Schweres Warmblut

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Schweres Warmblut

Schweres Warmblut

Schweres Warmblut – das Fahrpferd aus Sachsen und Thüringen

Das Schwere Warmblut wird mit vollständigem Namen auch als Sächsisch-Thüringisches Schweres Warmblut bezeichnet und gehört zu den ältesten Pferderassen Deutschlands. Das aus Sachsen und Thüringen stammende Fahrpferd ist nach wie vor hauptsächlich in seinen beiden Hauptzuchtgebieten verbreitet und geht ursprünglich auf ostfriesisch-oldenburgische, schwere Warmblüter zurück. Nachdem die Zucht in den 1970er Jahren zum Erliegen gekommen und die Rasse fast komplett ausgestorben war, hat sich der Bestand inzwischen wieder erholt. Heute ist das Schwere Warmblut ein immer häufiger eingesetztes Wagen- und Kutschpferd für den Freizeitbereich, aber auch ein Sportpferd, das im Gespann bei internationalen Turnieren mithalten kann. Geschätzt werden die Pferde mit einem Stockmaß von mindestens 158 Zentimetern nicht zuletzt für ihren positiven Charakter, ihre Ausgeglichenheit und Umgänglichkeit. Aber auch das Exterieur kann überzeugen, denn das Schwere Warmblut zeichnet sich durch Harmonie und kraftvolle Eleganz aus und überzeugt ebenso mit aktionsbetonter Trabbewegung wie mit Konstitutionshärte und Langlebigkeit.

Fakten zum Schweren Warmblut

• Ursprung: Sachsen und Thüringen
• Haupteinsatzgebiet: Fahrpferd
• Fellfarben: hauptsächlich Braune und Rappen
• Stockmaß: ab 158 Zentimetern
• Verbreitung: gering, hauptsächlich Ursprungszuchtgebiete

Das Exterieur des Schweren Warmbluts – Pferde mit harmonischem Körperbau

Das Schwere Warmblut präsentiert sich als mittelrahmiges Pferd mit einem Stockmaß ab 158 Zentimetern und entspricht dem Erscheinungsbild eines eleganten, großlinigen, harmonischen und kalibrigen Fahrpferdes. Das Zuchtziel sieht einen für Freizeit- und Sportzwecke geeigneten Körperbau vor, der sich durch einen ausdrucksvollen und markanten Kopf mit freundlichen und großen Augen auszeichnet. Die bemuskelte und gut aufgesetzte, mittellange Halsung geht in eine lange und markante Schulter über. Der Widerrist ist deutlich markiert und verfügt über eine ausreichende Sattellage. Typisch sind außerdem der elastische, ausreichend lange und gut bemuskelte Rücken, die ausgeprägte Flanken- und Brusttiefe sowie die Rippenwölbung und die leicht geneigte und kräftig bemuskelte Kruppe. Die Aufteilung von Vor-, Hinter- und Mittelhand zeigt sich sehr harmonisch. Nicht zuletzt ist ein zum Körperbau passendes, starkes und trockenes Fundament erwünscht, das über breite, korrekte Gelenke, feste und wohlgeformte Hufen sowie eine gerade Gliedmaßenstellung verfügt. Von der Seite gesehen soll das Vorderbein gerade gestellt sein und das Hinterbein mit rund 150 Grad gewinkelt stehen. Unerwünscht ist ein für die vorgesehene Nutzung eingeschränkter und unharmonischer Körperbau, der unter anderem deutliche Mängel bei Kopf und Hals, einen zu schwachen Rücken, eine zu kurze Kruppe oder ein schwammiges Fundament aufweist. Ein Schweres Warmblut, das als Zuchtpferd eingesetzt wird, soll sich darüber hinaus durch einen deutlichen Geschlechtsausdruck auszeichnen. Hinsichtlich der Fellfarbe treten vor allem Braune und Rappen auf. Füchse und Schimmel können vorkommen; die Fuchsfarbe ist aber meist nicht erwünscht.

Die wichtigsten Merkmale des Exterieurs im Überblick

• Stockmaß ab 158 Zentimetern
• Fahrpferd mit harmonischem Körperbau
• ausdrucksvoller Kopf
• Fellfarben: hauptsächlich Braune und Rappen

Das Schwere Warmblut und sein Interieur – umgängliche und einsatzfreudige Pferde

Ein Schweres Warmblut erweist sich als unkompliziertes Pferd mit hervorragenden Charaktereigenschaften, gutem Verhalten und ausgeprägter Leistungsbereitschaft. Rassetypisch sind die hohe Einsatzfreude und Umgänglichkeit sowie das ausgeglichene Temperament. Erwünscht ist ein Pferd, das sich durch eine sehr gute Fahreignung und Rittigkeit auszeichnet. Es soll willig an den Hilfen stehen, gelassen mit dem Reiter oder Fahrer zusammenarbeiten sowie Takt und Losgelassenheit mit natürlichem Gleichgewicht zeigen. Auch beim schweren Zug zeigt sich das Schwere Warmblut mit Leistungsbereitschaft und Zugwilligkeit.

Zuchtgeschichte und Ursprung des Schweren Warmbluts

Das Schwere Warmblut gehört zu den ältesten deutschen Pferderassen und wird in Sachsen und Thüringen seit mehr als 130 Jahren gezüchtet. Im Jahr 1873 wurde das Zuchtziel festgelegt, das Schwere Warmblut als stämmiges, kurzbeiniges und gängiges Durchschnittspferd für den Dienst vor dem Pflug und im Wagen zu züchten. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden bis in die 1960er Jahre hinein immer wieder Zuchtpferde aus den damaligen Hauptzuchtgebieten Ostfriesland und Oldenburg importiert. Der Bestand der Pferderasse ging jedoch aufgrund der Industrialisierung der Landwirtschaft stetig zurück, sodass 1973 die Schließung des Zuchtbuchs angeordnet wurde. Nur wenige Jahre später erholte sich die Nachfrage, sodass eine Reaktivierung der Rasse angestrebt wurde. Hierzu kamen einige Hengste zum Einsatz, die im staatlichen Hengstdepot Moritzburg unter Leitung von Frau Dr. Steiner gehalten wurden. Passionierte Züchter hatten außerdem rund 200 Stuten in ihrem Besitz gehalten, sodass auch diese eine reinblütige Basis für das Wiederaufleben der Zucht darstellten. Fortan stand die Nutzung des Schweren Warmbluts für Freizeitzwecke im Vordergrund und auch im Gespann waren die sehr schweren Typen inzwischen eher weniger gefragt. Daher wurde das Zuchtziel angepasst. Es war zwar nach wie vor auf ein Fahrpferd ausgerichtet; dieses sollte aber mit entsprechenden Bewegungseigenschaften auch für andere Zwecke nutzbar sein.

Im Jahr 1990 setzte sich der Zuchtbestand wieder aus etwa 500 Pferden zusammen, zumal der Fahrsport zu dieser Zeit boomte und sich die Population sehr ausgeglichen zeigte. Die Nachfrage stieg, da sich ein Schweres Warmblut mit einem angenehmen Charakter zeigt und außerdem eine gewisse Exklusivität dieser Pferde bestand. In den ehemaligen Hauptzuchtgebieten Ostfriesland und Oldenburg war die Rasse durch den Umzüchtungsprozess beinahe komplett ausgestorben. Auch in Bayern und Baden-Württemberg standen keine rein gezogenen Zuchthengste dieses Typs mehr zur Verfügung. In den Niederlanden und in Dänemark gab es zwar noch größere Bestände. Hier hatte sich das Schwere Warmblut aber deutlich von seinem eigentlichen Typ entfernt. Lediglich in Südpolen, dem ehemaligen schlesischen Zuchtgebiet, existierte noch eine reine Zuchtpopulation, die dem Typ des früheren Acker- und Arbeitspferdes ähnelte. So kam es in den 1980er und 1900er Jahren zu einem Austausch von einigen Hengsten mit Ksiaz in Polen. Zugleich konnten sich die sächsischen und thüringischen Züchter sicher sein, eine einzigartige Pferderasse auf einem durch die Wiedervereinigung inzwischen größer gewordenen Pferdemarkt anbieten zu können. Die Schweren Warmblüter waren als Freizeitreitpartner beliebt und dienten häufig auch der Auffrischung der zuvor genannten Populationen in anderen Zuchtgebieten. So konnte im Jahr 2004 ein Zuchttierbestand von 1.100 Schweren Warmblütern verzeichnet werden – ein solides Fundament und eine positive Ausgangsbasis für die Zukunft, auch wenn die Pferderasse nach wie vor als gefährdet gilt.

Wissenswertes rund um das Schwere Warmblut

Einsatzmöglichkeiten

Das Schwere Warmblut ist vor allem als Fahrpferd im Turniersport sowie als Wagen- und Kutschpferd im Freizeitbereich geeignet. Darüber hinaus wird es vielfach für Repräsentationszwecke oder als Reitpferd verwendet. Mit ihrem guten Temperament bietet sich die Rasse nicht zuletzt für das therapeutische Reiten, den Schulsport oder das Voltigieren an. Auf den Turnierplätzen weltweit stellen Schwere Warmblüter immer wieder ihre hervorragende sportliche Eignung unter Beweis. In den letzten Jahren konnten bei fast allen Championaten Medaillen und hervorragende Platzierungen erreicht werden. Im Jahr 2004 waren die Zweispänner bei den Deutschen Meisterschaften, die den ersten, zweiten und vierten Platz erzielten, allesamt mit Schweren Warmblütern bestückt. Um diesen Erfolgen Rechnung zu tragen und auch den Nachwuchspferden die gebührende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wird seit 2002 ein Bundeschampionat in Moritzburg veranstaltet.

Die Zuchtmethode

Bei der Zuchtmethode des Schweren Warmbluts handelt es sich um die Reinzucht. Das Zuchtbuch ist geschlossen. Um die genetische Vielfalt zu erhalten und die Rassemerkmale zu verbessern, können allerdings Hengste anderer schwerer Warmblutrassen sowie Englische Vollbluthengste zur Veredelung eingesetzt werden. Mehr als fünf Prozent der eingetragenen Stuten dürfen pro Jahr aber nicht mit Englischen Vollblütern gekreuzt werden.

Empfehlenswerte Links mit weiteren Informationen zum Schweren Warmblut

https://www.pferde-sachsen-thueringen.de/verband/rassen/schweres-warmblut/
http://www.pzv-bw.de/uploads/media/BIII04-Saechsisch-Thueringisches-Schweres-Warmblut.pdf
http://www.schweres-warmblut-bw.de/index.php

 Sachsen und Thüringen
 hauptsächlich Braune und Rappen
 ab 158 Zentimetern
 Fahrpferd

Pferde dieser Rasse