seltenen Tigerschecken und Mohrenköpfe.

Exterieur

Größe

Noriker Pferde sind mit einem Gewicht von etwa 700 bis 800 Kilogramm als mittelschweres Kaltblut einzustufen, zeichnen sich durch eine tiefe Schwerpunktlage aus und erreichen ein Stockmaß von rund 155 bis maximal 165 Zentimetern. Die entsprechend des Zuchtziels angestrebte Idealgröße liegt bei 158 bis 163 Zentimetern.

Gebäude

Ihr Kopf vom Typ eines adeligen Kaltbluts erscheint rassetypisch trocken und rustikal-elegant mit gutmütigen Augen, während der mittellange, kräftig ausgeprägte und gut bemuskelte Hals in eine schräge Vorhand mit ausreichender Brustbreite übergeht. Kompakt und länglich-rechteckig wirkend zeichnet sich der Körper durch eine tiefe Mittelhand mit einem elastischen Rücken sowie eine merkbar gespaltene und breite Kruppe aus. Abschließend präsentiert sich ein kräftiges Fundament mit gut ausgeprägten Muskeln und Gelenken einschließlich widerstandsfähiger Hufen.

Fell und Färbungen

Charakteristisch ist für Noriker nicht zuletzt die große Vielfalt an Fellfarben. Während Braune, Füchse und Rappen in unterschiedlich ausgeprägten Schattierungen am häufigsten vorkommen, setzen sich ebenso Platt- und Tigerschecken sowie Mohrenköpfe mit ihrer besonders aparten Optik in Szene. Als Besonderheit erweisen sich zudem die äußerst seltenen Weißgeborenen, die aus der Anpaarung von Tigerschecken hervorgehen können.

Grundgangarten / Bewegungen / Bewegungsablauf

Noriker sind in ihrem Bewegungsablauf sehr trittsicher und zeichnen sich in besonderem Maße durch ihre ausgeprägte Wendigkeit, die hohe Taktsicherheit und den gleichmäßigen, schreitenden Schritt aus. Im Trab sitzen Reiter durch die energisch und schwungvoll ausgeführten, aber harmonischen Bewegungen komfortabel im Sattel, zumal der gute Gleichgewichtsinn der Noriker Pferde zusätzliche Sicherheit verleiht.

Interieur

Gutmütig und nervenstark werden Noriker insbesondere für ihr ausgeglichenes, ruhiges Temperament und ihre Zuverlässigkeit geschätzt. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch ihre hohe Leistungsbereitschaft sowie die sichere Geländegängigkeit und uneingeschränkte Arbeitswilligkeit aus.

Zuchtgeschichte des Noriker Pferdes

Ursprung

Die Rasse der Noriker geht in ihrem Ursprung auf die Pferdezucht der römischen Provinz Norikum zurück. Mit dem zunehmenden Vordringen des römischen Heeres über die Alpen fanden die ursprünglich schweren Kriegspferde zunehmende Verbreitung als Gebirgskaltblutpferd, das im Mittelalter vor allem als Zug- und Arbeitspferd für den Warenverkehr zwischen den italienischen Mittelmeer-Häfen und größeren Städten wie Salzburg oder München zum Einsatz kam. Geprägt durch die alpenländische Landschaft und die vorrangigen Klimaverhältnisse entwickelte sich zunehmend ein anpassungsfähiges und robustes Gebirgspferd mit typischem Kaltblutcharakter.

Gefestigt wurde die bis dato lediglich willkürlichen Einkreuzungen unterlegene Rasse durch das Engagement des Erzbistums Salzburg ab dem 16. Jahrhundert, in dessen Rahmen erstmals Körvorschriften erlassen und Beschälstationen gegründet wurden. Mit der Eröffnung eines Stutbuchs und dem Betrieb des erzbischöflichen Salzburger Gestüts Rief seit 1565 konnte die Zucht der Noriker Pferde in geregelte Bahnen gelenkt werden, zumal ebenso englische und belgische wie spanische und neapolitanische Deckhengste zur Veredelung der Noriker Verwendung fanden. Seit 1903 wird die Rasse im Zuge des eröffneten Zuchtbuches ausschließlich in Reinzucht gezüchtet und ist heute mit rund 4.600 eingetragenen Zuchtstuten sowie einer Population von insgesamt etwa 10.000 Norikern in ihrem Hauptzuchtgebiet Österreich, aber zum Teil auch in Bayern vertreten.

Zuchtmethodik & Veredelung

Maßgeblich für die heutige Zucht der Noriker ist die Arbeitsgemeinschaft der Norikerpferdezüchter in Österreich (ARGE). Als gemeinsamer Dachorganisation sind ihr acht Noriker-Landespferdezuchtverbände angeschlossen, wobei bis auf die Hauptstadt Wien alle österreichischen Bundesländer einen eigenen Verband stellen. Den Leitlinien des Ursprungszuchtbuches entsprechend, das aufgrund der Entwicklung der Rasse bis heute vom Landespferdezuchtverband Salzburg geführt wird, verfolgen alle Mitgliedsverbände dasselbe Zuchtprogramm. Grundsätzlich werden die Noriker Pferde in Reinzucht gezüchtet, wodurch die Zuchttiere keinen Fremdbluteinfluss aufweisen dürfen. Dementsprechend müssen in ihrer Ahnenreihe vier ausschließlich aus Norikern bestehende Vorgenerationen aufgeführt sein. Bei den Deckhengsten ist darüber hinaus die nachgewiesene Rückführung auf einen der fünf Hengste Vulkan, Nero, Diamant, Elmar oder Schaunitz unerlässlich.

Zuchtbücher/ Zuchtverbände

Prägend sind bei der Zucht der Noriker bis heute fünf, über Deckhengste gefestigte Blutlinien, darunter zum einen die Vulkan-Linie mit der größten Anzahl an Nachkommen. Zurückgehend auf den 1887 geborenen, braunfarbenen Hengst 13 Vulkan 635, stammt heute etwa die Hälfte aller Noriker aus dieser Hengstlinie. Während bei den Nachfahren des Vererbers Vulkan eher der schwere Wirtschaftstyp dominiert, geht die zweitgrößte Nero-Linie auf den Hengst 554 liz. Nero und den 1933 geborenen Fuchs 1378 Stoissen-Nero V/977 zurück, der mit seinem edleren Ausdruck bis heute das Zuchtziel des favorisierten Kaltblutadels verkörpert.

Da die Nero-Linie die Merkmale des zeitgemäßen Noriker-Typs trägt, konnte sie die Diamant-Linie seit den 1950er Jahren zunehmend verdrängen. Diese ist nach dem Hengst 216 Diamant 496 benannt, einem Urenkel des Linien-Begründers 367 Bravo149, und heute nur noch wenig verbreitet. Als vierte Linie präsentiert sich die Schaunitz-Linie, die sich bis auf den 1888 geborenen Tiroler Hengst Amor zurückverfolgen lässt und nach seinem Sohn 255 Schaunitz bezeichnet wurde. In den 1980er Jahren vorübergehend nur noch mit drei Deckhengsten vertreten, erfreut sich diese Linie der Noriker nicht zuletzt aufgrund des lebhaften Temperaments und ihres hervorragenden Gangvermögens inzwischen wieder größerer Beliebtheit.

Mit ihrem markanten Äußeren überzeugt hingegen die Elmar-Linie, die im Wesentlichen die Fellfärbung Tigerschecke hervorbringt und 1886 durch den Hengst 80 Arnulf 55 begründet wurde. Noriker aus dieser Linie sind mit Blick auf ihren Typ eher quadratisch geformt und von leichterem Kaliber, aber vergleichsweise selten und daher vielfach begehrt.

Verwendung des Norikers

Durch ihre Trittsicherheit und den gutmütigen, ausgeglichenen Charakter sind Noriker ein vertrauenswürdiger und zuverlässiger Partner für die Freizeitreiterei. Hierbei kommen sie ebenso als Sport- und Reitpferd wie als Kutsch- und Wagenpferd für repräsentative Gespanne, unter anderem im Rahmen des bäuerlichen Brauchtums, zum Einsatz. Fanden Noriker Pferde ursprünglich als Arbeits- und Zugpferd Verwendung, so sind sie heute in ihrem Verbreitungsgebiet nahezu ausschließlich als Freizeitpferd für unterschiedliche Zwecke populär. Sei es zum Reiten und Fahren oder als Paradepferd bei Traditionsveranstaltungen und Festumzügen, in den österreichischen Alpen dürfen Noriker nicht fehlen.

Besonderheiten der Noriker Pferde

Noriker gelten grundsätzlich als sehr gesunde und langlebige Pferde. Hinsichtlich der Zuchttauglichkeit wird in besonderem Maße auf den Ausschluss der erblich bedingten Kniegelenksluxation, auch als Aushängen bezeichnet, sowie unter Umständen auftretende Hufanomalien Wert gelegt. Als Mängel gelten beim Noriker darüber hinaus Krankheiten wie das Sommerekzem, Kieferunregelmäßigkeiten, Kehlkopfpfeifen und die Mondblindheit.

Als sehr alte Kaltblutrasse haben Noriker auch die Entwicklung anderer Pferderassen beeinflusst. Aus ihnen hervorgegangen ist das bis heute verbreitete Süddeutsche Kaltblut und der Abtenauer als kleinerer Noriker-Typ, der heute jedoch nicht mehr als eigenständige Rasse vertreten ist.

Pferde dieser Rasse

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