Ostfriese

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Ostfriese

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Der Ostfriese – ein gering verbreitetes Fahrpferd aus Ostfriesland

Der Ostfriese ist eine heute nur noch gering verbreitete deutsche Pferderasse, die aus der niedersächsischen Region Ostfriesland stammt und hinsichtlich seines Typs dem Alt-Oldenburger entspricht. Mit seinem Stockmaß von durchschnittlich 158 bis 168 Zentimetern und seinem mittelschweren Kaliber erweist sich der Ostfriese als vielseitiges Fahrpferd mit Reiteigenschaften. Die meist als Braune, Rappen oder Füchse vorkommenden Pferde weisen ein ausgeglichenes Temperament und raumgreifende Gänge auf. Ursprünglich aus der bäuerlichen Pferdezucht des 19. Jahrhunderts hervorgegangen bewähren sich die Ostfriesen bis heute als Wagen- und Kutschpferd oder als Partner für das Freizeitreiten. Dabei zeigen sie sich nicht nur mit einem robusten, sondern auch durchaus eleganten Gebäude.

Das Exterieur des Ostfriesen – ein kalibriges Pferd im Rechteckformat

Der Ostfriese ist ein ebenso mittelschweres und kalibriges wie ausreichend elegantes Pferd, das große Linien, klare Konturen und eine gute Bemuskelung aufweist. Im Alter von drei Jahren soll sich die Pferderasse durch ein Stockmaß von 158 bis 168 Zentimetern auszeichnen, wobei zu plumpe oder zu edle Typen ebenso nicht erwünscht sind wie verschwommene Konturen oder Pferde, die der favorisierten Größe nicht entsprechen. Der Kopf zeigt sich markant und mit einem starken Ausdruck sowie aufmerksamen, großen Augen, einer ausgeprägten Maulspalte und großen Nüstern. Eine unproportionierte Erscheinung, zu wenig Ausdruck oder Hechtköpfe schließt das Zuchtziel aus. Der hoch angesetzte Hals ist mittellang, stark bemuskelt und verfügt über eine nach oben gewölbte Kammlinie. Er verjüngt sich zum Kopf hin und geht in muskulöse Schultern und eine schräg gelagerte, große und geschwungene Rückenlinie über. Rassetypisch sind für das Ostfriesen Pferd außerdem ein gut ausgebildeter Widerrist, das Rechteckformat, tiefe, geschlossene Flanken sowie eine große Brustbreite und eine harmonische Vor-, Mittel- und Hinterhand. Die Kruppe ist stark bemuskelt und leicht geneigt und der Schweif wird gerade und ansprechend getragen. Ebenso korrekt gebaut soll auch das Fundament sein, das über harte Hufen, ausgeprägte Gelenke und elastische, mittellange Fesseln verfügt. Die Röhrbeine sollen einen Umfang von 22 bis 24 Zentimetern aufweisen. Auffällig ist beim Ostfriesen nicht zuletzt die Fellfärbung, denn vorkommen können sowohl Braune, Rappen und Füchse als auch Schimmel.

Die wichtigsten Merkmale des Exterieurs im Überblick

  • Stockmaß: 158 bis 168 Zentimeter
  • Typ: kalibrig, von mittelschwerem Gewicht und ausreichend elegant
  • Kopf mit großen Augen und starkem Ausdruck
  • Rechteckformat
  • korrektes Fundament, Röhrbeinumfang 22 bis 24 Zentimeter
  • Fellfarben: Rappen, Füchse, Braune und Schimmel

Der Ostfriese und sein Interieur – intelligente und ausgeglichene Pferde

Ausgeglichen im Temperament, intelligent und mit gutem Charakter – der Ostfriese wird als hervorragendes Fahrpferd geschätzt und zeichnet sich darüber hinaus durch nicht zu verachtende Reiteigenschaften auf. Kennzeichnend für das Interieur sind eine hohe Wachsamkeit, Nervenstärke und eine sehr gute Fruchtbarkeit. Im Umgang ist das Ostfriesen Pferd stets freundlich und ruhig. Zu erwähnen sind aber auch die hohe Leistungsfähigkeit und die ausgesprochene Leichtfuttrigkeit. Ausgeschlossen werden durch das Zuchtziel ein ungünstiges Temperament, eine mangelnde Leistungsbereitschaft und ein schlechter Charakter.

Die wichtigsten Merkmale des Interieurs im Überblick

  • ausgeglichen, ruhig und freundlich
  • intelligent und nervenstark
  • hohe Fruchtbarkeit
  • ausgeprägte Leistungsbereitschaft

Zuchtgeschichte und Ursprung des Ostfriesen – von der bäuerlichen Pferdezucht zum Fahrpferd

Die Zuchtgeschichte des Ostfriesen Pferdes geht auf die bäuerliche Pferdezucht in Ostfriesland und im Oldenburger Land zurück, die dort seit jeher einen bedeutenden Bestandteil der Landwirtschaft darstellte. In kaum einer anderen Region in Mitteleuropa gab es eine derart ausgeprägte Pferdezucht wie dort, zumal sich die Wetter- und Bodenverhältnisse als optimal erwiesen. Sie begünstigten die Zucht von Arbeitspferden, die für die landwirtschaftliche und gewerbliche Nutzung vorgesehen waren. So etablierte sich bereits im 18. Jahrhundert eine in privaten Händen liegende Pferdezucht, bei der schon früh Selektionsmaßnahmen und erste Zuchtbücher eingeführt wurden. Staatliche Gestüte gab es zu dieser Zeit noch nicht, auch wenn im Norden Ostfrieslands schon im Jahr 1715 eine für private Hengste geltende Körordnung erlassen wurde. Ab 1755 war diese für alle Teile Ostfrieslands geltend und sollte zu einer strengeren Hengstselektion beitragen. Eine ausgeglichene Pferdezucht konnte aber nicht erzielt werden, da Hengste aus verschiedenen Herkunftsgebieten, darunter auch mit spanischem oder orientalischem Blut, eingesetzt wurden. So stand der Typ eines derben, gedrungenen Wirtschaftspferdes, wie es die Bauern bevorzugten, dem der veredelten Nachzuchten entgegen, die für den Export, das Reiten und für Kutschfahrten gefragt waren. Einheitlicher wurde die Pferdezucht erst im 19. Jahrhundert, unter anderem durch den Einsatz von Landbeschälern aus Celle. Ebenso wurden englische Wagenpferde wie Cleveland-Bay und Yorkshire und Deckhengste aus der französischen Normandie privat importiert, um die Leistungsfähigkeit der Arbeitspferde noch einmal zu verbessern. Das Resultat waren schwere, solide und gutmütige Ostfriesen Pferde, die sich sehr gut für den Zugdienst eigneten.

Noch gefestigter und einheitlicher wurde die Zucht ab Mitte des 19. Jahrhunderts, da das Einführen von fremdem Zuchtmaterial um das Jahr 1880 herum verboten wurde. Stattdessen kamen nun Hengste mit oldenburgischen Blutlinien zum Zug. Zwei unterschiedliche Pferdetypen gab es jedoch nach wie vor: das Arbeitspferd und das größere, leichtere und elegantere Kutschpferd. Dieses erfreute sich immer größerer Beliebtheit und wurde für den Transport von Waren und Personen vor Wagen und Kutschen eingespannt. Der kurzbeinige Ostfriese, der für die Feldarbeit eingesetzt wurde, hatte immer mehr ausgedient. Gefragt waren hingegen ausdauernde und schnelle Transportpferde, wie in England, wo sich bereits das Yorkshire-Coachhorse etabliert hatte. Der zunehmenden Nachfrage nach Wagenpferden konnte hierzulande allerdings nur schwer nachgekommen werden. Daher wurden in Ostfriesland häufig englische Hengste importiert, die im Zuge ihrer Kreuzung mit Stuten aus Hannover und Oldenburg einen wichtigen Beitrag zur Zucht des Ostfriesen leisteten. Dieser züchterische Erfolg und der Import von Anglo-Normannen waren die Basis für das Ostfriesen Pferd, wie es noch heute als eigenständige Pferderasse besteht. Ende des 19. Jahrhunderts war der alte Pferdetyp des gedrungenen Arbeitspferdes in Ostfriesland weitgehend von vielseitigeren und leistungsstarken Pferden verdrängt worden.

Das erste relevante Ostfriesische Zuchtbuch wurde im Jahr 1869 eröffnet und gab erstmals einheitliche Regelungen für die Zucht und konkrete Selektionsmaßnahmen vor. Zuvor war eine Eintragung von Hengsten und Stuten überhaupt nicht vorgenommen worden. Viele private ostfriesische Züchter schlossen sich dem neuen Zuchtverband an. Einige züchteten aber auch weiterhin einfache Wirtschafts- und Arbeitspferde. Diese wurden nicht im Zuchtbuch erfasst, das bis heute besteht und von dem Zuchtverband für das Ostfriesische und Alt-Oldenburger Pferd e.V. betreut wird.

Wissenswertes – die Einsatzmöglichkeiten des Ostfriesen Pferdes

Das Ostfriesen Pferd ist ein typisches Fahrpferd, das mit guten und raumgreifenden Gängen brilliert. Obwohl es meist vor dem Wagen zum Einsatz kommt, kann es auch mit Reiteigenschaften überzeugen, die es zu einem beliebten Freizeitreitpferd machen. Sowohl vor der Kutsche als auch bei Ausritten zeigt sich der Ostfriese zuverlässig und umgänglich.

Empfehlenswerte Links mit weiteren Informationen zum Ostfriesen

http://www.ostfriesen-alt-oldenburger.de/

http://ostfriese.pferderassen.net/

https://www.mellis-pferdewelt.de/ostfriese-pferderasse.html

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