Wahrscheinlich der umstrittenste Hilfszügel, in der Schweiz ist er sogar verboten: Der Schlaufzügel.

Er wird unter dem Bauch am Sattelgurt befestigt, führt dann durch die Gebissringe und landet schließlich neben dem normalen Zügelpaare in der Hand des Reiters, ist allerdings nicht mit den Kandarenzügeln zu vergleichen.

Korrekt verschnallt funktioniert der Schlaufzügel nach dem Flaschenzugprinzip – sprich unter gewöhnlichem Kraftaufwand wird doppelt so viel Kraft auf das Pferdemaul ausgeübt. Der Sinn hinter diesen Hilfszügeln ist, dass das Pferd in die Dehnungshaltung gelockt werden soll. Sobald das Tier schließlich nachgibt, soll auch der Reiter dann mit den Schlaufzügeln nachgeben. Korrekt angewandt macht sich das Pferd lang und der Schlaufzügel hängt dann durch.

Aber wenn er doch scheinbar ein sinnvolles Hilfsmittel darstellt, warum ist er hier dann umstritten und in der Schweiz sogar verboten? Klingt immerhin doch recht paradox.

Ein Zitat, finde ich, bringt die Gefahr ganz gut auf den Punkt: „Schlaufzügel in den Händen eines Laien sind wie ein Rasiermesser in den Händen eines Affen“. Und da liegt das Problem. Es sind verdammt viele Affen mit Rasiermessern in diesem Falle unterwegs. Viele nutzen die Hilfszügel nicht für den vorgesehenen Zweck, sondern versuchen damit irgendwie die einzelnen Stufen der Ausbildungsskala zu umgehen und sich ohne große Anstrengung nach oben zu schummeln. Der Kopf des Pferdes wird praktisch fest gemacht, das Pferd wird in die Senkrechte (und oft noch weit dahinter) hineingezwungen – Widerstand ist zwecklos. Wo soll es denn auch hin? Da bleibt den Tieren schließlich nicht viel anderes übrig, als im Genick nachzugeben, von Losgelassenheit aber keine Spur.  Auf so eine Art und Weise wird das Pferd gebrochen.

Ich finde da die Selbstreflektion vieler Reiter verblüffend, dass sie sich zu den Profis zählen (obwohl sie in jeder A*-Dressur nur mit 5er Noten nach Hause gehen) und ohne jedes Feingefühl oder irgendeine Form von Geduld ihr Pferd vorne fest ziehen. Logisch. Man ist dieses „in die Hand hineintreiben“ ja auch müde und „Treiben“ klingt schon so nach Kraftaufwand. Das Pferd soll sich ja bewegen, nicht der Reiter. Und umso schneller man ganz nach oben kommt, umso besser. Dass der vierbeinige Partner dann nach wenigen Jahren nicht mehr reitbar ist, weil Gelenke und Rücken das nicht mehr hergeben, wird meistens nicht bedacht. Aber Hut ab. Was seid ihr tolle Reiter.

„Ja“, werden jetzt einige rufen. „ Deshalb gehören Schlaufzügel auch nur in die Hände eines Könners, jemand, der die Gefahren kennt und deshalb umsichtig damit umgeht“.

Sicher, wie oben beschrieben, kann das Pferd so in Dehnungshaltung gelockt werden, bockende Pferde können auch so besser kontrolliert werden. Trotzdem sollte der Hilfszügel nicht Bestandteil der täglichen Arbeit werden.

Und ein Meister braucht dieses Hilfsmittel nicht. Ist ein Pferd ordentlich geritten und gymnastiziert, sucht es auch ohne Schlaufzügel und dehnt sich. Aber ich habe immer öfter den Eindruck, dass selbst viele Bereiter (die auch erfolgreich reiten) verlernt haben, dem Pferd die Zeit zu geben, die es braucht und sich sehr an diesem Gedanken „Mein Pferd ist jetzt so und so alt, also muss es jetzt in dieser Klasse starten“ aufhängen. Und da unterscheiden sich die Dressurreiter nicht sehr von den Springreitern, nur das die Springreiter sich dabei noch selbst in Gefahr bringen, sollte der Zosse sich in den „Hilfsmitteln“ verheddern. Auch hier soll das Ziel sein, dass sich das Pferd nicht über dem Sprung heraushebt – was auch durch einen längeren, aber gefühlvolleren Weg der Ausbildung erreicht werden könnte.

Mein Fazit: Ja, ich finde, der Schlaufzügel sollte verboten sein. Das hat nichts mit „Pferde-Hippie“-Einstellung zu tun. Ich kann damit leben, wenn diese Hilfszügel ganz selten und von Profis eingesetzt werden, auch wenn ich selbst dann kein Fan davon bin. Aber es wird einfach zu viel Unfug damit getrieben und die meisten wollen sich nur viel Arbeit ersparen.

Deshalb weg damit. Die Schleifen, die dann nach Hause gebracht werden, sind dann vielleicht nicht so zahlreich. Aber wenigstens mit einem losgelassenen, zufriedenen Pferd erritten. Und das sollte doch viel mehr wert sein.

Lena_Kay96

Lena_Kay96

Geboren für das große Viereck - nur den Weg noch nicht gefunden ?
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