Rottaler

Der Rottaler – das edle und kräftige Warmblut aus dem niederbayerischen Rottal

Beim Rottaler Pferd handelt es sich um ein ebenso kräftiges wie edles Warmblut, das aus dem niederbayerischen Rottal stammt. Die schon früh gezüchtete Pferderasse geht in ihrem Ursprung bis in das 10. Jahrhundert zurück, ist heute aber sehr gering verbreitet und ihrem Bestand gefährdet. Sie eine der seltensten europäischen Pferderassen überhaupt und gilt als vom Aussterben bedroht. Dennoch besteht eine geringe Population, deren Erhaltungszucht sich vor allem auf das Heimatgebiet rund um Rottal in Niederbayern konzentriert und die Entwicklung eines vielseitig einsetzbaren Sportpferdes vorsieht.

Die Zuchtbemühungen beruhen auf der ursprünglichen Mutterlinie, ausgehend von dem 1994 neu aufgelegten Stutbuch. Anerkannt werden alle Abstammungen, die bis 1963 in ein Zuchtbuch eines bayerischen Regionalverbands eingetragen wurden. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Rottaler die vorherrschende Rasse der Region, verlor dann aber als Wirtschaftspferd an Bedeutung und ging zum größten Teil im Bayerischen Warmblut auf. Bis heute hat sich der Bestand nicht zufriedenstellend erholt – bedauerlich, da der Rottaler beim Blick auf das Rassenportrait voll überzeugt und sich als robustes und umgängliches Pferd für alle Reit-, Zug- und Fahrzwecke erweist. Die Rasse zeigt ebenso einen einwandfreien Charakter wie Leistungsbereitschaft und ein ansprechendes Exterieur mit durchaus edlem Ausdruck und harmonischem Gebäude.

Das Exterieur des Rottalers

Der Rottaler steht im Typ eines kräftigen, mittelgroß gebauten und edlen Warmbluts und zeichnet sich durch einen harmonischen Körperbau sowie ein Stockmaß von etwa 160 bis 165 Zentimetern aus. Der Kopf präsentiert sich sehr edel, ausdrucksvoll, breit und gefällig und geht in einen breit angesetzten Hals über, der im Genick ausreichend leicht erscheint. Kennzeichnend sind für das Gebäude außerdem eine tiefe und breite Brust mit einem idealen Umfang von 200 Zentimetern sowie eine gut bemuskelte und harmonische Kruppe. Das Fundament soll sich trocken, korrekt gebaut und kräftig mit gut ausgeprägten Gelenken und starken Knochen zeigen. Erwünscht ist ein Röhrbeinumfang von 20 Zentimetern. Hinsichtlich der Fellfarbe sollen möglichst gedeckte Farben und nur wenig Kopf- oder Beinabzeichen vorkommen. Meist sind Rottaler, wie beispielsweise auch das Saddlebred, Braune oder Rappen, während der Schecke oder Pferde mit anderen auffälligen Abzeichen nicht dem favorisierten Zuchtziel entsprechen.

Das Interieur

Der Rottaler weist ein hervorragendes Temperament auf und überzeugt mit einer guten Gesundheit, Langlebigkeit und Fruchtbarkeit. Er wird vor allem für seine hohe Leistungsfähigkeit geschätzt und zeigt sich robust und stark. Züchter legen besonderen Wert auf einen gutmütigen und ausgeglichenen Charakter. Zu diesem Zweck werden Gelassenheitstests durchgeführt.

Die Zuchtgeschichte des Rottalers

Die Pferderasse Rottaler stammt in ihrem Ursprung aus dem niederbayerischen Rottal und geht bis in das 9. Jahrhundert zurück. Neben der ostfriesischen Zucht ist der Rottaler die nachweislich älteste historisch belegte Pferdezucht Deutschlands. Im gleichnamigen Rottal wurden schon früh Pferde und Kleinpferde auf Basis von ungarischen Beutepferden mit dem Blut vom Araber gezüchtet. Neben einer Vielzahl an unterschiedlichen Pferdetypen dienten insbesondere diese Pferde mit arabischer Blutführung, einhergehend mit unterschiedlichen Einkreuzungen, als Grundlage für die Zucht des Rottalers. Wurden zuvor alle rund um Rottal gezüchteten Pferde als Rottaler bezeichnet, so bekam die Rassebezeichnung hierdurch zum ersten Mal eine konkrete Bedeutung, auch wenn der eigentliche Rassebegriff erst Ende des 19. Jahrhunderts erwähnt wurde. Im 16. Jahrhundert sollte die Landrasse veredelt werden.

Zu diesem Zweck ließ Herzog Albrecht IV. im Jahr 1558 wertvolle Deckhengste auf Klosterhöfe verteilen. Die schnellen und ausdauernden Pferde kamen später als Militärpferd der Artillerie zum Einsatz und wurden zugleich als Reitpferde geschätzt. Daneben züchteten auch die Bauern weiterhin ihre eigenen Rottaler für ihre Zwecke als Arbeitspferd. So war die Rasse bis in die 1950er Jahre hinein die wichtigste Warmblutpopulation Bayerns. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es jedoch mehr und mehr zu einer Veränderung der bayerischen Pferdezucht, weg vom Wirtschaftspferd hin zu einem reinen Sportpferd. Dies bedeutete beinahe das Ende der Population. Viele Sportpferde tragen allerdings noch heute Blutanteile des Rottalers in sich, da die Zucht gegen Ende des 20. Jahrhunderts zum Großteil im Bayerischen Warmblut aufging. Einige Pferde blieben jedoch erhalten. Dadurch konnte im Jahr 1994 eine Neuauflage des Zuchtbuchs mit 22 Tieren erfolgen, um die Rasse zu erhalten und ausgehend von der ursprünglichen Mutterlinie einen vielseitig einsetzbaren und formschönen Rottaler zu züchten. Seither hat sich die Population allmählich erholt und steigt sogar zum Teil an, zumal das Bundesland Bayern eine staatliche Förderung der Zucht eingeführt hat. Dennoch ist der Rottaler in seinem Bestand gefährdet und gilt als vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse sowie als seltenste Pferderasse in Europa.

Die heutige Zucht des Rottalers bezweckt die Erhaltung der originalen Mutterlinie, beruhend auf dem Rottaler Stutbuch, das erstmals im Jahr 1907 eröffnet und 1994 erneuert wurde. Damit ist die Zucht eine Erhaltungszucht. In das Stutbuch, das von dem Regionalverband Niederbayern-Oberpfalz betreut wird, können alle Pferde eingetragen werden, deren Abstammungen denen bis 1963 eingetragenen Abstammungen entsprechen.

Wissenswertes rund um den Rottaler

Einsatzmöglichkeiten

Aufgrund seines charakterlich einwandfreien und umgänglichen Wesens eignet sich der Rottaler für alle Reit-, Zug- und Fahrzwecke. Ob als Reitpferd für die Dressur, als Familien– und Freizeitpferd oder für das Fahren, die Rasse ist vielseitig einsetzbar. So können Rottaler auch als Springpferde oder Westernpferde sowie zum Voltigieren oder im Bereich der Therapie mit Pferden Verwendung finden. In den Reitdisziplinen präsentieren sie sich mit raumgreifenden und schwungvollen Gängen. Als Freizeitpferd machen sie aufgrund ihrer freundlichen Art so manchem Kleinpferd und Pony, wie dem Falabella oder dem beliebten Shetlandpony, Konkurrenz.

 

Gefährdung des Bestands

Der Rottaler ist trotz intensiver Zuchtbemühungen nach wie vor, anders als weit verbreitete deutsche Pferderassen wie der Oldenburger oder Trakehner, vom Aussterben bedroht. Daher wird er auf der roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen geführt. Im Jahr 2000 wurde die Rasse sogar als „Gefährdete Nutztierrasse des Jahres“ deklariert. Der gefährdete Bestand wird vor allem beim Blick auf die Populationsanzahl deutlich. So gab es im Jahr 2011 insgesamt 27 Tiere, davon neun Deckengste und 18 Stuten.

 

Weitere Bezeichnungen

Da dem Rottaler in früheren Zeiten eine wichtige Bedeutung als Kutschpferd zukam, wird er bis heute auch als Rottaler Kutschpferd bezeichnet.

 

Förderkreis und Freunde des Rottaler Pferdes

Zur Unterstützung der Erhaltungszucht und Koordinierung gemeinsamer Aktionen und Schauprogramme haben sich rund 50 Mitglieder aus ganz Deutschland zum Förderkreis des Rottaler Pferdes zusammengeschlossen. Der Mittelpunkt der Aktivitäten liegt entsprechend des Heimatgebietes der Rasse in Niederbayern, aber auch über die Region hinaus gibt es einige engagierte Züchter. Der Rottaler wird unter anderem auf Schauen und auf Veranstaltungen wie der Münchener „Pferd International“ oder der „Grünen Woche“ in Berlin präsentiert.

Empfehlenswerte Links

http://www.bayerns-pferde.de/warmblut/rottaler/zuchtprogramm-zuchtbuchordnung

http://www.g-e-h.de/geh/jupgrade/rassebeschreibungen/45-pferde/126-rottaler-pferd

Pferde dieser Rasse

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