Ein eigenes Pferd ist der Traum vieler Menschen, meist träumt man schon als Kind davon und kann sich dieses Ziel erst als Erwachsener erfüllen oder aber die Eltern sind so großzügig und schenken dem Kind das erste Pferd. Doch vor dem Kauf solle man sich über Diverse Hürden und vor allem Kosten bewusst sein. Neben den Anschaffungskosten, die ja nun einmal schon hoch genug sind darf man den Unterhalt eines Pferdes nicht vergessen. Wie der Traum vom eigenen Pferd doch wahr wird, zeigt dieser Artikel.

Besondere Hürden beim Pferdekauf

Ein Pferdekauf sollte nicht übereilt geschehen. Wer sich es noch nicht zutraut ein Pferd alleine auszusuchen sollte sich auf jeden Fall bei der Besichtigung professionelle Unterstützung mitnehmen. Dies könnte ein Freund mit entsprechender Kauferfahrung sein oder auch der oder die Reitlehrerin. Behaltet einen kühlen Kopf, so süß das Pferd auch ist ihr solltet allem voran mit dem Verstand und nicht mit dem Herzen kaufen. Schließlich wollt ihr mit dem Pferd ja noch einige Jahre Freude haben und euch kein krankes Tier unterjubeln lassen. Leider passiert eben dies beim Pferdehandel allzu häufig.

Besteht auf eine Ankaufsuntersuchung durch einen Tierarzt eurer Wahl. Oft wird es bei einem Pferdeverkauf so gehandhabt, dass die Kosten der sogenannten AKU wie folgt aufgeteilt werden:

Bei einer Untersuchung ohne Befund zahlt der Käufer, mit Befund jedoch der Verkäufer.

Ist das Pferd von euch und eurem Beistand abgesegnet worden, gilt es herauszufinden ob ihr zueinander passt. Lasst euch auf jeden Fall genug Zeit bei der Entscheidung, wenn möglich könnt ihr das Pferd ja auch ein weiteres Mal Probereiten um wirklich sicher zu gehen, dass die Chemie zwischen euch passt. Manchmal verliebt man sich schon beim ersten Aufsitzen und weiß einfach, dass man sein Seelenpferd gefunden hat. Andere Beziehungen zwischen Pferd und Reiter beginnen jedoch klein und wachsen aber mit der Zeit zu einem großen Ganzen.

Wer sich dazu entscheidet ein Pferd zu kaufen, sollte in jedem Fall einen Kaufvertrag unterzeichnen: Dieser ermöglicht es, die Vereinbarungen, die der Käufer und der Verkäufer getroffen zu haben, schriftlich festzuhalten. So sichert sich der Käufer beispielsweise gegen mögliche Streitfälle ab.

Zudem können in dem Vertrag zusätzliche Vereinbarungen und Bedingungen festgehalten werden. Dies betrifft beispielsweise Sonderwünsche des Verkäufers, wie den Ausschluss des Wiederverkaufs für eine bestimmte Zeit oder ein Vorkaufsrecht für den Fall des Weiterverkaufs. Darüber hinaus sollte unbedingt gesondert im Vertrag aufgeführt werden, ob das Pferd reitbar ist oder nicht.

Anschaffungs- und laufende Kosten

Wenn Kinder, Jugendliche und sehr junge Erwachsene es auch mitunter vergessen, so bleibt ein trüber Fakt immer bestehen: Pferde und der Reitsport an sich sind teuer. Es ist nicht damit getan, ein Pferd zu finden und zu kaufen. Nein, im Schnitt fallen dieselben Kosten nochmals in den ersten Monaten nach dem Kauf an. Und jährlich zahlen die meisten Reiter ebenfalls einen hohen vierstelligen Betrag. Eine Auflistung der Kosten:

  • Pferd – ein solide ausgebildetes, gesundes Pferd mit einer soliden Grundausbildung kostet ab 4.000 Euro aufwärts. Je mehr Vermögen das Pferd hat, je besser die Abstammung ist, desto teurer wird es. Nachwuchspferde gehen schnell mal in den fünfstelligen Bereich. Günstiger wird es bei rohen Pferden, Fohlen und Jährlingen – hier fallen aber ganz andere Kosten an.
  • Ankaufsuntersuchung – die bereits erwähnte tierärztliche Untersuchung des Pferdes hilft, den Gesundheitszustand des Pferdes festzustellen. Manchmal übernimmt der Verkäufer zwar die Kosten für die Untersuchung, der Käufer kann sich darauf jedoch nicht verlassen. Die Vereinbarung muss individuell getroffen werden.
  • Ausbildung – wer ein rohes Pferd oder ein Jungtier holt, muss in die Ausbildung investieren. Bei Fohlen kommen die Kosten für die Aufzucht hinzu – gute Plätze kosten hier gut 300,00 Euro monatlich und das für mehrere Jahre. Rohe Pferde müssen ausgebildet werden. Wer selbst kein extrem guter Reiter mit Jungpferdeerfahrung ist, benötigt zumindest einen Teilberitt. Die Kosten beginnen monatlich bei 500,00 und enden deutlich weiter oben.
  • Stallkosten – wer ein Pferd zum Reiten will, benötigt mehr als irgendeinen Offenstall ohne Strom und Wasser. Halle, Reitplatz, eventuelle weitere Annehmlichkeiten sind für die meisten Reiter wichtig, da sie nach dem Job ein halbes Jahr lang im Dunkeln zum Pferd kommen. Je nach Region, Ausstattung und Nachfrage gestalten sich auch die Preise. Im Norden Deutschlands gibt es gute Ställe für 300,00 Euro monatlich, in Ballungsgebieten und im Süden kostet der Stall im Monat auch mal eine Wohnungsmiete.
  • Ausrüstung – Trense, Gamaschen, Decken… Wer sich ein Pferd anschafft benötigt eine Grundausstattung. Wichtig ist vor Allem, dass am Sattel nicht gespart wird. Selbst ein gebrauchter Sattel muss angepasst werden und das ist nicht bei jedem Sattel-Pferderücken machbar. Ein neuer gebrauchter, aber auf das Pferd anpassbarer Sattel kostet mindestens 1.000,00 Euro. Hat das Pferd einen komplizierten Rücken oder wird ein neuer Sattel gewünscht, belaufen sich die Kosten auf mindestens das Achtung: Während der Ausbildung verändert sich die Statur von Jungpferden und der Sattel muss immer wieder angepasst werden.
  • Versicherungen – ein Pferd muss haftpflichtversichert sein. Die Beträge sind jedoch relativ gering und liegen bei knapp einhundert Euro jährlich. Bei Pferden empfiehlt sich zudem mindestens eine OP-Versicherung, die im OP-Fall einen guten Teil der Kosten trägt.
  • Erhaltung – alle acht bis zehn Wochen muss der Hufschmied kommen. Hat das Pferd Eisen, werden bei jedem Besuch um die 150,00 Euro fällig. Jährlich muss ein Pferd geimpft werden, drei bis vier Mal im Jahr kommt die Wurmkur dazu. Wird das Pferd krank, wird es schnell teuer. Eine Tierarztbehandlung erreicht schneller eine vierstellige Summe, als man glaubt.

Der Gedanke, beim Pferdekauf an sich zu sparen, lohnt sich nicht. Extrem günstige Rösser sind zumeist gesundheitlich angeschlagen oder sauer geritten – die Folgekosten fressen die Ersparnisse vollständig auf.

Kosten, an die man oft nicht denkt

Neben den reinen Kauf- und Haltungskosten kommen auch noch einige Kosten hinzu, an die der Käufer vielleicht erst mal nicht denkt. So beispielsweise die Kosten, um das Pferd aus dem Stall des Verkäufers in den neuen Stall zu transportieren. Hier muss sich der Käufer entweder einen Pferdeanhänger ausleihen oder eine professionelle Transport-Firma beauftragen.

Hinzu kommen die Kosten für das Pferdefutter; in vielen Fällen ist zudem Zusatzfutter nötig, was viele Käufer beim Kauf nicht bedenken: Genesende Pferde, tragende Stuten, hart arbeitende Sportpferde und Fohlen brauchen spezielles Futter.

Finanzierungsquellen für den Pferdekauf

Die meisten Reiter finanzieren sich zumindest hin und wieder einen Teil ihres Sports durchaus mithilfe der Verwandtschaft. Kleinere Beträge werden von den Eltern oder Großeltern gerne mal vorgestreckt. Dieser Weg hat natürlich den Vorteil, dass im Regelfall keine Zinsen fällig werden und die Raten auch mal problemlos einen Tag später bezahlt werden können.

Wer nicht immer auf die Verwandtschaft angewiesen sein muss, für den ist beispielsweise auch mal ein Kredit sinnvoll. Beachtet hierbei, dass man auch mal schnell eine Finanzierung herbeizaubern muss wenn das Traumpferd sich doch recht schnell findet.

Sehr gute und bereits erfolgreiche Reiter können sich natürlich auch auf Sponsorensuche begeben. Nicht selten investieren kleinere Betriebe in einen Reiter, der nun im Gegenzug das Firmenlogo auf den Schabracken oder Decken trägt.

Fazit – der Pferdekauf ist die kleine Hürde

Wer sich ein Pferd anschafft, muss die Gesamtkosten berücksichtigen und nicht allein nach einem günstigen Pferdeschnäppchen suchen. Sind Rücklagen vorhanden, sind die Kosten für das nächste Jahr gesichert und ist zusätzlich Geld für Tierarztrechnungen vorhanden, spricht auch nichts dagegen, den Kauf mit einem Kredit zu meistern. Dieser Weg ist sogar sinnvoll, da so die Rücklagen abgesichert bleiben.

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