Wenn man an Mannschaftssport denkt, hat man direkt die klassischen Mannschaftssportarten wie Fussball oder Handball im Kopf. An den Reitsport denkt man dabei erst einmal nicht – Reiter sind Einzelkämpfer, die ihr eigenes Ding durchziehen und mit ihrem Pferd ein Team bilden, aber nicht mit anderen Reitern. Aber warum eigentlich nicht?

Gerade erst fanden die olympischen Spiele in Rio statt und täglich haben Tausende von Zuschauern mitverfolgt und mitgefiebert, wie die Mannschaften der deutschen Reiter um das begehrte Edelmetall kämpfen. Und dabei hat sich wieder einmal bestätigt: Reiten funktioniert auch im Team!

Mannschaftswettbewerbe gibt es doch nur im großen Sport, oder?

Mannschaftswettbewerbe im Reitsport kannte man lange Zeit überwiegend von Meisterschaften auf Landes- und Bundesebene. Oder von Olympia, Weltmeisterschaften und Co. bei denen die Topreiter der Nation um Medaillen ritten. Auf dem Turnier um die Ecke hingegen gab häufig keine oder nur sehr wenige Mannschaftswettbewerbe. Reiten war ein Sport, bei dem man mit seinem Partner Pferd allein antrat. In den letzten Jahren hat sich jedoch auch im Amateurbereich ordentlich was getan: Die Anzahl an Prüfungen, die für Mannschaften ausgeschrieben werden, ist deutlich in die Höhe gestiegen. Besonders beliebt sind Mannschaftsspringen auf E- und A-Niveau sowie Wettkämpfe für Reitabteilungen. Neben den Landesmeisterschaften werden auch Kreismeisterschaften für Mannschaften verschiedener Reitvereine ausgetragen. Auch auf größeren und internationalen Turnieren gibt es Mannschaftswettkämpfe ab L-Niveau bis in die hohen Klassen, die sich etabliert haben und sich über großen Andrang freuen.

Das Interesse an Mannschaftswettbewerben ist enorm – sowohl auf der Zuschauer- als auch auf der Teilnehmerseite! War man vor einigen Jahren noch froh, wenn man genügend Mannschaften für die Austragung der Prüfung zusammen bekam, steigen die Zahlen inzwischen deutlich und es ergeben sich häufig gut gefüllte Starterfelder. Auch für die Zuschauer sind Mannschaftsprüfungen aufregend, besonders in Springprüfungen wird hemmungslos angefeuert, gejubelt und mitgefiebert. In den letzten Jahren haben sich Teamwettbewerbe als Publikumsmagnete herauskristallisiert, so dass sie sich inzwischen in vielen Turnierausschreibungen finden lassen.

Reiten ist für mich ein Mannschaftssport

Als Team zu starten ist viel aufregender

Das Reiten in einer Mannschaftskonstellation macht unheimlich viel Spaß und unterscheidet sich deutlich von einer “normalen” Prüfung, die man für sich allein reitet. Als Teil einer Mannschaft an den Start zu gehen ist aufregender und kostet deutlich mehr Nerven als eine eigenständige Turnierteilnahme. Man reitet nicht mehr für sich allein, sondern für das Team – man möchte erst recht alles richtig machen. Gleichzeitig sind Mannschaftswettbewerbe unheimlich mitreißend, man fiebert mit den anderen Teammitgliedern mit, hält die Luft an und atmet erst wieder aus, wenn der Ritt beendet ist. Es stärkt das Wir-Gefühl, fördert den Teamgeist und macht, unabhängig von Erfolgen, einfach unglaublich viel Spaß.

Als Teil einer Mannschaft an den Start gehen zu dürfen, ist für viele Reiter Ehre und Verantwortung zugleich und man ist bereit, alles für “sein” Team zu geben – egal ob im Sattel oder bei Planungen und Vorbereitungen. Und auch, wenn man nicht selbst reitet, sondern als Turnierbegleiter oder Zuschauer mitfiebert, machen Mannschaftswettbewerbe einfach gute Laune. Die Freude über einen guten Ritt vervielfacht sich, denn man freut sich nicht allein, sondern mit allen Mitgliedern gemeinsam. Ebenso verhält es sich bei einem Ergebnis, mit dem man nicht so zufrieden ist, denn es stehen direkt die Teamkollegen neben einem und bauen einen wieder auf. Sowohl als Teilnehmer als auch als Zuschauer ist das ein tolles Erlebnis!

Das Wichtigste ist das Wir-Gefühl

Allerdings muss auch gesagt sein: Eine Mannschaft lebt vom Zusammenhalt der Mitglieder. Ein Team kann toll zusammenwachsen und gemeinsam viel Spaß haben.Das ist ganz unabhängig davon, ob man eine Prüfung gewinnt oder das Schlusslicht bildet. In einer funktionierenden Mannschaft zählt nicht das Ergebnis des Einzelnen und auch nicht, wer das Streichergebnis war. Das nächste Mal werden die Karten neu gemischt. Es sollte egal sein, wer der Schnellste war, wer die höchste Wertnote erhalten hat, oder wer die meisten Fehler verursacht hat. Denn das gemeinsame Erleben der Prüfung steht im Vordergrund. Natürlich möchte man für seine Mannschaft das Beste geben und im Idealfall auch gewinnen. Doch in erster Linie zählt in einer Mannschaftsprüfung der Spaß und der “Wir”-Faktor. Wenn nicht alle Mannschaftsmitglieder so denken, kann es jedoch schnell zu Stress und Streitsituationen kommen.

Wenn man sich schlecht fühlen muss, weil es mal nicht so lief, die anderen Mitglieder mit verbissenem Ehrgeiz dabei sind oder man sich für Fehler entschuldigen muss, geht der Spaß am gemeinsamen Wettbewerb schnell verloren. Dabei wird dann sogar innerhalb der Mannschaft nicht mehr miteinander, sondern eher gegeneinander geritten. Es zählt nicht das Gesamtergebnis, sondern die individuelle Bestleistung. In einem solchen Fall kann das Reiten im Team schnell zur Belastung werden: Man fühlt sich gestresst und unter Druck gesetzt und das eigentliche Ziel des Teamgedanken geht unter. Oftmals geht der Spaß dann soweit verloren, dass die Teilnahme an Mannschaftsprüfungen von einigen Reitern gänzlich abgelehnt wird. Zu stressig, zu heikel, zu nervenaufreibend.

Die Teamfindung richtig angehen

Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Reiten in einer Mannschaft ist die Teamfindung. “Wir brauchen noch unbedingt einen Reiter, sonst kriegen wir die zweite Mannschaft nicht zusammen”.  Wenn die Mannschaftsfindung schon so losgeht, kann das Ganze nur nach hinten losgehen. So sind jedenfalls meine Erfahrungen. Ein Team, dass auf Druck und “irgendwie” auf Biegen und Brechen zusammengewürfelt wurde, wird niemals so harmonisch funktionieren wie eine Mannschaft, die sich zwanglos und freiwillig zusammenfindet.

Es ist schön zu sehen, dass der Mannschaftsgedanke auch im (Amateur-)Reitsport angekommen und fest verankert ist. Reiter können auf diese Weise Freude, Spaß und Teamgeist in den Sport hineinbringen. Denn von Neid, Missgunst und kritischen Blicken haben wir bereits genug!

Wie sind eure Erfahrungen mit Mannschaftsprüfungen im Reitsport?

Ann-Christin Villnow

Ann-Christin Villnow

Die Liebe zum Schreiben mit dem Reitsport vereinen - geht das? Klar! Schaut auf meinem Blog vorbei und verfolgt den gemeinsamen Weg von meinem Pferd Wunschkind und mir!
Ann-Christin Villnow