Paso Fino

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Paso Fino

Paso Fino

Beschreibung des Paso Fino

Stolz und edel präsentiert er sich. Zugleich sanft und doch voller Energie. Temperamentvoll und stets kontrollierbar. Trägt üppiges Langhaar zu glänzendem Fell. Anmutig und elegant und dabei enorm kraftvoll. Begegnet einem ein Pferd, auf das dies alles zutrifft, handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um einen Paso Fino. Ein südamerikanisches Gangpferd, dessen größtes Nachzuchtgebiet inzwischen die USA ist.

Exterieur des Paso Fino

Trifft man auf Paso Finos, fällt einem oft gar nicht gleich auf, dass sie mit einem Stockmaß von nur 136 bis 156 cm daherkommen. Die Aufrichtung und die Präsenz der Paso Finos, vor allem, sobald sie geritten werden, lässt diese Pferde sofort größer erscheinen.

Paso Finos verfügen über ein gut proportioniertes Exterieur. Schöne Köpfe mit geradem Profil und ausdrucksvollen Augen, die sowohl Sanftheit als auch Stolz ausstrahlen. Der meist hoch angesetzte, gewölbte, mittellange Hals mündet über einen mäßig ausgeprägten Widerrist im kurzen bis mittellangen, kräftigen und gut bemuskelten Rücken. Sehr typisch für den Paso Fino ist eine starke, leicht abfallende Kruppe und die typische Schweifhaltung mit tiefem Ansatz. Dies führt dazu, dass viele Paso Finos ihren Schweif gerade nach unten gestreckt oder fahnenartig nach hinten ausgestellt tragen. Die Gliedmaße dieser Pferde sind grazil mit trockenem Fundament. Die Winkelung der Hinterhand ist meist stärker ausgeprägt, so dass die Paso Finos sich sehr gut „setzen“ können. In der Bewegung führt diese Winkelung außerdem zu einer großen Flexibilität in den Sprunggelenken, in Fachkreisen als „Hock Action“ bezeichnet.

Trotz seiner eher geringen Größe und dem feinen Körperbau ist der Paso Fino durchaus in der Lage, auch schwerere Reiter zu tragen.

Wer Pferde in ausgefallenen Farben liebt, wird beim Paso Fino auf jeden Fall ebenfalls fündig. Er kommt in allen Farben, auch in „Sonderlackierungen“, daher.

Grundgangarten / Bewegungen / Bewegungsablauf

Auch wenn der Paso Fino im Normalfall über die Gangarten Schritt, Trab und Galopp verfügt, so zeigen die allermeisten Paso Finos von Geburt an ihre natürliche Veranlagung zum Tölt. Je nach Gangveranlagung und Talent der Pferde kann man jede einzelne Gangart unter dem Sattel fördern und reiten. Das Hauptaugenmerk bei Fino-Liebhabern ist jedoch ganz klar ein sauberer Viertakt-Tölt.

Das Bild in der Bewegung ist für viele Betrachter erst einmal ungewohnt: ausgeprägte Hankenaktion (Hock Action), energische und akzentuierte Bewegungen, klare, rhythmische Viertaktfußfolge im Tölt, wobei Vor- und Hinterhandaktion in Höhe und Raumgriff harmonieren sollten. Der Schub soll aus der Hinterhand erfolgen. Da die Bewegungen der Pferde durch den Rücken und die Sprunggelenke weich abgefangen werden, sind die Paso Finos für ihre Reiter im Tölt enorm weich zu sitzen. Eine kaum sichtbare Kruppenbewegung ist ein Indiz für ein bequem zu sitzendes Pferd.

Auffällig ist die zum Teil enorm schnelle und kurze Fußfolge, die nichts, wie oft angenommen, mit Hektik zu tun hat, sondern extreme Veranlagung und Talent darstellt.

Die Gangart Tölt wird bei den Paso Finos in unterschiedliche Versammlungsgrade unterteilt:

  • Classic Fino – mit sehr wenig Raumgriff bei extrem schneller und kurzer Fußfolge und starker Versammlung.
  • Paso Corto – mit moderater Vorwärtsbewegung aber gutem Raumgriff bei mittlerer Versammlung.
  • Paso Largo – mit vergrößerter Schrittlänge und Raumgriff die schnellste der drei Tempi im Tölt.

Die jeweiligen Gangveranlagungen sind den Pferden in die Wiege gelegt und können durch entsprechendes Training gefördert werden. Es ist allerdings nicht möglich, z.B. einem Pferd den Classic Fino anzutrainieren, wenn er nicht das entsprechende Talent dazu mitbringt. Vergleichbar mit einem Pferd, das eine perfekte Piaffe zeigen kann, aber natürlich nicht nur in dieser höchsten Form der Versammlung geritten wird, so kann auch ein Paso Fino im Classic Fino-Typ mit mehr Raumgriff und Tempovarianz geritten werden. Pferde mit der Veranlagung zum Classic Fino sind in Europa sehr selten.

In Europa findet man zum größten Teil den „Country Pleasure“- oder „Pleasure-Typ“. Das sind Pferde, die wunderbare Gefährten im Gelände sind und gleichzeitig auch auf Paso Fino- oder allgemeinen Gangpferde-Turnieren Freude machen und Erfolge erzielen.

Außerdem gibt es noch den „Performance-Typ“: ein Pferd, das eine meist sehr kraftvolle Mechanik in den Gangarten zeigt und mit viel Temperament ausgestattet ist.

Interieur

Paso Finos sind menschenbezogene, sensible und arbeitswillige Pferde. Trotz ihres Temperaments, ihrer Reaktivität und ihres Arbeitseifers sind sie in der Regel gut kontrollierbar und hören ihrem Reiter zu. Das für Paso Finos gerne benutzte spanische Wort „Brio“ fasst all diese Eigenschaften in einem Wort zusammen.

Zuchtgeschichte

Ursprung

Schaut man sich die Pferde an, sieht man sofort den iberischen Einfluss in dieser Rasse. Die Rasse ist aus Pferden entstanden, die Kolumbus in die Neue Welt mitbrachte. Die Weiterzucht hat sich stark nach den Bedürfnissen der jeweiligen Region (Kolumbien, Puerto Rico, Dominikanische Republik) entwickelt. Die Pferde mussten sich den entsprechenden Gegebenheiten anpassen. Als Arbeits-, Transport- und Reisetiere wurden sie eingesetzt. Gerade für letzteres war genau die spezielle und bequeme Gangart Tölt eine Eigenschaft, die in der Zucht sehr gut erhalten wurde. Außerdem verhalfen ihnen z.B. in den Bergen Kolumbiens und im oft schwer zugänglichen Gelände die kleinen Schritte zu mehr Trittsicherheit.

Aber sie waren auch als edle und repräsentative Statussymbole beliebt und so wurden sie für diverse Anlässe herausgeputzt. Bis heute hat sich die Ausrüstung der Paso Finos traditionell aus den südamerikanischen Ländern gehalten und man sieht sie oft mit einer Mischung aus Arbeits- und Showzäumen ausgestattet.

Heute wird weniger in die Arbeitsrichtung der Paso Finos gezüchtet, als mehr in den Turnier- und Freizeitbereich.

Zuchtmethodik & Veredelungen

Die Paso Finos werden reinrassig, je nach Vorliebe mit den alten Linien aus Puerto Rico oder Kolumbien gezüchtet. USA ist das größte Nachzuchtgebiet und hat damit auch die größte Paso Fino Population aufzuweisen. Auch in Europa erfreut sich die Rasse immer größerer Beliebtheit und es kommen jedes Jahr ca. 30 Fohlen auf die Welt. Trotz der wachsenden Anzahl an Paso Finos in Europa ist es züchterisch immer noch wichtig, hin und wieder Pferde zu importieren, um den „Gen-Pool“ zu erweitern. Während in Kolumbien und USA die Vermehrung durch die künstliche Besamung üblich ist, werden die Stuten hier meist im natürlichen Sprung gedeckt.

Zuchtbücher / Zuchtverbände

Alle in Deutschland zur Zucht eingesetzten Paso Finos, für deren Nachkommen Papiere ausgestellt werden, müssen bei einem der deutschen Landeszuchtverbände eingetragen bzw. gekört und im Falle eines Deckhengstes auch leistungsgeprüft sein. Zusätzlich zu den einzelnen Landeszuchtverbänden besteht die Möglichkeit, Paso Finos aus allen Bundesländern über den Bayerischen Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen eintragen zu lassen. Außerdem ist auch die Registrierung von Paso Finos bei der Paso Fino Horse Association, Inc. (PFHA) in den USA möglich. Sowohl in Deutschland als auch in den USA sind die Zuchtbücher geschlossen, d.h. es werden nur Paso Finos registriert, deren Eltern ebenfalls reinrassige und registrierte Paso Finos sind.

Besondere Vererber

Genannt werden sollte hier sicher ein Teil der „Foundation Hengste“ der Paso Fino Horse Association (PFHA) in den USA: Resorte IV, Plebeyo, Bochica und Capuchino, der auch als „Horse of the Millenium“ bezeichnet wird. Die PFHA gibt jedes Jahr eine Liste mit den Top Ten Vererbern heraus, die auf den Turniererfolgen der jeweiligen Nachkommen basiert. Darin kann man auch die einzelnen Blutlinien, die sich über Jahrzente schon halten und bewährt haben, herauslesen. Auch die meisten Pferde hier in Europa gehen auf diese alten Blutlinien zurück.

Verwendung

In erster Linie: Spaß haben! Paso Finos werden ziemlich vielseitig eingesetzt. Ihr weicher Tölt und auch die handliche Größe machen sie zu überaus beliebten Freizeitpartnern. Paso Fino Freunde treffen sich immer wieder zu organisierten gemeinsamen Ausritten (sogenannte Cabalgatas) und zu Wander- oder Orientierungsritten.

Selbst die „Show-Typen“ unter den Paso Finos werden im Gelände geritten. Allerdings steht in den meisten Fällen ihre Spezialgangart Tölt im Vordergrund. Dressurmäßiges Reiten und kleinere Sprünge sind auch mit einem Paso Fino machbar, aber für den „großen Sport“ in diesen Disziplinen sind sie eher weniger geeignet, da sie von Haus aus nicht auf Schwung und Raumgriff in den Gängen oder auf Sprungveranlagung gezüchtet sind.

Hin und wieder nehmen Paso Finos auch an Distanzritten teil.

Für die Paso Finos finden jedes Jahr zwei bis drei Turniere statt, die entweder von der Paso Fino Association Europe e.V. (PFAE), deren Mitgliedern oder auch von anderen Paso Fino Vereinen, z.B. in der Schweiz, organisiert werden. Das Hauptaugenmerk bei diesen Turnieren liegt dabei auf dem speziellen Gang. Allerdings bietet die Prüfungsordnung der PFAE e.V. eine schöne Auswahl an Turnierprüfungen, die auch die Vielseitigkeit der Pferde demonstrieren.

Daneben starten die Paso Finos auf gemischten Gangpferdeturnieren, wie sie z.B. von der Internationalen Gangpferde Vereinigung (IGV) angeboten werden.

Besonderheiten

Wie oben schon beschrieben, sind Paso Finos edle und stolze Pferde, die viel Anmut und gleichzeitig Kraft ausstrahlen. Ihr sanftes Wesen, die Sensibilität und ihre Arbeitsbereitschaft machen sie zu besonderen Partnern. Und natürlich ist ihre Art, sich zu bewegen, sehr speziell. Die schnelle Fußfolge, das kraftvolle Auffußen, ihre enorme Versammlungsmöglichkeit, die Tempovarianzen im Tölt sowie das kaum vergleichbar komfortable Reitgefühl sind nur ein paar Dinge, die diese Pferde so besonders machen.

Einen Paso Fino sollte man sich nicht nur anschauen, sondern auch „erfühlen“. Auf der Internetseite der PFAE findet man Paso Fino Besitzer und Züchter, die auch Proberitte anbieten.

Empfehlenswerte Links

Internetseite der Paso Fino Association Europe e.V. (PFAE):

www.pfae.org

Hier findet man alles Wissenswerte rund um den Paso Fino

Pferde dieser Rasse