Zucht

Die Pferdezucht ist ein sehr großes und komplexes Thema. In unserem Zucht-ABC finden Sie ein kleines Lexikon zu häufig vorkommenden Fachbegriffen.

Eine Abfohlmeldung bekommen Besitzer von eingetragenen und besamten Stuten immer zum Jahresbeginn von dem jeweiligen Zuchtverband. Auf der Abfohlmeldung werden die Geburten der Fohlen und alle wichtigen Informationen zu den Fohlen eingetragen. Sie ist damit die Grundlage für den Pferdepass. Die Meldung muss innerhalb von wenigen Tagen nach der Geburt beim Zuchtverband zurückgegeben werden.

Falls eine Stute nicht tragend ist, sie verfohlt hat oder das Fohlen stirbt, bevor es registriert werden konnte, muss auch dies in die Abfohlmeldung eingetragen werden.

Der Abstammungsnachweis wird von dem Zuchtverband ausgestellt. Er dient der Zuchtbescheinigung und ist eine Urkunde über die Abstammung und Leistung eines Zuchtpferdes. Er kann nur dann ausgestellt werden, wenn die Eltern in das Zuchtbuch der Rasse eingetragen sind.

Folgende Anforderungen müssen immer erfüllt sein:

  • Beide Elternteile sind im Jahr der Bedeckung (bzw. im Jahr der Fohlengeburt) im Zuchtbuch eingetragen
  • Die Abfohlmeldung wurde fristgerecht nach der Geburt eingereicht
  • Das Fohlen wurde durch den Zuchtleiter oder einen Beauftragten bei Fuß der Mutterstute identifiziert

Weitere Anforderungen an die Leistungen der Pferde mit einem Abstammungsnachweis sind in der Zuchtverbandsordnung (ZVO) der jeweiligen Rassen geregelt.

Für jede eingetragene Zuchtstute bekommen Züchter zum Jahresbeginn vom Zuchtverband einen Besamungsschein bzw. Deckschein zugeschickt. Vor der Besamung wird dieser dann dem Hengsthalter übergeben. Welcher ihn wiederum ausgefüllt an den Zuchtverband schickt. Der Besamungsschein dient damit als Grundlage für die Abfohlmeldung im folgenden Jahr.

Pferde werden mittels eines kleinen Microchips (Transponder) gekennzeichnet. Dieser wird an der linken oberen Halsseite in den Muskel gesetzt. Seit 2010 schreibt die Viehverkehrsordnung vor, dass alle nach dem 1. Juli 2009 in Deutschland geborenen alle Equiden (Pferde, Ponys, Esel) mit einem Chip gekennzeichnet sein müssen.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. ist der Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht in Deutschland. 25 Zuchtverbände sind Mitglieder bei der FN. FN ist die Abkürzung für Fédération Equestre Nationale.

Die Eigentumsurkunde wird zusätzlich zum Equidenpass ausgestellt. Zumindest, wenn dieser zusammen mit dem Abstammungsnachweis in einer gemeinsamen Mappe vorhanden ist. Die Eigentumsurkunde steht – wie der Name es vermuten lässt – dem Eigentümer des Pferdes zu. Beim Verkauf wird sie zusammen mit allen weiteren Papieren dem Käufer übergeben. Beim Tod des Pferdes wird die Eigentumsurkunde an den Verband zurückgeschickt.

Der Equidenpass dient zur Identifizierung von Pferden. Bei Zuchtpferden wird der Pass zusammen mit der Zuchtbescheinigung in einer gemeinsamen Mappe zusammengefasst. Der Equidenpass gehört zum Pferd – Stallbesitzer, die Einsteller haben, sind daher angehalten, die Equidenpässe ihrer Einstellpferde zu sammeln. Ebenso wie die Eigentumsurkunde muss auch der Equidenpass bei Verkauf des Pferdes dem neuen Besitzer übergeben werden.

Äußeres Erscheinungsbild von Pferden und Ponys (s. auch Interieur). Exterieur und Interieur bestimmen über die Verwendbarkeit des einzelnen Pferdes. Z.B. die Kopfform, die Hufstellung und auch die Stellung der Beine.

Die Geburtsbescheinigung wird vom zuständigen Zuchtverband ausgestellt. Die Urkunde beinhaltet die Abstammung und die Leistung eines Zuchtpferdes und ist auch als Zuchtbescheinigung bekannt. Sofern die Elterntiere im Zuchtbuch der Rasse eingetragen sind, kann sie als Abstammungsnachweis ausgestellt werden. Die Anforderungen an die Pferde mit einer Geburtsbescheinigung sind in den jeweiligen Bestimmungen der Rassen der Zuchtverbandsordnung geregelt.

Folgende Anforderungen müssen immer erfüllt sein:

  • Die Bedingungen für die Ausstellung eines Abstammungsnachweises sind nicht vollständig erfüllt
  • Beide Elterntiere sind im Zuchtbuch eingetragen
  • Die Abfohlmeldung wurde fristgerecht nach der Geburt eingereicht
  • Das Fohlen wurde identifiziert

Pferde werden durch die Zuchtverbände identifiziert. Hierzu gibt es folgende Methoden:

  • Angabe des Geschlechts, Beschreibung von Farbe & Abzeichen
  • Elektronische Kennzeichnung und Vergabe des Fohlen- und/oder Nummernbrandes (je nach Zuchtbuchordnung des Zuchtverbandes)
  • Vergabe der 15-stelligen Lebensnummer
  • Vergabe eines Namens bei der Eintragung in das Zuchtbuch

Die inneren Eigenschaften von Pferden und Ponys. Unter dem Begriff werden verschiedene Verhaltens- und Charaktereigenschaften gesammelt. Zu den wichtigsten zählen z.B. positive Eigenschaften wie Ausgeglichenheit, Ruhe, Nervenstärke, oder Temperament.

Von einer Inzestdepression spricht man, wenn die negativen Merkmale der Elterntiere an das Fohlen weitergegeben werden. Dies kann bei der Inzestzucht und der Inzucht passieren. Die negativen Merkmale der Eltern werden verstärkt auf das Fohlen vererbt. Auch rezessive Erbkrankheiten können so wieder zum Ausbruch kommen.

Paarung von Pferden im ersten und zweiten Verwandtschaftsgrad. Diese Zuchtmethode sollte nicht einfach „ausprobiert“ werden und sind nicht die Regel. Bei der Inzestzucht sollen die guten Merkmale der Elterntiere potenziert werden. Hierbei kann es jedoch schnell zu der sogenannten „Inzestdepression“ kommen.

Unter Inzucht versteht man die Anpaarung von 3. Bis 6. Grades verwandter Pferde. Bei dieser Zuchtmethode sollen die guten Merkmale der Elterntiere potenziert werden. Auch hier kann es zu Inzestdepressionen kommen.

Unter der Körung versteht man eine Selektionsentscheidung für die Eintragung von Hengsten in eine Abteilung des Zuchtbuches eines Zuchtverbandes. Die Entscheidung wird beeinflusst von:

  • Merkmale der äußeren Erscheinung (besondere Berücksichtigung des Bewegungsablaufes)
  • Ergebnisse anderer Leistungsprüfungen
  • Zuchttauglichkeit und Gesundheit

Jedes Fohlen erhält bei der Registrierung die universelle Equiden-Lebensnummer (UELN) gemäß der europäischen Verordnung. Die Nummer besteht aus 15 Stellen und ist alpha-numerisch. Die ersten drei Stellen stehen für das Herkunftsland des Pferdes, die darauffolgenden drei Stellen für den Zuchtverband, die letzten neun Stellen sind die Registriernummer innerhalb des Zuchtverbandes. Für die aktive Kennzeichnung gelten als Brenn-Nummer die Stellen 12 und 13. Das Geburtsjahr steht an Stelle 14 und 15.

Mit der Leistungsprüfung wird die Leistung von Pferden ermittelt und die Zuchtzielmerkmale mittels der Berechnung von Zuchtwerten erfasst.

Folgende Anforderungen werden an Leistungsprüfungen gestellt:

  • Die Zuchtzielmerkmale müssen erblich sein
  • Die „Prüfumwelt“ sollte möglichst ähnlich sein
  • Die Umwelteffekte sollten standardisiert sein (Störgrößen möglichst gering)
  • Möglichst frühzeitig vor der Zuchtbenutzung durchführbar
  • Von vielen Pferden nutzbar

Die Leistungsprüfungen sind auf die Bestimmungen für die Eigenleistungsprüfungen der verschiedenen Rassen abgestimmt.

Bei der Linienzucht werden Pferde einer Rasse gepaart, die sich in ihren Eigenschaften sehr ähnlich sind. Oft werden verwandte Pferde angepaart, jedoch nicht sehr enge Verwandtschaften wie Vater und Tochter oder Bruder und Vollschwester. Die Population soll so auf bestimmte, spezielle Merkmale selektiert werden.

Die Selektion ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Pferdezucht. Unter der Selektion versteht man die Auswahl von Tieren mit erwünschten Merkmalen.

Eine Stute kann frühestens ab dem 3. Lebensjahr – und muss spätestens im Jahr der Geburt ihres ersten Fohlens eingetragen werden. Für die Eintragung muss die Stute beim Zuchtverband angemeldet sein und die Zuchtbescheinigung vorgelegt werden. Der Zuchtverband beurteilt die Stute dann anhand des Exterieurs.

Das Zuchtbuch ist in die Abschnitte Stutbuch I, Stutbuch II und Anhang unterteilt.

Für jede Rasse existiert im Ursprungsland eine Organisation, die das Ursprungszuchtbuch führt. Hier werden die Grundsätze der Rasse aufgestellt. Die Grundsätze im Ursprungszuchtbuch einer Rasse ist für alle entsprechenden Zuchtverbände entscheidend.

Die Zuchtbescheinigung ist eine Urkunde, die vom entsprechenden Zuchtverband ausgestellt wird. In ihr ist sowohl die Abstammung als auch die Leistung des Zuchtpferdes festgehalten. Sie kann als Abstammungsnachweis oder als Geburtsbescheinigung ausgestellt werden. Zumindest, wenn die Elterntiere in das Zuchtbuch der Rasse eingetragen sind.

Das Zuchtbuch wird vom Zuchtverband geführt. In ihm ist das Zuchtprogramm zur Identifizierung und zum Nachweis der Abstammung und Leistung von Zuchtpferden festgelegt. Es ist in eine Hauptabteilung und eine besondere Abteilung unterteilt, wenn der Zuchtverband unterschiedliche Regelungen zur Abstammung trifft. Trifft dieser zusätzlich noch unterschiedliche Regelungen hinsichtlich der Leistung der Zuchtpferde, so wird die Hauptabteilung noch einmal in Abschnitte unterteilt.

Man unterscheidet zwischen geschlossenen und offenen Zuchtbüchern. Geschlossene Zuchtbücher lassen nur Pferde zu, deren Eltern selbst in einem Zuchtbuch der gleichen Rasse eingetragen sind. Diese müssen außerdem eine nach den Regeln des Zuchtbuches festgestellte Abstammung haben.

Davon abweichend können auch Pferde anderer Rassen in das Zuchtbuch eingetragen werden, um Fremdgene hereinzunehmen. Diese werden als Veredlerrassen verstanden. Die Eintragung dieser Rassen erfolgt nach den Grundsätzen des Ursprungszuchtbuches.

Unter der Zuchtbucheintragung wird die Entscheidung des Zuchtverbandes über die vorläufige bzw. endgültige Eintragung eines Zuchtpferdes in eine Abteilung des Zuchtbuches verstanden.

Die Zuchtbuchordnung ist für alle Zuchtverbände vorgeschrieben. Sie muss folgende Punkte enthalten:

  • Mindestangaben im Zuchtbuch
  • Unterteilung der Zuchtbücher
  • Eintragung in das Zuchtbuch
  • Abstammungsnachweis und Geburtsbescheinigung als Zuchtbescheinigung sowie Equidenpass und Eigentumsurkunde
  • Mindestangaben in Zuchtbescheinigung (Abstammungsnachweis, Geburtsbescheinigung) sowie Equidenpass und Eigentumsurkunde
  • Identifizierung
  • Identitätssicherung

Als Zuchtfortschritt oder Selektionserfolg wird die erwünschte Veränderung durch Selektion bezeichnet. Ein züchterischer Erfolg liegt z.B. vor, wenn:

  • die Genauigkeit der Zuchtwertschätzung steigt
  • die Selektionsintensität zunimmt
  • die phänotypische Varianz (die Streuung der Merkmalsausprägung in einer
  • Population) hoch ist
  • die Generationsfolge bzw. das –intervall verkürzt wird.

Bisher wurden bereits sowohl Inzestzucht und Inzucht als auch die Linienzucht erklärt. Dazu kommen noch folgende Zuchtmethoden:

  • Reinzucht:
    Anpaarung von Pferden einer Rasse ohne Hereinnahme fremder Gene, zur Konsolidierung von Merkmalen (hierzu gehören auch Inzucht und Linienzucht)
  • Veredlungszucht:
    In der Reinzucht gezielte Hereinnahme einer oder mehrerer definierter Rassen zur Verbesserung bestimmter Merkmale; „Blutauffrischung“
  • Kreuzungszucht:
    Anpaarung von Pferden verschiedener Rassen
  • Verdrängungszucht:
    Einsatz von Tieren einer fremden Rasse in eine bestehende Population bis die genetischen Anteile der ursprünglichen Rasse sehr gering sind.
  • Gebrauchskreuzung:
    Anpaarung von Tieren unterschiedlicher Rassen mit der Absicht ausschließlich die Nachkommen zu nutzen ohne weiteren Gebrauch als Zuchttier.

Alle Pferde, die in einem mehr oder weniger geschlossenem Zuchtgebiet den Zuchtpferdebestand bilden.

Das Zuchtprogramm umfasst alle Selektionsmaßnahmen innerhalb einer Rasse im Hinblick auf das angestrebte Zuchtziel. Hierzu zählen:

  • Festlegung eines Zuchtzieles
  • Durchführung von Leistungsprüfungen
  • Festlegung von Eintragungs- und Selektionskriterien
  • Durchführung einer Zuchtwertschätzung
  • Umfang der Zuchtpopulation
  • Zuchtmethoden

Die Zuchtstutenprüfungen werden für alle Stuten der Population angeboten. Sie sollen den Züchtern Möglichkeiten zur objektiven Bewertung geben, sowie Vergleichbarkeit zu anderen Stuten schaffen. Die Zuchtstutenprüfung ist keine Voraussetzung für die Eintragung im Stutbuch. Die Prüfung muss jedoch abgelegt sein, damit eine Warmblutstute den Titel Staatsprämienstute erhalten kann. Es gibt zwei Möglichkeiten für Stuten an Leistungsprüfungen teilzunehmen: Feldprüfungen und Stationsprüfungen.

Alle jährlich neu eingetragenen Stuten können an einer Zuchtstutenprüfung teilnehmen. Somit ist das Problem einer Vorselektion der Stuten nahezu ausgeschlossen.

Ein Zuchtverband ist eine nach dem deutschen Tierschutzrecht anerkannte Zuchtorganisation. Jeder Zuchtverband ist vom Staat anerkannt. Von Zuchtverbänden werden im wesentlichen folgende Hauptaufgaben durchgeführt:

  • Aufstellung und Durchführung von Zuchtprogrammen
  • Führung des Zuchtbuches: Identifikation von Zuchttieren und deren Nachzucht und Ausstellung von Zuchtbescheinigungen
  • Zuchtleitung: Erarbeitung und Durchführung von Zuchtprogrammen, Selektion von Zuchttieren, Organisation und Durchführung von Leistungsprüfungen, Beratung der Züchter
  • Vermarktung: Organisation und Durchführung von Absatzveranstaltungen und Werbung sowie PR-Arbeit

Die ZVO ist die Zuchtverbandsordnung der FN. Diese dient der Förderung der Pferdezucht durch Koordination der züchterischen Arbeit der anerkannten Zuchtverbände, die Mitglieder der FN sind.

Unter Zuchtwert versteht man den erblichen Einfluss von Tieren auf die Leistungen ihrer Nachkommen unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit. Zuchtwerte sind also Schätzwerte für die erblich bedingte Leistungsfähigkeit eines Pferdes, die es an seine Nachkommen weitergibt.

Mit der ZWS wird der erbliche Einfluss von Pferden auf die Leistung ihrer Nachkommen unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit ermittelt. Die Zuchtwertschätzung ist ein statistisches Verfahren auf der Grundlage von Ergebnissen der Leistungsprüfung und unter Berücksichtigung der Verwandtschaft. Das Ziel ist es, erblich bedingte Leistungsunterschiede möglichst genau zu schätzen, um so dem Züchter die benötigte Grundlage zur Entscheidung der Selektion zu geben.

Das Zuchtziel formuliert Eigenschaften, die die Zuchtpferde aufweisen sollen und Selektionsmerkmale werden benannt. Nach diesen wird die Auswahl der Zuchtpferde gemacht. Zuchtzielkriterien müssen objektiv und genau feststellbar, erblich bedingt und von wirtschaftlicher Bedeutung sein. Im Zuchtziel sind also die Merkmale einer Rasse festgelegt, welche die Basis der Exterieurbeurteilung und der Leistungsprüfung bilden.

Der Züchter ist der Eigentümer der Zuchtstute zur Zeit der Bedeckung.

Gezielte Paarungsplanung und Selektion der Nachkommen.