Schleswiger Pferde

Beschreibung der Schleswiger Pferde

Nur wenig verbreitet, aber dafür umso imponierender – Schleswiger Pferde sind eine in Norddeutschland beheimatete Kaltblutrasse mittelschweren Typs, die vorrangig in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet Schleswig-Holstein sowie teilweise in Niedersachsen gezüchtet wird. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch die Einkreuzung von Jütländern hervorgegangen, gehen Schleswiger Pferde maßgeblich auf einen einzigen Deckhengst zurück, der durch seine Nachkommen bis heute die Zuchtlinien bestimmt. Bis in die 1950er und 60er Jahre hinein wurden sie vielfach als Arbeits- und Zugpferd im landwirtschaftlichen Bereich eingesetzt.

Heute gelten Schleswiger Pferde hingegen als bedrohte Rasse, für deren Erhalt sich insbesondere der Verein Schleswiger Pferdezüchter e. V. in Zusammenarbeit mit dem Zuchtbuch-führenden Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg e. V. einsetzt. Dies ist nicht zuletzt im Sinne der vielen Hobbyreiter und Kaltblut-Fans, die den Schleswiger als ruhiges und ausgeglichenes Freizeitpferd schätzen, denn mit einer hohen Zugwilligkeit und ausgeprägten Lernbereitschaft ist die Rasse ideal als Kutsch- und Wagenpferd sowie für repräsentative Gespanne geeignet. Hierbei imponieren Schleswiger Pferde vor allem mit ihrem markanten Äußeren, das sich ebenso durch die typische Fellfärbung als Fuchs wie durch das üppige, gewellte und stets etwas zottelig wirkende Langhaar auszeichnet. Charmant in ihrem Auftreten nehmen sie Pferdeliebhaber jeden Alters schnell für sich ein, zumal sie mit ihren gutmütigen, lebhaften Augen und einer freundlichen Ausstrahlung nicht nur bei Kindern für Begeisterung sorgen.

Exterieur der Schleswiger Pferde

Größe

Schleswiger Pferde erreichen ein Stockmaß von 154 bis 162 Zentimetern und können mit einem Gewicht von etwa 800 Kilogramm als mittelschweres Kaltblut eingeordnet werden. Mit einer Größe von um die 156 Zentimetern sind die Stuten in der Regel geringfügig kleiner als die circa 1,58 Meter großen Hengste.

Gebäude

Der kurze und trockene Kopf zeichnet sich insbesondere durch seine breite Stirn, die kleinen Augen und sein geradförmiges bis ramsig wirkendes Profil aus, während sich der Hals gut aufgesetzt, aber kurz und kompakt darstellt. Als rundrippiges Kaltblut mittleren Rahmens präsentiert sich der Körper der Schleswiger Pferde mit einem kräftigen und kurzen Rücken, einem tonnenförmigen Rumpf sowie mit einer gut bemuskelten Kruppe in leicht abfallender Formgebung. Starke Gelenke, Beine von guter Länge und eine große, runde Hufe in Kombination zu leicht behangenen, steilen Fesseln machen das Fundament aus. Charakteristisch für Schleswiger Pferde sind zudem die etwas zeheneng gestellten Vorderbeine sowie ein etwas überbaut wirkender Körper.

Fell und Färbungen

Mit Blick auf die Fellfärbung zeigen sich Schleswiger Pferde vor allem als Fuchsfarbene mit hellem, dichtem und meist leicht gewelltem Langhaar. Oftmals fällt bei den Hell- und Dunkelfüchsen auch eine Äpfelung ergänzt durch weißgelblichen Behang ins Auge. Nur selten treten hingegen Braune, Schimmel oder Rappen zutage.

Grundgangarten / Bewegungen / Bewegungsablauf

Beim Schleswiger ist eine fleißige Ausführung von Schritt und Trab erwünscht. Hinsichtlich des Bewegungsablaufes sind insbesondere die raumgreifenden, energischen und taktmäßigen Schritt- und Trabbewegungen bemerkenswert, die erhaben und mit klarem Abfußen sowie beim Trab mit deutlicher Schwebephase erfolgen sollen.

Interieur

Leistungsfähig und umgänglich – typisch für Schleswiger Pferde ist ihr hohes Maß an Genügsamkeit und Ausdauer, verbunden mit ihrem ruhigen und freundlichen Wesen. Ob bei Kutschfahrten oder Reitübungen, das Kaltblut erweist sich stets als nervenstarker, ausgeglichener und intelligenter Partner. Bedingt durch die körperliche Statur und natürliche Veranlagung überzeugen Schleswiger Pferde zudem mit einer ausgeprägten Zugleistung, Arbeitswilligkeit und Wendigkeit.

Zuchtgeschichte der Schleswiger Pferde

Ursprung

Die Entwicklung der Schleswiger Pferde als eigenständige Rasse geht maßgeblich auf das Jahr 1888 zurück, in dem die Zucht von Kalt- und Warmblut in Schleswig-Holstein erstmals durch den damaligen Zuchtverband separiert wurde. Im Zuge der drei Jahre später vollzogenen Vereinigung der Kaltblutzuchtvereine zum Verband der Schleswiger Pferdezuchtvereine erfolgte die Einführung des in einem Oval eingefassten Brandzeichens „VSP“, das noch heute auf den Oberschenkeln der Schleswiger Pferde eingebrannt wird und somit die Herkunft kennzeichnet. Um ein Kaltblut vom Typ Schleswig zu züchten, konzentrierten sich die Bemühungen zunächst auf die Einkreuzung von Oldenburgern, Suffolks sowie von aus Holstein stammenden Hengsten.

Schnell stellte sich jedoch heraus, dass der favorisierte Pferdetyp ausblieb, sodass neue Wege der Veredelung gefunden werden mussten. Fortan wurden Jütländer Deckhengste importiert, die allesamt auf einen einzigen Hengst zurückgehen, den 1862 nach Dänemark exportierten Oppenheim, bei dem es sich um einen Suffolk oder Shire handelte. Bis heute bestimmt dieser Deckhengst die Zuchtlinien, denn seit 1930 sind nahezu alle Schleswiger Pferde Nachfahren des Oppenheim-Sohnes Munkedal.

Bis in die 1940er Jahre wurde die Zucht intensiviert und fand mit rund 450 eingetragenen Deckhengsten und 25.000 Stuten im Jahr 1949 ihren bisherigen Höhepunkt. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Maschineneinsatzes im Bereich der Landwirtschaft trat jedoch, wie typisch für alle deutschen Kaltblutrassen, ein Nachfragerückgang ein, der zu einer deutlichen Zurückdrängung der einst so weit verbreiteten Schleswiger Pferde führte. Als 1976 nur noch 5 Hengste und 35 Stuten im Zuchtbuch eingetragen waren, löste sich schließlich auch der Zuchtverband auf. Seither wird die Betreuung durch das Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg sichergestellt.

Zuchtmethodik & Veredelung

In der langen Zuchtgeschichte der Schleswiger Pferde waren immer wieder verschiedene Rassen an der Weiterentwicklung des Pferdetyps beteiligt, so etwa die englische Kaltblutrasse Suffolk Punch. Aber auch die französischen Kaltblüter Bretone und Boulonnais wurden vorübergehend zur Verbesserung der Zucht verwendet. Letzterer übt dabei in jüngster Zeit zusammen mit dem Jütländischen Kaltblut sowie dem Süddeutschen Kaltblut einen deutlichen Einfluss auf die Zuchtbemühungen aus, da ausschließlich diese drei Rassen zum Erhalt der genetischen Vielfalt und zur rassetypischen Verbesserung in begrenztem Maße eingesetzt werden dürfen. Allerdings muss es sich dabei zwingend um entsprechend leistungsgeprüfte Deckhengste handeln. Darüber hinaus ist das Zuchtbuch der Schleswiger Pferde geschlossen und es wird grundsätzlich die Zuchtmethode der Reinzucht angewendet.

Zuchtbücher/ Zuchtverbände

Zur Erhaltung und Pflege der Rasse wurde 1991 mit dem Verein Schleswiger Pferdezüchter e. V. ein neuer Verband gegründet, der heute etwa 250 Mitglieder umfasst und eng mit dem Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg e. V. kooperiert. Gemeinsame Körungen und Leistungsprüfungen, Stuten-Vorstellungen und die Organisation des Brennens sind nur einige Aktivitäten, die das gemeinsame Bemühen um den Erhalt der Schleswiger Pferde dokumentieren. Heute sind etwa 30 eingetragene Deckhengste und 250 Zuchtstuten zu verzeichnen.

Verwendung der Schleswiger Pferde

Wurden sie früher im Wesentlichen als Arbeits- und Zugpferd für holz- und landwirtschaftliche Zwecke eingesetzt, so sind Schleswiger Pferde heute vor allem im Freizeitbereich anzutreffen. Hierbei kommen sie gerne als Planwagen- und Hobbypferd zum Einsatz, unter anderem für Kutschfahrten, aber auch für Wanderritte in freier Natur. Vielfach sind sie zudem als Teil von repräsentativen Gespannen bei Festumzügen oder als Brauereipferd für werbewirksame Reklamegespanne gefragt.

Besonderheiten der Schleswiger Pferde

Schleswiger Pferde sind wie rassetypisch vorgesehen futterdankbar und unkompliziert im täglichen Umgang.

Im Hinblick auf Erbkrankheiten treten allenfalls Anfälligkeiten für Hautveränderungen wie Mauke und Raspe an der Hufe oder Sommerekzeme auf, die durch entsprechende Zuchtbestrebungen möglichst ausgeschlossen werden sollen. Dementsprechend wird besonderen Wert auf eine gute Hufgesundheit gelegt.

Trotz der Bemühungen zum Erhalt der Schleswiger Pferde seitens des Vereins Schleswiger Pferdezüchter gilt die Rasse nach wie vor als bedroht. Daher ist sie auf der Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) verzeichnet und wurde bereits zweimal zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres“ deklariert.

Empfehlenswerte Links

Wer Näheres über die einzigartige und vergleichsweise selten gewordene Rasse der Schleswiger Pferde in Erfahrung bringen möchte, dem bieten sich unter anderem auf der Webseite des Vereins Schleswiger Pferdezüchter e. V. detaillierte Informationen. Wissenswertes speziell zum Zuchtprogramm findet sich auch auf der Webseite des Pferdestammbuchs Schleswig-Holstein/Hamburg e. V.

Pferde dieser Rasse

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