Als Reiter hat man es im Umgang mit den „normalen“ Menschen nicht leicht!

Wenn man nach dem Besuch beim Pferd noch kurz in Reitkleidung einkaufen geht, erntet man seltsame Blicke…

Wenn man von seinem Hobby erzählt, werden dämliche Andeutungen gemacht…Früher hätte es das nicht gegeben! Da waren Pferde nur was für die reichen und mächtigen Leute!

Naja, jetzt mal wieder ernsthaft: es gibt schon viele Vorurteile gegenüber dem Reitsport und auch noch genauso viele Mitmenschen, die glauben, darüber Bescheid zu wissen, obwohl sie noch nie ein Pferd aus der Nähe gesehen haben. Dann denke ich kurz: „Ihr habt ganz schön viel Meinung für so wenig Ahnung!“ und schon kann ich dieses Gerede besser tolerieren.

Die am weitesten verbreitete Behauptung ist wahrscheinlich: „Reiten ist gar kein Sport! Man sitzt ja nur drauf und das kann ja jeder!“ – So ein Blödsinn! Ich würde diese Leute am liebsten mal für eine halbe Stunde auf meiner Stute im Leichttrab longieren. Oder alleine Reiten lassen und mal abwarten, wie viel Kraft diese Leute in ihren Armen haben…

Ich reite mittlerweile seit zehn Jahren und trotzdem habe ich nach jeder Springstunde Muskelkater. Aber egal in welcher Disziplin, ich bin nach einer Stunde ordentlichem Reitunterricht mindestens genauso fertig wie das Pferd. Ich hatte sogar mal eine Reitstunde, in der mein Pony und ich uns so sehr konzentriert haben, dass nach einer Stunde keiner mehr klar denken konnte.

Außerdem gehört zum Reiten ja noch viel mehr als nur das „Draufsitzen“. 

Man muss die Pferdebox misten, was einem Krafttraining gleich kommen kann. 

Man muss das Pferd von der Koppel holen, was einer Wanderung gleichen kann, wenn das Pferd mal wieder nicht von alleine kommen will oder weggelaufen ist.

Man muss das Pferd putzen, was wiederum einem ganzen Hausputz gleichen kann.

Grob gesagt: Man hat’s nicht leicht als Reiter! (Und jetzt „Ironie aus“)

Für fast alle Reiter ist das Pferd mehr als nur ein SportGERÄT, es ist der SportPARTNER und das bedeutet nun mal einen großen Haufen Arbeit.

Eine meiner Reitlehrerinnen sagte vor kurzem nach einer ziemlich misslungenen Unterrichtsstunde zu mir: „Reiten IST Sport, es so zwar nicht anstrengend aussehen, aber das ist es trotzdem!“

Und im gleichen Atemzug fügte sie hinzu: „Ein kluger Mann hat einmal gesagt, das Leben sei zu kurz um Reiten zu lernen!“

Aber das Unwissen unserer Gesellschaft in Bezug auf dieses wunderschöne Hobby ist noch um einiges größer! 

Vor ein paar Jahren war ich mit meinem Pferdchen am nahegelegenen Skihang spazieren und sie trug ihr ziemlich neues Knotenhalfter, auf das ich schon ein bisschen stolz war.

(Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/95/Knotenhalfter.jpg)

Als wir dann meine Klassenkameraden getroffen haben, haben die völlig ernst gefragt, ob ich das Halfter selbst zusammen gebaut und kein Geld für ein richtiges hätte!

Dann hat Saga vor lauter Ungeduld im Schnee gescharrt und an den wenigen Grashalmen herumgeknabbert. Das haben die Klassenkameraden natürlich als Anlass für eine nächste dumme Frage gesehen: „Dein Pferd hat Hunger! Gibst du ihr nicht genug essen?“ Ich weiß schon nicht mehr genau, was ich darauf geantwortet habe, aber es könnte eine etwas ironische Antwort gewesen sein…

Ein paar Monate später als Saga eigentlich schon eine Weile bei mir wohnte, wurde ich von zwei jüngeren Mädchen gefragt, ob das mein richtiges echtes eigenes Pferd sei (Das werde ich übrigens auch nach sechs Jahren immer mal wieder von Leuten aus unserem Dorf oder sogar von Nachbarn gefragt!). Ich bejahe derartige Fragen jedenfalls immer wieder. Aber die Mädchen wollten es genauer wissen:

„Hast du das Pferde auch selbst bezahlt?“ „Und wie viel hat das gekostet?“ 

Ich hasse solche Fragen! Da kommt dann die Erziehung meines Vaters, von Beruf Bankkaufmann, durch; denn über Geld spricht man nicht, das hat man! Ich habe also gesagt, ich wüsste den Preis nicht mehr.

Da sagte eine der beiden ganz überzeugt: „Naja, das ist ja nicht groß! Das hat bestimmt nicht viel gekostet. Ein paar hundert Euro vielleicht!“ Als ob der Verkaufspreis eines Pferdes nach dem Lebendgewicht bemessen wird! Das ist doch nicht wie beim Metzger, wo man Kilopreise bezahlt! 

Seit diesem Begegnung halte ich mich bei Gesprächen über Pferde besser bedeckt. Mit so viel Unwissenheit, Unbelehrbarkeit und Ignoranz kann ich nicht umgehen oder reden.

Musstet ihr euch auch schon ähnliche Sprüche anhören? Schreibt doch mal von eurem Begegnungen!

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Saga Pferd

Saga Pferd

Ich habe circa 2007 mit dem Reiten angefangen. Seit 2012 habe ich mein kleines Herzenspferd gefunden. Wir sind Freizeitreiter, machen Zirkuslektionen, gebissloses Reiten und probieren alles andere gerne aus! Ich reite ab und zu auch Dressur und Springen auf Schulpferden. Darüber schreibe ich euch hier und auf meinem Blog!
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