Fohlen

Die Pferdewirtschaftsmeisterin Julia Heintze ist auf der Hengststation Massener Heide für das Hengststationsbüro & die Pferdegesundheit zuständig. Im Interview gibt sie Tipps, wie man sowohl Fohlen als auch Stute optimal unterstützen kann.

Die Pferdewirtschaftsmeisterin Julia Heintze ist auf der Hengststation Massener Heide ist neben dem Hengststationsbüro & der Pferdegesundheit, in erster Linie für die Besamung und die Betreuung der Hengste zuständig. Außerdem ist sie Ihre Ansprechpartnerin für die EU-Besamungsstation.

Warum ist die Tupferprobe wichtig?

Bevor man eine Stute besamt, ist es – wie beim Natursprung – wichtig, dass eine Tupferprobe bei der Stute entnommen wird. Denn, wenn die Stute „nicht sauber“ ist (also nicht keimfrei), kann sie nicht befruchtet werden und alle Mühe und Aufwand wären umsonst gewesen. Viele Leute glauben, dass man eine Tupferprobe nur während der Rosse entnehmen kann/soll. Das stimmt nicht!

Es ist kein Problem die Tupferprobe an einem beliebigen Zeitpunkt zu nehmen. Es tut der Stute nicht weh und ist nicht schädlich und der Bakterienhaushalt in der Gebärmutter ändert sich während der Rosse nicht. Es wäre außerdem eine verlorene Rosse zu Beginn der Saison, wenn eine Rosse nur für die Entnahme der Tupferprobe genutzt werden würde.

Wenn man das Ergebnis der Stute hat und die Tupferprobe ist ohne Befund, kann eine Besamung sofort in Angriff genommen werden. Wenn die Tupferprobe positiv ist, muss die Stute vor der Besamung behandelt werden.

Wann muss ich besamen?

Die Besamung sollte möglichst zeitnah zum Eisprung erfolgen, d.h. möglichst einige Stunden vor dem Eisprung bis einige Stunden nach dem Eisprung. Grundsätzlich findet der Eisprung am Ende der Rosse statt.

Und wann kann ich die Trächtigkeit meiner Stute bestätigen lassen?

Der Zyklus der Stute dauert ca. 17-21 Tage. Normalerweise plant man daher die Nachkontrolle bzw. die Trächtigkeitsuntersuchung auf den 18. bis 20. Tag nach der letzten Besamung. Manchmal kann man auch schon am 16. Tag nach der letzten Besamung eine Trächtigkeit feststellen.

Um sicherzugehen, dass die Stute auch sicher die Frucht noch nicht abgestoßen hat, lässt man ab dem 35. Tag der Trächtigkeit noch einmal einen Ultraschall machen.

Wie merke ich, dass die Geburt beginnt?

Die Geburt selber gliedert sich in drei Abschnitte:

  1. Öffnungsstadium (kann bis zu einer Stunde dauern):
    Die Muskulatur im Bereich des inneren Muttermundes entspannt sich, dadurch öffnet sich der Geburtskanal. Gleichzeitig beginnt die Gebärmutter sich zusammenzuziehen. Anzeichen für diese Phase sind z.B., wenn die Stute sich nach ihrem Bauch umsieht, aufstampft, häufig kleinere Mengen Kot absetzt und schwitzt. In dieser Phase sollte es nicht zu Störungen und Unruhe im Stall kommen. Wenn die Fruchtblase platzt und das Fruchtwasser aus der Scheidenöffnung abläuft, signalisiert dies den Übergang in die zweite Phase.
  1. Austreibungsstadium (dauert ca. 30 Minuten):
    Die Stute legt sich nun hin und die Kontraktionen („Zusammenziehen“) der Bauchmuskulatur sind deutlich zu erkennen. Das Fohlen wird in der Eihaut durch diese Schubwehen ausgetrieben. In Normalstellung (gestreckte obere Vorderendlage) passieren zuerst die Vorderhufe den Geburtskanal, diese zeigen nach unten. Auf den Vorderbeinen ruht der Kopf. Sollte dies nicht der Fall sein, oder diese Phase länger als 30 Minuten dauern, ist es nötig, den Tierarzt hinzu zurufen.

Die Eihüllen werden von der Stute zerbissen und weggeleckt, das ist ein wichtiger Prozess bei der Bildung der Mutter-Kind-Bindung. Nur, wenn die Eihülle Maul und Nüstern des Fohlens bedecken und die Stute dies nicht behebt, sollten hier eingegriffen werden, um dem Neugeborenen den ersten Atemzug zu ermöglichen. Gleichzeitig regt die Massage der mütterlichen Zunge den Kreislauf des Fohlens an.

Die Nabelschnur reißt, wenn die Stute aufsteht und sollte nicht künstlich durchtrennt werden.

Was passiert nach der Geburt?

Das Nachgeburtsstadium kann zwischen 30 Minuten bis zu zwei Stunden dauern und bedeutet die vollständige Austreibung der Eihäute. Wenn die Nachgeburt nach zwei Stunden noch nicht abgegangen, ist sollte ein Tierarzt geholt werden. Eine Nachgeburtsverhaltung ist eine ernste Angelegenheit und kann schnell lebensbedrohlich werden. Die Eihäute sollten auf ihre Vollständigkeit hin untersucht werden, um sicher zu gehen, dass kein totes Gewebe in der Stute verbleibt und so zu Gebärmutterentzündungen oder innerlichen Vergiftungen führen kann.

Es kommt beim Pferd in etwa 4-6% der Geburten zu Komplikationen. Da diese immer lebensbedrohlich sein können, sollte bei einem Verdacht auf Probleme sofort der Tierarzt informiert werden.

Mein Fohlen trinkt nicht nach der Geburt. Was kann ich tun?

Das Fohlen sollte schon nach kurzer Zeit versuchen, aufzustehen und zu saugen, weil die Stute nur während der ersten 24 bis 36 Stunden das Kolostrum (Biestmilch) bildet. In diesem sind lebenswichtige Abwehrstoffe enthalten.

Mitunter kommt es besonders bei Maidenstuten (Stuten, die das erste mal gefohlt haben) zum Abschlagen des Fohlens. Hier kann die Stute mit Gefühl am Halfter gehalten werden, bis das Fohlen zum ersten Mal trinkt. In vielen Fällen wird sie es anschließend akzeptieren, weil ihr das Saugen Erleichterung verschafft. Wenn die Stute trotz aller Bemühungen ihr Fohlen nicht annimmt, muss die wertvolle Kolostralmilch von Hand gemolken und dem Pferdekind mit der Flasche verabreicht werden. Bei Unsicherheit ist immer der Rat des Tierarztes einzuholen!

Sollte ich bei der Fütterung meiner Stute und meines Fohlens etwas beachten?

In den ersten Monaten nach der Geburt des Fohlens haben säugende Stuten einen extrem hohen Energie- und Nährstoffbedarf. Man sollte immer bedenken, dass die Zuchtstute bis zu 15 bis 20 Liter Milch am Tag produziert, sich selbst erhalten muss und nach ca. zehn Tagen wieder trächtig werden kann. Die höchste Laktationsleistung der Stute liegt übrigens im dritten Monat nach dem Abfohlen. Der Energiebedarf für die Milchproduktion (Laktation) ist vergleichbar oder sogar höher als bei einem Hochleistungspferd. Der Eiweiß- und Mineralstoffbedarf einer laktierenden Zuchtstute kann sogar doppelt so hoch sein.

Die erste Mahlzeit nach dem Abfohlen sollte auf jeden Fall sehr leicht verdaulich sein. Hier ist eine Fütterung von Mash und Mineralstoffboostern anzuraten.

Die Kraftfuttermenge für die Zuchtstute sollte nach und nach gesteigert werden, so dass man nach ca.  14 Tagen die erforderliche Höchstmenge erreicht hat. Man muss immer beachten, dass eine zu schnelle Steigerung der Kraftfuttermenge zu Verdauungsstörungen beim Fohlen führen kann. Außerdem ist eine Erhöhung von Kraftfutter nicht immer zwingend nötig.

Man sollte immer das Allgemeinbefinden der Stute beachten und auf jeden Fall die Mineralstoffzufuhr erhöhen. Eine Unterversorgung der Zuchstute mit Nährstoffen kann zu Nährstoffdefiziten in der Milch führen und die Fohlenrosse (die erste Rosse nach der Geburt) verzögern.
Die notwendigen hohen Kraftfuttergaben sollte man auf mindestens drei (besser mehr) Mahlzeiten verteilen, um eine optimale Verdauung und Verwertung sicherzustellen, sowie das Risiko von Koliken oder anderen Verdauungsproblemen zu reduzieren.

Als Proteinlieferant sind z.B. Hafer, Sojaschrot oder ein spezielles Zuchtstutenfutter geeignet. Das Sojaprotein enthält einen besonders hohen Anteil an essentiellen Aminosäuren, die insbesondere für die Milchproduktion (Milchmenge und Eiweißgehalt der Stutenmilch) wichtig sind. Hafer enthält im Vergleich dagegen eine geringe Menge an verdaulichen Proteinen. Der laktierenden Stute sollte daher Hafer immer nur in Verbindung mit einem hochwertigen eiweißhaltigen Pferdefutter gegeben.

Vorsicht! Eine Unter- wie auch Überversorgung der Stute mit Proteinen kann die Entwicklung des Fohlens beeinträchtigen.

Warum sollte ich mit meiner Stute und meinem Fohlen zur Stuten- und Fohlenschau?

Hier kann das Fohlen seinen Brand erhalten. Außerdem kann ich hier mein Fohlen mit anderen Fohlen vergleichen lassen. Außerdem bekommt es hier eine erste Bewertung – gerade, wenn ich mein Fohlen verkaufen möchte, kann dies ein wichtiger Pluspunkt sein.

Kontakt

Julia Heintze

Pferdewirtschaftsmeisterin, Hengststationsbüro & Pferdegesundheit

Tel.: +49 2303 230 498-555
E-Mail: j.heintze@reitsportzentrum-massener-heide.de