Hurra, Sommer! Ach ne, doch nicht…

Sobald die Sonne länger als 10 Minuten am Himmel steht, keine Regenwolke in Sicht ist und man die Gummistiefel samt Regenschirm getrost zuhause lassen kann, schreit die Bevölkerung auf:

„Hurra, der Sommer ist da!“

Meine Freunde, Familie, Bekannten und scheinbar auch alle anderen Menschen verfallen in Freudensprünge und Jubelschreie und pilgern Tag für Tag Richtung Strand, Richtung Grill oder Richtung Terasse. 30 Grad und Sonnenschein lösen pure Euphorie, ja fast schon Ekstase in meinem persönlichen Umfeld aus. Es kann kaum warm genug, kaum sonnig genug sein. Bei der Betrachtung vom Wetterbericht wird glücklich in die Hände geklatscht, wenn Deutschland auf der Wetterkarte knallrot dargestellt wird. Sommer, das ominöse Wort, bei dem andere Menschen freudig quietschen und sich das ganze Jahr über darauf freuen – und ich panisch die Flucht ergreife.

Ich persönlich bin absolut kein Sommerkind. Ich mag Frühling – den ECHTEN Frühling mit leichtem Sonnenschein, einer angenehmen Brise und erwachendem Grün, nicht den norddeutschen, saukalten, verhagelten Frühling. Alles über 22 Grad ist für mich nah an Folter und Sonne ohne meine Sonnencreme kaum auszuhalten. Wer mich wirklich, wirklich nicht ausstehen kann, sollte mir einen Flug nach Australien sponsorn – unter dem dortigen Ozonloch würde ich vermutlich schon nach wenigen Minuten an Verbrennungen maximalen Grades eingehen. Ohne meine geliebte Tube Sunblocker mit Lichtschutzfaktor 50+ traue ich mich im Sommer selten aus dem Haus – und selbst damit habe ich mir schon wunderschöne Sonnenbrände eingefangen. Nein, ich bin schon von Natur aus kein Freund der Sonne – und als Reiter noch viel weniger!

Warum Reiter im Sommer besonders viel Spaß haben? Das erkläre ich euch gern:

  1. Reiten ist ein schöner Sommer-Sport, besonders wegen der langen Reithose und der dunklen Lederstiefel.
  2. Reiter sind bekannt für ihre gleichmäßige, schön anzusehende Bräune – an den Armen.
  3. Der Haar-Trend „Wet Look“ bekommt beim Reiten im Sommer eine ganz neue Bedeutung, denn unter der Reitkappe bekommt man diese Frisur viel besser hin als im Badezimmer.
  4.  Nass geschwitztes Pferd riecht fast so gut wie nass geregneter Hund.
  5. Das sommerliche Surren der Fliegenschwärme, Bremsen, Mücken und anderer Stechviecher ist herrlich beruhigend.
  6. Die staubarme Luft eines sonnentrockenen Reitplatzes ist das Beste für die Reiterlunge!
  7. Die von der Sonne schonend aufgeheizte Luft einer staubigen Reithalle ist sogar noch besser!
  8. Eau de Fliegenspray schlägt den Geruch von nass geschwitztem Pferd noch um Längen.
  9. Kaum etwas ist schöner als ein sich scheuerndes Pferd am nackten Oberarm. Außer vielleicht ein aufgetrenstes, sich scheuerndes Pferd am nackten Oberarm!
  10. Turniere machen im Sommer viel mehr Spaß, da man sich endlich der beinahe-olypmischen Disziplin Wassereimer-Langlauf-Schleppen widmen kann.
  11. Sattelkammern befinden sich vor allem zur Sommerzeit in einem besonders aufgeräumten Zustand. Das liegt insbesondere an den zahlreichen, zur Trocknung aufgehängten Schabracken, Fliegendecken und Gamaschen.
  12. Strandbars und Traumstrände können einpacken gegen den „place to be“ der Reiter im Sommer: Der Waschplatz. Inklusive Schlange stehen, Loch im Schlauch und nassen Füßen.
  13. Die meisten Pferde sind beim Training bei sommerlichen Temperaturen besonders gehfreudig.
  14. Eine sommerlich-versengte Weide erfreut nahezu jedes Reiterherz – so viel frisches Grün für’s Pferd!
  15. Den Sommer wissen vor allem jene Reiter besonders zu schätzen, die bei sommerlichem Schuhwerk einen verirrten Pferdefuß auf ihrem Zeh wiederfinden.

In diesem Sinne: Genießt die sommerlichen Temperaturen, erfreut euch an der Sonne und an alle Reiter: Stark bleiben! ?

Ann-Christin Villnow

Ann-Christin Villnow

Die Liebe zum Schreiben mit dem Reitsport vereinen - geht das? Klar! Schaut auf meinem Blog vorbei und verfolgt den gemeinsamen Weg von meinem Pferd Wunschkind und mir!
Ann-Christin Villnow