Žemaitukai

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Žemaitukai

Žemaitukai

Der Žemaitukai – die traditionelle Ponyrasse Litauens

Der Žemaitukai ist eine nordosteuropäische Ponyrasse, die auch als Zhmud oder Zhemaichu bezeichnet wird. Ursprünglich stammt die Rasse aus Litauen. Bis heute ist sie fast hauptsächlich in ihrem Heimatland verbreitet. Ursprünglich wurden die kleinen, sehr robusten Pferde als Arbeitsponys für die Landwirtschaft gezüchtet. Heute kommen aber immer mehr für den Pferdesport und im Tourismus zum Einsatz. War der Žemaitukai früher ein unentbehrlicher Helfer in landwirtschaftlichen Betrieben. So findet er heute auch im Zuge des Freizeitreitens Verwendung. Dennoch liegen die Haupteinsatzgebiete weiterhin in der Landwirtschaft und in der Zucht.

Exterieur

Der Žemaitukai erreicht ein Stockmaß von 128 bis 142 Zentimetern. Die Fellfarbe ist meist braun. Daneben kommen jedoch auch Graufalben, Grauschimmel, Graubraune und Rappen vor. Der hübsch erscheinende Kopf der litauischen Pferde ist meist mittelgroß und zeichnet sich durch ein gerades Profil und eine breite Stirn aus. Kennzeichnend sind ein dichter Schopf, kleine Ohren, kluge und weitauseinander liegende Augen, sowie ein eher kurzer Hals mit dichtem, üppigem Langhaar. Der lang geformte Rumpf fällt durch seine ausgeprägte Rippenwölbung ins Auge. Erwünscht sind außerdem eine tiefe, breite Brust, ein flacher Widerrist, eine kräftige und steile Schulter, ausreichend Gurtentiefe und ein muskulöser Rücken. Das Fundament weist trockene, sehr harte Gliedmaßen und feste Hufen, aber auch oftmals mangelhafte Sprunggelenke, auf.

Interieur

Der Žemaitukai ist ein genügsames, zähes und ruhiges Pferd. Es überzeugt mit Anspruchslosigkeit, einer hohen Ausdauer, Robustheit und Willigkeit. Darüber hinaus zeichnet sich die Pferderasse durch eine hohe Lebenserwartung aus, die meist rund 30 Jahre beträgt.

Zuchtgeschichte des Žemaitukais

Die Rasse Žemaitukai geht in ihrem Ursprung vermutlich bis ins 6. Jahrhundert zurück. Da sich bereits aus dieser Zeit Hinweise auf die Ponys als traditionelle litauische Pferderasse finden. Anzunehmen ist, dass der Žemaitukai als kleines, robustes Pferd direkt vom Tarpan abstammt. Weitere Hinweise auf diese Rasse stammen aus dem 17. Jahrhundert. Hier verweisen Chroniken der Kreuzritter aus dieser Zeit auf ausdauernde, kleine Pferde in Litauen. Diese wurden von den Žemaiten gehalten. In einer Schrift aus dem Jahr 1615 werden diese „Pferde der Žemaiten“, die als Landwirtschafts- und Reitpferd geschätzt wurden, als robust und klein bezeichnet. Die Zucht erfolgte zunächst in mehreren privaten Gestüten. 1922 wurde ein erstes staatliches Gestüt in Plungė gegründet. Dieses legte seinen Schwerpunkt auf die Zucht von Žemaitukai.

Der durch die Kriegswirren stark dezimierte Bestand wurde 1948 in dem landwirtschaftlichen Großbetrieb Biržuvėnai gebracht. In den folgenden Jahrzehnten war die Rasse bedroht, da sich der Pferdebestand in Litauen unter sowjetischer Herrschaft deutlich reduzierte und der private Pferdebesitz unter Stalin verboten war. Im Jahr 1959 erfolgte die Verlegung der Zucht in das staatliche Gestüt in Vilnius. Die Herde wurde allerdings im Rahmen der Privatisierung nach 1990 auseinandergerissen und setzte sich 1994 nur noch aus 30 Pferden zusammen, die fortan in Baisogala am Institut für Viehzucht für die Weiterzucht Verwendung fanden. Erst mit der zunehmenden Privatisierung der Pferdezucht in den 1990er-Jahren erholte sich der Pferdebestand nachhaltig.

Nach dem Beitritt Litauens zur Europäischen Union im Jahr 2004 gewann die Rasse an Popularität. Da der Žemaitukai in ein europäisches Dorfentwicklungs-Förderprogramm aufgenommen wurde und seither unter internationalem Schutz steht. Dies führte zum Wachstum des Bestands, der heute etwa 500 Tiere umfasst.

Besonderheiten der Pferderasse Žemaitukai

Der Žemaitukai hat einen beachtlichen Einfluss auf die Geschichte Litauens als Pferdeland genommen. Viele Kriege der vergangenen Jahrhunderte wären ohne den Einsatz von Pferden, darunter auch ohne die kleinen, robusten Ponys, nicht denkbar gewesen. Ebenso hat der Žemaitukai als Arbeitspferd eine lange Tradition und wird heute oftmals für touristische Zwecke verwendet. Der Reittourismus gewinnt in Litauen zunehmend an Bedeutung, da eine immer größer werdende Zahl an Reitbetrieben und Höfen reittouristische Programme wie Reiterferien oder Wanderritte anbieten. Vor allem in den Regionalparks gibt es verschiedene Angebote rund um das Pferd. Darunter auch rund um den Žemaitukai. Angefangen bei Kutschfahrten, Mehrtagesritten und Reitunterricht bis zum Museumsbesuch im beliebten Pferdemuseum in Niuronys.

Empfehlenswerte Links

http://www.bte-tourismus.de/files/BTE-Reitnewsletter_17.pdf

Pferde dieser Rasse