Foto: Klara Freitag

Erster Schritt: Wie Du eine Reitbeteiligung suchst

1. Ziele formulieren

Es ist ein bisschen so wie bei einer Job-Beschreibung: Werde Dir klar, was Du willst. Was kann Dein Pferd, was brauchst Du? Einmal die Woche Unterstützung, zwei Mal? Jemand, der wirklich mit dem Pferd arbeitet oder jemand, der ausreitet? Welcher Kenntnisstand ist notwendig? Mach Dir einen Zettel mit Wünschen. Tipp: Mache Reitunterricht bei Deinem Trainer oder Dir selbst, je nach Kenntnisstand, zur Bedingung. Damit ihr in die gleiche Richtung arbeitet und denkt.

2. Darüber reden

Erzähle Deinem Trainer und Deinen Stallfreundinnen von deiner Suche nach einer Reitbeteiligung. Schalte gleichzeitig eine Anzeige und sei klar darin! Hier kannst Du schon formulieren, was für Dich No-Gos sind und welche Wünsche Du hast. Themen wie Reitstil, Hilfszügel, Haltungsform des Pferdes, Ausbildungsstand und Stallatmosphäre und Regeln können hier schon Thema sein, das sortiert die Anfragen schon mal.

3. Was eine Reitbeteiligung kosten darf

Was Reitbeteiligungen kosten, hat etwas mit dem Ausbildungsstand und der Qualität des Pferdes zu tun, mit der Qualität der Reitanlage, der Anzahl der Reittage und dem regionalen Umfeld. Eine Faustformel besagt: Monatliche Stallmiete geteilt durch 30 Tage, dann mit den Reittagen multiplizieren. Hat man das Glück, eine hervorragende Reiterin zu bekommen , die auch als Bereiterin durchgehen könnte, zahlt sie üblicherweise nichts. Andersherum funktioniert das aber genauso: Hat man einen M-Dressurkracher, der als Lehrpferd für die Reitbeteiligung her hält, darf der auch mehr Geld kosten im Monat.

4. Telefonieren

Jemand hat Interesse? Klopfe am Telefon erst mal die wichtigsten Punkte ab: Reiterfahrung? Wo reitet derjenige jetzt? Gab es schon zuvor Reitbeteiligungen? Was lief da gut, was nicht so? Kann derjenige so oft, wie es Dir vorschwebt? Kann er den Weg zum Stall im Alltag bewältigen? Kann er auch schon mal einspringen? Aber: Vergraule die ersten Interessenten nicht! (Nach dem Motto: Keiner ist mir gut genug!)

Zweiter Schritt: Das erste Treffen mit der Reitbeteiligung

1. Das erste Date

Du hast am Telefon schon viele Bedingungen geklärt – jetzt geht’s einerseits ums Menschliche und andererseits um die Reitfähigkeiten. Stimmt die Chemie zwischen Euch? Hat die Person einen Draht zu Deinem Pferd? Sicherlich wird diejenige aufgeregt sein. Schließlich muss sie hier vorreiten, in einem fremden Stall, ein fremdes Pferd, unter den Argusaugen des Besitzers! Daher: Mach es ihr leicht. Macht das Pferd gemeinsam fertig, quatscht miteinander, um zu sehen, ob Ihr eine Wellenlänge haben könntet. Reite erst mal selbst Dein Pferd, und dann lass die Bewerberin reiten.

2. Klartext reden

Ihr seid Euch einig und wollt es miteinander probieren? Sehr gut! Aber: Moment, noch ein paar wichtige Details müssen geklärt werden! Besprich alle heiklen Punkte bevor Ihr beginnt: Was ist, wenn das Pferd mal ausfällt? Üblicherweise zahlt die Reitbeteiligung weiter, Ausnahme: Die Krankheit zieht sich über mehrere Wochen oder gar Monate. Geh nicht von Selbstverständlichkeiten aus. Kann sein, dass es für Dich normal ist, das Sattelzeug jede Woche zu säubern und zu fetten. Wenn Du möchtest, dass Deine Reitbeteiligung das auch macht, musst Du das sagen! Das gilt ebenso für Kleinigkeiten wie das Gebiss nach dem Abwaschen abtrocknen, oder dem Abbürsten von Dreck am Sattelgurt.

Dritter Schritt: Wie Du mit Deiner Reitbeteiligung zufrieden bleibst

1. Teilen können

Reitbeteiligungen können eine tolle Sache sein – aber egal wie gut die Reitbeteiligung ist, Du wirst merken, dass Du nicht mehr alleine Dein Pferd arbeitest. Du wirst Sachen anders im Spind hingelegt finden, Du wirst spüren, dass Dein Pferd sich etwas anders anfühlt, wenn jemand anders im Sattel war. Überwiegen für Dich dennoch die Vorteile? Kannst Du damit leben?

2. Verträge und Versicherungen für die Reitbeteiligung

Kläre mit Deiner Versicherung, ob Deine Reitbeteiligung versichert ist. Achtung, das wird häufig übersehen: Falls Du ihr selbst Unterricht geben möchtest, brauchst Du eine Reitlehrerhaftpflichtversicherung – auch wenn kein Geld fließt. Die günstigsten Anbieter kosten zwischen 100 und 200 Euro im Jahr. Um Eure Zuständigkeiten zu klären: Suche Dir Musterverträge zwischen Reitbeteiligungen und Pferdebesitzer heraus. Darin enthalten sein kann zum Beispiel, ob und wie lange die Reitbeteiligung monatlich weiter zahlt, wenn das Pferd krank ist.

3. Einarbeiten

Nehmt Euch anfangs Zeit für gemeinsame Treffen beim Pferd. Achte auf das Handling: Wo steht der Mensch, wie wird das Pferd geführt, wie aus der Box oder von der Weide geholt? Wenn die Reitbeteiligung frisch aus dem Schulbetrieb kommt, und noch nie eigenverantwortlich ein Pferd versorgt hat, braucht man für diesen Teil Zeit. Erst, wenn Du Dich immer mehr zurückziehen kannst („Mach’ das Pferd doch schon mal fertig, wir treffen uns in der Halle“), und schließlich einfach etwas anderes in der Reitzeit Deiner Reitbeteiligung machen kannst, lässt Du diese Treffen ausschleichen.

4. Das Mc Donalds Prinzip

Sei genau in Deinen Angaben. Sage nicht: „Reite bitte länger Schritt!“ oder, nach einer Krankheit: „Im Moment nur leichte Bewegung!“ Denn, glaub’ mir: Auch wenn Ihr Euch schon lange kennt, auch wenn Deine Reitbeteiligung super arbeitet – solche Angaben sind zu vage. Je nach Erfahrungshorizont kommt dabei etwas ganz anderes heraus, als Du gedacht hast. Deshalb: Kommuniziere mit Zahlen. So, wie es bei Mac Donalds eine genaue Zahl gibt, wie viele Minuten jeder Burger von jeder Seite gebraten werden soll. Sage zum Beispiel statt: „Er war ja krank, wir fangen jetzt langsam wieder an“ ganz genau, was Du möchtest. Zum Beispiel:   „Wir fangen erst langsam wieder an, bitte bewege ihn so: 15 Minuten Schritt, 3 Minuten Trab, 10 Minuten Schritt, 3 Minuten Trab, 10 Minuten Schritt“.

5. Vertrauen

Damit es eine glückliche Beziehung auf beiden Seiten wird, ist nach all diesen Einarbeitungs- und Kontrollsachen eins wichtig: Mit gutem Gefühl loslassen können. Ermögliche Deiner Reitbeteiligung, dass sie eine eigene Beziehung zum Pferd aufbaut – die nichts mit Dir zu tun hat. Kannst Du es aushalten, wenn Dein Pferd sie sichtlich mag?  Das ist nämlich der beste Fall, der eintreten kann! Freue Dich darauf!

6. Glück schenken

Wer so eine hervorragende Reitbeteiligung gefunden hat, die sich engagiert, die das Pferd mag, der sollte sie pflegen. Das können kleine Gesten sein, ein häufigeres Danke, eine Extra-Reitstunde oder die Möglichkeit, aufs Turnier zu gehen oder einen Kurs zu besuchen.

Jeannette Aretz

Ich arbeite als Fachjournalistin für Pferde. Ich freue mich über jeden Ausbilder, der über den Tellerrand guckt, in die Pferde hereinhorcht und sich selbst hinterfragt. Beruflich bin ich ständig auf der Suche nach solchen. Neben Fachartikeln für Publikationen und Online-Magazine schreibe ich auf meinem Blog www.alifewithhorses.de über die Szene und mein persönliches Leben mit Pferden.

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